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EU will Clearing-Beschluss verlängern: Brexit-Sieg für London?

Die Europäische Union wird eine vorübergehende Ausnahmeregelung verlängern, die es ihren Banken und Geldmanagern erlaubt, Geschäfte in Großbritannien abzuwickeln. London ist nach wie vor die Clearing-Hauptstadt in Europa. Die Londoner City freut sich.

Mairead McGuinness
Mairead McGuinness, EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, will Londons Vormachtstellung im Clearinggeschäft brechen. Doch das ist alles andere als leicht: London ist eben die Metropole in diesem Business.
© EU-Kommission

Um möglichen kurzfristigen Risiken für die Finanzstabilität zu begegnen, die mit einer abrupten Unterbrechung des Zugangs zu Clearing-Dienstleistungen in London verbunden wären, wird die Europäische Kommission bald eine eine Verlängerung der Gleichwertigkeit für Clearinghäuser mit Sitz in Großbritannien vorschlagen, sagte sie in einer Erklärung.

Die derzeitige Ausnahmeregelung läuft im Juni aus
Die EU hat auf die Verlagerung von Finanzaktivitäten in die EU gedrängt, entschied aber dann, 
dass der bestehende Zeitrahmen zu kurz sei, sagte Mairead McGuinness, Kommissarin für Finanzdienstleistungen, in der Erklärung. Während die Dauer der vorgeschlagenen Verlängerung nicht erwähnt wurde, sagte McGuinness, dass sie "lang genug sein sollte, um uns zu erlauben das EU-Aufsichtssystem zu überarbeiten", um mehr Aktivitäten in den
in den Währungsblock zu bringen. Sie plant, die Verlängerung Anfang 2022 vorzuschlagen.

An London führt beim Clearing kein Weg vorbei
Der Kampf um das Clearing hat die Post-Brexit-Landschaft überschattet, seit klar wurde, dass es unwahrscheinlich ist, dass die EU und Großbritannien eine umfassende Einigung über Finanzdienstleistungen erzielen. Die Verlängerung ist ein Post-Brexit-Sieg für London und unterstreicht die zentrale Rolle, die die britische Hauptstadt in Europas Finanzinfrastruktur einnimmt.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
"Die EU hat endlich eingesehen, dass sie unterschätzt hat, wie wichtig die im Vereinigten Königreich angesiedelten Clearingdienste für die EU sind", sagte Michael McKee, Partner für Finanzdienstleistungsrecht bei DLA Piper im Talk mit Bloomberg. "Längerfristig wird die EU jedoch ihre eigenen Clearingkapazitäten entwickeln wollen."

Finanzindustrie wirkte auf die EU-Komission ein
Sowohl britische als auch europäische Banken, Investmentmanager und Hedgefonds hatten die Kommission aufgefordert, den Briten Zugang zu geben, und warnten vor einer erheblichen Marktstörung. Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England (BoE), sagte, dass jede Störung eine "echte Bedrohung" für die Finanzstabilität wäre.

Vorübergehende Gnadenfrist
Möglicherweise handelt es sich nur um einen Aufschub. McGuinness sagte auch, dass die EU 
eigene Clearing-Kapazitäten aufbauen und ihren Aufsichtsrahmen auf Clearinghäuser erstrecken wolle. "Dieser vorgeschlagene Weg schafft ein Gleichgewicht zwischen der  Sicherung der Finanzstabilität auf kurze Sicht - das erfordert eine Entscheidung über die Äquivalenz zu treffen, um zu vermeiden, dass EU-Marktteilnehmer vor einem abrupten Kurswechsel in Sachen Clearing stehen - , und der mittelfristigen Sicherung der Finanzstabilität, der uns dazu zwingt, eine risikoreiche übermäßige Abhängigkeit von einem Drittland zu verringern", sagte McGuinness in der Erklärung.

Clearing ist ein wichtiger Bestandteil der Finanzwelt
Dieser sichert Arbeitsplätze im Bankwesen, in der Technologie und im Rechtswesen in der City of London. Clearinghäuser wie das LCH (London Clearing House) der London Stock Exchange Group arbeiten im Zentrum der Märkte und sammeln Sicherheiten von beiden Counterparties, um sicherzustellen, dass ein Ausfall auf einer Seite keine Panik auf den Finanzmärkten verbreitet. Unternehmen ziehen es vor, ihre Geschäfte über ein einziges Clearinghaus abzuwickeln, weil es billiger ist, die Positionen in mehreren Währungen und über verschiedene  Produkttypen zu konsolidieren und auszugleichen.

LCH voran
Das LCH hat sich zur weltweit führenden Clearingstelle für Zinsswaps mit einem Marktanteil von 90 Prozent in 27 Währungen, einschließlich Euro, Pfund und US-Dollar entwickelt. Ein Viertel dieses Clearinggeschäfts entfällt auf den Euro. Von diesem Euro-Geschäft stammt ein Viertel von Unternehmen mit Sitz innerhalb der Europäischen Union. Eine Sprecherin von LCH begrüßte die Ankündigung der Kommission.

London bis dato kaum beeinträchtigt
Seit dem Brexit wurde der Vorsprung Londons kaum durch die Bemühungen des in Frankfurt ansässigen Konkurrenten Deutsche Börse beeinträchtigt. Es ist also nicht leicht, Banken zu gewinnen, die normalerweise das Clearing von Geschäften im Auftrag von Hedgefonds, Investmentfonds, Pensionskassen und Handelsfirmen abwickeln. Zu Beginn dieses Jahres hatte Eurex nur einen Marktanteil von etwa fünf Prozent bei längerfristigen Euro-Zinsswaps, verglichen mit 95 Prozent des LCH. (kb)

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