Debatte um mögliches Altersteilzeit-Ende bei Banken hält an
Das geplante Ende der Blockmodells bei der Altersteilzeit sorgt in der Finanzbranche für rege Diskussionen - zum Teil aber nur hinter vorgehaltener Hand.

Eckpunkte:
- Während die deutschen Privatbanken die mögliche Abschaffung der geblockten Altersteilzeit monieren, zeigen die Interessensvertreter anderer Sektoren weniger Lust, eine Regierungsmaßnahme zu kritisieren
- Mehr Mut beweist hingegen Verdi
Nachdem die deutschen Privatbanken vor dem möglichen Ende der Altersteilzeit im Sektor und damit dem Wegfall eines wichtigen Instruments bei Restrukturierungen und bei Jobabbau gewarnt haben, haben sich jetzt auch andere Bankengruppen zu diesem Thema geäußert. Die Aussagen dort fallen allerdings deutlich zurückhaltender aus, schreibt Bloomberg in einem Follow-Up zu einem entsprechenden Bericht von dieser Arbeitswoche.
Zur Erinnerung: Die Alterssicherungskommission empfahl im Rahmen der Rentenreform, die Altersteilzeit im Blockmodell nicht mehr zu ermöglichen. Beim Blockmodell arbeiten die teilnehmenden Beschäftigten während der ersten Hälfte der Altersteilzeit in Vollzeit und in der zweiten Hälfte gar nicht mehr, teilweise über viele Jahre hinweg.
Überaus beliebtes Modell
Sollte das Blockmodell am Ende tatsächlich abgeschafft werden, käme dies bei privaten Banken “einer Abschaffung der Altersteilzeit gleich, weil bei uns 99 Prozent der Beschäftigten in Altersteilzeit das Blockmodell wählen”, so der Arbeitgeberverband der privaten Banken zu Wochenbeginn.
Andere Verbände wagen keine harte Kritik
Auch im genossenschaftlichen Sektor spielt bei der Altersteilzeit nahezu ausschließlich das Blockmodell eine Rolle, erklärte der Arbeitgeberverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken gegenüber Bloomberg. Mit einem Ende des Blockmodells würde daher bei den Genobanken nach eigenen Angaben ebenfalls ein Instrument verloren gehen, das besonders bei Restrukturierungen genutzt werde. Allerdings sei der Gesamterfolg der aktuellen Reformen “höher zu gewichten als der Fortbestand eines einzelnen sozialpolitischen Instruments”.
Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), der etwa die Interessen von Landesbanken wie LBBW oder Helaba vertritt, verwies darauf, dass die Zukunftsfähigkeit der Rentenversicherung “von herausragender Bedeutung” sei. Tiefe Reformen seien von übergeordnetem Rang. Deshalb werde der Verband nicht zu einzelnen Elementen öffentlich Stellung nehmen.
Vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband hieß es wiederum, dass das kein Thema für diesen Sektor sei, weil nur eine verschwindend geringe Anzahl von Mitarbeitern tatsächlich Altersteilzeitprogramme nutze.
Abschaffung des Blockmodells könnte negative Folgen haben
Die privaten Banken hatten unter anderem argumentiert, dass das Blockmodell verhindere, dass im Zuge einer Sozialauswahl weniger geschützte jüngere Menschen von Jobabbau betroffen seien. Sollte das Blockmodell wegfallen, würden bei Restrukturierungen wohl verstärkt betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen, die bislang die absolute Ausnahme seien.
Sie forderten, die Empfehlung zur Abschaffung des Blockmodells im weiteren Gesetzgebungsprozess zur Alterssicherung nicht aufzugreifen.
Die privaten Banken und Arbeitnehmervertreter sind sich beim Blockmodell einig: Auch die Gewerkschaft Verdi spricht sich gegen den Wegfall aus, wie eine Sprecherin auf Bloomberg-Anfrage erklärte.
Die Alterssicherungskommission hatte den Vorschlag zur Abschaffung des Blockmodells damit begründet, dass Frühverrentungsanreize verringert und so zusätzliche Beschäftigungspotenziale von Älteren gesichert werden sollen. (aa)

