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EU wirft Auge auf mögliche Interessenkonflikte bei Neo-Brokern

Kommissionsfreie Online-Broker wie das Berliner Startup Trade Republic werden von der Europäischen Union zunehmend kritisch betrachtet und unter die Lupe genommen.

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© Fotolia

Billig-Broker werden demnächst einigen Erklärungsbedarf in Brüssel haben: Die Finanzwächter der EU-Kommission vermuten, dass ihre Geschäftsmodelle Interessenkonflikte verursachen und damit gegen Vorschriften der EU verstoßen. Anbieter wie Trade Republic, das am Donnerstag eine Finanzierungsrunde über mehr als 700 Millionen Euro verkündete, oder Etoro Europe bieten Kleinanlegern äußerst billige Wege, Wertpapiere online zu handeln. Sie sind derzeit noch kleiner als US-Rivalen wie Robinhood Markets, doch die Aufseher gehen davon aus, dass sie schnell wachsen werden. Ihre Hauptkundschaft sind die unter 30-jährigen Millenials mit ihren Smartphones.

Kleine oder gar keine Provision gegen Orderweiterleitung an bestimmte Adressen
Die Kommission sieht das Problem darin, dass die Broker den beinahe oder ganz provisionsfreien Handel damit querfinanzieren, dass sie die Trades an bestimmte Market Maker weiterleiten. Damit, so die Sorge, würden sie nicht mehr im besten Interesse ihrer Kunden agieren, geht aus einem Brief der Kommission vom 10. Mai hervor, den Bloomberg einsehen konnte. “Wir werden uns eine Meinung darüber bilden, ob die aktuellen Regeln ausreichen, um mögliche Interessenkonflikte oder Defizite in Bezug auf Privatkunden zu unterbinden, wenn es um die beste Ausführung bei Aktiengeschäften geht” sagte Mairead McGuinness, EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, in dem an den deutschen EU-Parlamentarier Markus Ferber adressierten Brief.

Kann "Payment for Order Flow "überhaupt MiFID-konform sein?
Laut McGuinness prüft die Kommission, ob die EU-Marktvorschriften im Rahmen von Mifid II das Geschäftsmodell “payment for order flow“ überhaupt zulassen. Dabei erhält der Broker eine Rückvergütung vom Handelsplatz, damit er die Kundenaufträge dorthin weiterleitet. Die Kommission fordert die nationalen Behörden zudem auf, diese sogenannten Neo-Broker eingehender zu prüfen. Dem Schreiben zufolge werden die EU-Kontrolleure auch prüfen, ob Änderungen der bestehenden Mifid-Regeln notwendig erscheinen - dies auch vor dem Hintergrund, dass viele junge Privatanleger diese neuen Handelsmöglichkeiten heutzutage ähnlich wie Computerspiele nutzen.

Aktienhandel als Spiel für Gamer
In den USA sind Regulierer bereits der Ansicht, dass Robinhood dem Aktienhandel einen spielerischen Charakter verleiht. Gary Gensler, Vorsitzender der SEC (Securities and Exchange Commission), sagte bei einer Anhörung im Kongress diesen Monat zu den Verwerfungen rund um GameStop, dass viele der Vorschriften der SEC verfasst wurden, bevor der jüngste Technologieschub den Aktienhandel derart verändert hat. “Payment for Order Flow-Arrangements stehen in Widerspruch zu einigen der Grundprinzipien der europäischen Finanzmarktregulierung”, sagte Ferber in einer Stellungnahme. “Es darf keinen regulatorischen Rabatt geben, nur weil ein FinTech einen anderen Vertriebsweg nutzt als die Hausbank.” (kb)

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