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Draghis QE-Wette war nicht erfolgreich: Konjunktur nicht verbessert

Mario Draghi hat einen seltsamen Zeitpunkt zur Beendigung des Quantitative Easing-Programms gewählt. Denn einige der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren der Eurozone sind zuletzt schlechter ausgefallen als zu Beginn der Anleihekäufe in Höhe von 2,6 Billionen Euro. Andere haben sich kaum verbessert.

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EZB-Präsident Mario Draghi ist mit den Auswirkungen seines QE-Programmms zufrieden, hat aber nicht alles Erwünschte erreicht. 
© Bloomberg

Zwar kann der EZB-Präsident beanspruchen, QE habe die Deflationsgefahr gebannt, jedoch liegt der zugrunde liegende Preisdruck immer noch auf dem Niveau von Mitte 2015, nur wenige Monate nach Beginn des Programms, hat Bloomberg News festgestellt. Als er am Donnerstag vor die Presse trat, nachdem er bekannt gegeben hatte, dass sein geldpolitisches Experiment auslaufen werde, wurde Draghi gefragt, ob das Programm wirksam gewesen sei. Er räumte ein, "ich bin ziemlich parteiisch" und sagte, es sei noch Zeit für eine umfassendere Beurteilung - aber ja. “In einigen Phasen dieses Zeitraums war QE die einzige Antriebskraft für diese Erholung."

Wie sich wichtige Euroraum-Wirtschaftsindikatoren während QE entwickelten

Viel Lärm um fast nichts
Als die EZB im Juni erstmals verkündete, dass QE in diesem Jahr enden würde, sagte sie, das Programm werde das BIP und die Inflation zwischen 2016 und 2020 um jeweils kumulative 1,9 Prozentpunkte erhöhen. Erik Norland, Ökonom der CME Group, setzt den Wachstumsbeitrag viel näher an null an und stellte fest, dass es keine offensichtlichen Auswirkungen gab, als die Zentralbank das Kaufvolumen reduzierte. Untersuchungen der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) deuten darauf hin, dass sich die Auswirkungen im Laufe der Zeit verringern. Die EZB ist auch auf den Finanzmärkten immer dominanter geworden, was sich in einigen Teilen der Region in einer Knappheit an Anleihen bemerkbar macht.

Faulbett für die Politik geschaffen
QE begann Monate, nachdem das Programm der US-Notenbank abgeschlossen war, und das Ende kann für einige Ratsmitglieder nicht schnell genug kommen. Ihrer Einschätzung nach erlaubt der Kauf von Staatsanleihen den Regierungen, Steuer- und Wirtschaftsreformen zu verschieben. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, einer der härtesten Kritiker, forderte seine Kollegen diesen Monat dazu auf, keine Zeit zu verlieren, die Geldpolitik zu normalisieren. Das ebenfalls deutsche Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sowie der österreichische Gouverneur Ewald Nowotny und sein niederländischer Amtskollege Klaas Knot haben ebenfalls eine rasche Rücknahme der Stimuli gefordert.

Konjunkturprognosen zurückgenommen
Auch wenn die Ratsmitglieder einstimmig für ein Ende der quantitativen Lockerung stimmten, haben sie ihre Konjunkturprognosen für 2019 gesenkt und gesagt, dass angesichts der Gefahr von Protektionismus, Anfälligkeiten in den Schwellenländern und Finanzmarktvolatilität "eine Verschiebung in Richtung Abwärtsrisiken zu beobachten" sei. "Um die Einstellung der Nettokäufe zu rechtfertigen, hat die EZB möglicherweise die aktuellen Abwärtsrisiken für das Wachstum heruntergespielt", sagte Berenberg-Ökonom Florian Hense gegenüber Bloomberg. "Dass die EZB die Latte für eine Verlängerung der Nettokäufe hoch gehängt hat, sowie die sich abzeichnende Knappheit der deutschen Bundesanleihen könnten die Argumente durchaus verstärkt haben."

TLTRO neu ante portas? 
Da QE zwar begrenzt, die Wirtschaft aber anfällig ist, werden alternative geldpolitische Maßnahmen in Betracht gezogen. Als Favorit gelten neue langfristige Kredite für Banken, die laut Draghi auf der Sitzung am Donnerstag erwähnt, aber nicht "in irgendeiner wesentlichen Form" diskutiert wurden. Er sagte, dies werde zu einem späteren Zeitpunkt ein Thema sein. (kb)

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