Logo von Institutional Money
| Regulierung

Eiopa über die hohen Illiquiditätsrisiken deutscher Versicherer

Deutsche Versicherer sind laut der europäischen Aufsichtsbehörde Eiopa europaweit am stärksten gegenüber illiquiden Unternehmensanleihen exponiert. Das geht aus einem der bislang detailliertesten Berichte zu den Private-Credit-Investments (Private Debt) der Branche hervor.

Die Europäische Aufsicht ist alarmiert, denn Illiquiditätsrisiken schleichen sich in die Bilanzen der Assekuranz.
Die Europäische Aufsicht ist alarmiert, denn Illiquiditätsrisiken schleichen sich in die Bilanzen der Assekuranz.© EIOPA

Mit rund 91,8 Milliarden Euro waren zum Jahresende mehr als 40 Prozent der Anleihebestände deutscher Versicherer in nicht gelisteten Papieren angelegt, erklärte Eiopa (Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung) Anfang dieser Woche in Frankfurt. Insgesamt hielten europäische Versicherer – ohne index- oder fondsgebundene Anlagen – rund 1,2 Billionen Euro an Unternehmensanleihen, von denen etwa 13 Prozent illiquide oder nicht gelistet waren. Versicherer könnten “erhebliche Verluste” erleiden, falls sie solche Vermögenswerte in einer Abschwungphase unter Buchwert verkaufen müssten, warnte Eiopa.

Private Debt hat hohes Illiquiditätsrisiko
Das hohe Exposure ist bemerkenswert, weil Deutschland bereits im globalen Gewerbeimmobilien-Einbruch der vergangenen zwei Jahre zu den Brennpunkten zählte – mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Private Debt. Versicherer verbuchten dort Milliardenverluste nach dem Zusammenbruch mehrerer Bauträger, darunter René Benkos Signa-Konglomerat. Seither haben weitere Pensionsfonds zusätzliche Belastungen durch riskante Engagements gemeldet.

Europäische Versicherer investieren stärker in Private Credit
Die Anlageklasse blieb attraktiv, selbst als die Zinsen stiegen

Illiquide oder nicht gelistete Anleihen – darunter auch ein Teil der von Signa begebenen Schuldtitel – ermöglichen es enger gehaltenen oder kleineren Unternehmen, Schulden aufzunehmen, ohne die üblichen Offenlegungspflichten oder die Marktprüfung öffentlicher Emissionen erfüllen zu müssen. Das stärker standardisierte Anleiheformat erleichtert zugleich institutionellen Investoren den Erwerb solcher Titel.

Steigende Anteile an Privat Credit im Asset-Mix
Eiopa zufolge stiegen die Private-Credit-Bestände europäischer Versicherer zwischen Ende 2016 und Juni um fast 80 Prozent auf 594 Milliarden Euro und machen inzwischen 5,8 Prozent ihrer Gesamtaktiva aus. Betriebliche Pensionsfonds hielten zum Jahresende 2024 rund 128,4 Milliarden Euro an entsprechenden Anlagen, was 4,4 Prozent ihrer Gesamtaktiva entspricht. (kb)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion