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EIOPA-Stresstest: EbAV müssen zeigen, wie sie Liquidität managen

Der EIOPA-Stresstest 2025 hat offengelegt, dass die Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) mit Liquiditätsrisiken umgehen und diese managen können.

Petra Hielkema, Vorsitzende der EIOPA
Petra Hielkema, Vorsitzende der EIOPA© EIOPA

Insgesamt haben 156 europäische EbAV an dem Stresstest teilgenommen, darunter 22 Pensionskassen und Pensionsfonds aus Deutschland. Die von Eiopa angestrebte Marktabdeckung von 60 Prozent der nationalen EbAV-Sektoren wurde in Deutschland somit erreicht.

Erste europaweite Übung in Bezug auf Liquiditätsrisiken in der EbAV
Der diesjährige Stresstest ist die erste europaweite Übung, die sich speziell mit Liquiditätsrisiken im Bereich der betrieblichen Altersversorgung befasst. Er folgt auf jüngste Finanzkrisen – wie die britische Staatsanleihenkrise 2022 und die regionalen Bankenturbulenzen in den USA 2023 –, die gezeigt haben, dass unterschiedliche Auslöser Liquiditätsengpässe in bestimmten Segmenten des Finanzsektors verursachen können, wenn Zinsen und Risikoprämien stark steigen. Auch negative Entwicklungen im Zusammenhang mit den aktuellen geoökonomischen und geopolitischen Spannungen können Liquiditätsengpässe auslösen.

Ziel der Übung
Es ging darum zu untersuchen, inwieweit betriebliche Altersversorgungsunternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ähnliche Schocks verkraften könnten und wo die Schwachstellen am deutlichsten ausgeprägt wären. Die Ergebnisse sollten im Lichte des fokussierten Ansatzes interpretiert werden, der sich ausschließlich auf die Aktivseite der Bilanz der betrieblichen Altersversorgungsunternehmen und auf die schwerwiegenden, aber plausiblen Schocks (z. B. Abschläge) konzentrierte.

Relevante Szenarien mit einer dynamischen und realistischen Umsetzung
Der Stresstest untersuchte die Widerstandsfähigkeit europäischer IORPs (Institutions for Occupational Retirement Provision) gegenüber geopolitischen Spannungen. Daher sind die Studie und ihre Ergebnisse im heutigen angespannten und unsicheren makroökonomischen Umfeld von hoher Relevanz. Im Szenario „steigende Zinskurve“ stiegen die Zinsen rapide an und der Eurokurs fiel als Reaktion auf eine plötzliche Eskalation geopolitischer Spannungen. Dies führte zu Handelsstörungen, hohen Rohstoffpreisen und einer Aufwärtskorrektur der Inflationserwartungen. Im Szenario „fallende Zinskurve“ sanken die Zinsen und der Eurokurs wertete ab, da die Märkte die Auswirkungen einer längeren Phase geopolitischer Spannungen mit geringen Investitionen, schwacher Nachfrage und sich verschlechternden Wirtschaftsaussichten für die Region abrupt einpreisten. Beide Szenarien lösten Kurskorrekturen bei Vermögenswerten, höhere Volatilität und einen Vertrauensverlust in die Finanzmärkte aus.

Neuer Realismus im Ablauf der Test-Szenarien
Um zu erfahren, wie Investmentfonds auf ähnliche Ereignisse in der Praxis reagieren würden und um potentielle Folgewirkungen abzuschätzen, durften die teilnehmenden Unternehmen reaktive Managementmaßnahmen ergreifen (z. B. den Verkauf von Vermögenswerten, die Reduktion der Handelsaktivitäten oder die Portfolio-Neuausrichtung), um die Auswirkungen der Schocks abzumildern. Um noch realistischere Ergebnisse zu erzielen, wurden risikosensitive Liquiditätsabschläge für verschiedene Anlageklassen eingeführt, um die Schwierigkeiten abzubilden, mit denen liquiditätsschwache Investmentfonds beim Verkauf in einem fallenden Markt konfrontiert sind.

Ergebnisse bestätigen Wichtigkeit der Liquidität
Sie zeigen, dass die Absicherungspraxis von IORPs gegen sinkende Zinsen und einen Wertverfall des Euro mittels Derivaten sie in den getesteten Szenarien erheblichen Liquiditätsrisiken aussetzen kann. Angesichts der kombinierten Auswirkungen steigender Zinsen und einer Euro-Abwertung erwies sich das Szenario mit steigender Zinskurve für IORPs als problematischer als das Szenario mit fallender Zinskurve.

Szenario einer steigenden Zinskurve bringt hohen Milliarden-Liquiditätsengpass,......
Dieses Szenario führte bei den IORPs zu erheblichen Nachschussforderungen und einem erhöhten Liquiditätsbedarf aufgrund von Marktschocks. Obwohl die IORPs den Stresstest mit einer aggregierten Liquiditätsposition von rund 74 Milliarden Euro (bezogen auf liquide Mittel) begannen, zeigen die Ergebnisse nach dem Stresstest ohne Managementmaßnahmen einen Liquiditätsengpass von 60 Milliarden Euro – 134 Milliarden Euro weniger als im Ausgangsszenario.

..... aber Management der Liquidität zahlt sich aus
Nach dem Stresstest wiesen 68 der 156 teilnehmenden Institute eine negative Liquiditätsposition auf, was bedeutet, dass sie zur Deckung ihres Liquiditätsbedarfs Vermögenswerte hätten verkaufen müssen. Mit zugelassenen Managementmaßnahmen gelang es den IORPs, ihre aggregierte Liquiditätsposition wieder in den positiven Bereich (15 Milliarden Euro) zu bringen. Allerdings verfügen 27 Institute weiterhin nicht über ausreichend liquide Mittel, um Nachschussforderungen zu erfüllen. Diese müssen daher zügig und – bis auf wenige Ausnahmen – in bar beglichen werden.

Umfassendere Nachhaltigkeitskennzahlen, die neben liquiden Mitteln auch Barmittel und bargeldähnliche Anlagen berücksichtigen, deuten dennoch auf einen widerstandsfähigen Sektor mit soliden Liquiditätspuffern hin. Die liquiden Mittel im Basisszenario von 1,44 Billionen Euro sinken ohne Managementmaßnahmen auf 1,14 Billionen Euro und mit Managementmaßnahmen auf 1,20 Billionen Euro, wobei kein Marktteilnehmer negative Nachhaltigkeitsindikatoren meldet.

Gesamtergebnisse
Diese zeigen, dass IORPs zwar bei rasch steigenden Zinsen erheblichen Liquiditätsrisiken ausgesetzt sind, aber über das nötige Risikomanagement-Know-how und ausreichend liquide Mittel verfügen, um Liquiditätsengpässe auszugleichen. Selbst wenn IORPs ihr Handelsvolumen reduzieren, bleiben sie Nettokäufer und können so die Schocks abfedern, ohne Folgewirkungen auszulösen.

Nächste Schritte
Obwohl der Stresstest primär mikroprudenziell ausgerichtet war, ist er nicht als „bestanden/ nicht bestanden“-Prüfung gedacht. Dennoch bilden die Ergebnisse eine wertvolle Grundlage für den anschließenden Dialog zwischen Aufsichtsbehörden und teilnehmenden IORPs über die identifizierten Schwachstellen. Die Erkenntnisse aus dem Stresstest werden die Eiopa zudem bei ihrer Arbeit zur Aufsicht über das Liquiditätsrisikomanagement von IORPs unterstützen.

EbAV ist im Allgemeinen gut für den Fall von Liquiditätsengpässen aufgestellt
Petra Hielkema, Vorsitzende der Eiopa, schätz7t das Ergebnis wie folgt ein: „Unser Liquiditätsstresstest für betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen unterstreicht zwei wichtige Punkte. Erstens bestätigt er, dass die in den letzten Jahren verstärkte Fokussierung der Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden auf Liquiditätsrisiken die Vorsorge des Sektors stärkt. Zweitens zeigt er, dass der europäische Sektor der betrieblichen Altersvorsorge im Allgemeinen gut aufgestellt ist, um Phasen von Liquiditätsengpässen zu überstehen, die in kleineren, weniger diversifizierten oder stärker auf Derivate ausgerichteten Märkten zu größeren Turbulenzen führen könnten. Gleichwohl werden wir die Liquiditätsrisiken im Sektor weiterhin genau beobachten, insbesondere angesichts der stetig steigenden Allokationen in illiquide Assets – wie beispielsweise private Kredite, Immobilien und langfristige Infrastrukturprojekte.“ (kb)

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