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DVFA Mitglieder erwarten höhere Inflation, wollen neuen Warenkorb

DVFA - der Berufsverband der Investment Professionals - hat seine Mitglieder zur Entwicklung der Inflationsrate und zur Zinsentwicklung im Euro-Raum und in den USA befragt.

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Mirka Kučerová, Leiterin der Verbandsgeschäftsstelledes DVFA e.V.
© DVFA e.V.

Die derzeitigen Markteingriffe der internationalen Regierungen und Zentralbanken sind präzedenzlos, und die damit einhergehende Verschuldung und die zuletzt exponentiell steigenden Geldmengenaggregate führen aktuell zu höheren Inflationserwartungen. Wie stark kann die Inflationsrate steigen und wie werden die Zentralbanken darauf reagieren?

Erwartete Inflation für die nächsten fünf Jahre bis zu vier Prozent
Auf die Frage, welche durchschnittliche Inflationsrate sie für die nächsten zwei Jahre erwarten, antwortete die Mehrheit von 55 Prozent einen Anstieg auf zwei bis vier Prozent. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) erwartet eine Inflationsrate von null bis zwei Prozent. Von einem Anstieg der Inflationsrate von mehr als vier Prozent gehen dagegen nur vier Prozent der Befragten aus.

Wie sehen Investment Professionals die längerfristige Entwicklung der Inflationsrate? Für einen Zeithorizont von fünf Jahren erwartet ebenfalls eine Mehrheit der Befragten (52 Prozent) eine Inflationsrate von zwei bis vier Prozent. 37 Prozent der Befragten geben null bis zwei Prozent an. Nur acht Prozent gehen von einem Anstieg auf mehr als vier Prozent aus.

Begründungen
Die Befragten verwiesen neben der Geldmengenausweitung und den Anleihekäufen der EZB auf preistreibende Effekte etwa durch stärkere ESG-Investitionen, einem Rückgang der preisdämpfenden Globalisierung und einen nachlassenden Effekt von Lohnstückkostensenkungen bei der Produktion in China.

Aktueller Warenkorb als Bemessungsgrundlage muss erweitert werden
Der DVFA fragte seine Mitglieder auch, ob der zugrundeliegende Warenkorb für die Messung der Konsumentenpreise erweitert respektive verbreitert werden sollte. Mit 79 Prozent spricht sich die große Mehrheit der Investment Professionals für eine Erweiterung des Warenkorbs aus. Ausreichend finden ihn elf Prozent, zehn Prozent geben dazu keine Meinung ab.

Unterrepräsentierte Miete
Die vielen Kommentare der Teilnehmer zeigen, dass Mieten deutlich unterrepräsentiert sind und nach ihrer Auffassung stärker in die Messung der Konsumentenpreise einbezogen werden müssten. Dieses Meinungsbild spiegeln sehr deutlich auch die Kommentare wider, die alle für eine Änderung oder gar eine komplette Überarbeitung des Warenkorbes argumentieren.

Höhere Inflationstoleranz der Zentralbanken
Nach der Reaktionsfunktion der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Notenbank befragt, meinte die überwiegende Mehrheit von 78 Prozent, dass die beiden Zentralbanken gegenwärtig eine höhere Inflationstoleranz als in der Vergangenheit haben. 17 Prozent glauben dies nicht.

Ein Viertel der Mitglieder sieht (überhaupt) keine EZB-Zinserhöhungen mehr!
Auf die Frage, wann die US-Zentralbank die Leitzinsen erhöhen werde, antworteten 52 Prozent der DVFA Investment Professionals, sie rechneten mit einer Zinserhöhung bereits im nahen Zeitfenster in den Jahren 2022/2023. Mehr als ein Drittel erwartet eine Erhöhung dagegen erst in den Jahren 2024/2025. Elf Prozent der Befragten geben keine Einschätzung.

Für den Euro-Raum rechnet eine Mehrheit von 53 Prozent damit, dass die EZB erst 2024/2025 die Zinsen anheben wird, also zwei Jahre nach den Vereinigten Staaten. Lediglich elf Prozent  erwarten eine Erhöhung bereits in den Jahren 2022/2023. Überhaupt keine Erhöhungsperspektive für den Euroraum sehen 26 Prozent der Befragten. Auch bei dieser Frage geben elf Prozent keine Einschätzung ab.

Rücksichtnahme auf hoch verschuldete Länder
In den Kommentaren wird mehrfach darauf verwiesen, die EZB müsse Rücksicht auf einige hoch verschuldete Länder im Euro-Raum nehmen und wisse um das Risiko der Verteuerung der Refinanzierungsbasis für die wirtschaftlich schwächeren Länder. Im Vergleich zum Euro-Raum könnten die Vereinigten Staaten dagegen steigende Zinsen besser verkraften.

Höherer Infationspfad erwartet
„Unsere Mitglieder erwarten mehrheitlich in den nächsten fünf Jahren einen höheren Inflationspfad. Gleichzeitig wird die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst darauf aber nicht reagieren, sondern ihre Leitzinsen frühestens 2024 erhöhen. Bemerkenswert - möglicherweise erschreckend - reichlich ein Viertel der Befragten (26 Prozent) sieht überhaupt keine EZB-Zinserhöhungen mehr voraus“, sagt Ingo R. Mainert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des DVFA. (kb)

 

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