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EU definiert Kritierien für nachhaltige Finanzwirtschaft

Die Europäische Kommission hat erstmals Kriterien vorgelegt, wie nachhaltige Investments aussehen sollen. Eine Expertenkommission hat dazu einen Bericht über eine "Nachhaltigkeits-Taxonomie" veröffentlicht. Der deutsche Fondsverband BVI übt an einigen Stellen aber Kritik.

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© Korn V. / stock.adobe.com

Die Europäische Kommission hat einen wichtigen Schritt zur Umsetzung ihres Sustainable-Finance-Programms getan, das mehr Geld von Anleger in nachhaltige Investitionen leiten soll. Eine Expertengruppe legte nun ihren Bericht über eine "Nachhaltigkeits-Taxonomie" vor. Dieses dynamische Klassifizierungssystem soll Investoren und Unternehmen helfen, ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu erkennen und ihren positiven Einfluss auf die Umwelt zu messen. Der Report legt daher für zahlreiche Bereiche wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Elektrizitätswirtschaft oder Transport entsprechende Kriterien fest. Auch die Bereiche Neubau und Immobilien werden von dem Report erfasst.

Das Klassifizierungssystem soll Grundlage für weitere Gesetzesinitiativen sein. Darunter fallen auch die Pläne der Kommission für die Einführung verbindlicher Nachhaltigkeitskriterien für Anbieter von Investmentfonds. Aber auch andere institutionelle Anleger, etwa Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds oder Anlageberater sollen Richtlinien erhalten, wie sie die Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Faktoren) in ihren Investitionsprozessen berücksichtigen sollen.

BVI: Wichtige Informationen für Fondsanbieter fehlen
"Die gute Nachricht ist, dass die Expertengruppe das Klassifizierungssystem nicht auf hundertprozentig 'grüne' Aktivitäten beschränken will, sondern Abstufungen zulässt", kommentiert der deutsche Fondsverband BVI den Bericht in einer ersten Einschätzung. "Unternehmen, die den schrittweisen Übergang in die klimaneutrale Wirtschaft anstreben oder diesen ermöglichen, werden auf diese Weise ermutigt statt bestraft."

Der Verband bemängelt aber, dass die Leitlinien zur klimabezogenen Berichterstattung durch Portfoliounternehmen nicht weit genug gehen: "Damit Asset Manager ihre Aufgabe künftig erfüllen können, benötigen sie detaillierte Informationen der Portfoliounternehmen zur ökologischen Nachhaltigkeit ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten. Eine ESG-Reportingpflicht der Portfoliounternehmen ist jedoch bislang nicht vorgesehen, auch nicht für Staaten", schreibt der Verband weiter.

Praxisferne Vorschläge
Der BVI macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: Demnach sollen Asset Manager nicht nur jede einzelne Geschäftsaktivität eines Portfoliounternehmens auf deren positiven Beitrag zu einer klimaneutralen Wirtschaft prüfen. Sie sollen darüber hinaus per Due Diligence sicherstellen, dass diese Aktivitäten keine anderen Umweltschutzziele beeinträchtigen.

Das sie praxisfern: "Um letzteres leisten zu können, müssten Asset Manager entweder zusätzlich interne Analyseressourcen aufbauen oder auf externe Dienstleister zurückgreifen. Der personelle und finanzielle Aufwand hierfür muss jedoch verhältnismäßig bleiben." Der BVI fordert daher, dass die Taxonomie-Vorgaben für Fonds nur dann verpflichtend sind, wenn sie ein offizielles Öko-Label oder -Siegel verwenden möchten.

Branchenverbände können bis September Stellung zum Taxonomie-Report beziehen. Ab Dezember möchte die EU-Kommission die Umsetzung vorbereiten. (jb)

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