DAV drängt auf mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge
Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) fordert eine deutlich stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge in Deutschland. Freiwillige Modelle reichten nicht aus, um breite Bevölkerungsschichten abzusichern, mahnen die Aktuare. Zudem sieht die DAV großes Potenzial für Infrastrukturinvestments.

Eckpunkte:
- DAV fordert stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge
- Freiwillige Modelle laut Aktuaren nicht ausreichend
- Auto-Enrolment und Obligatorium als mögliche Lösungen
- Infrastrukturinvestments sollen stärker genutzt werden
Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) spricht sich für einen deutlichen Ausbau kapitalgedeckter Altersvorsorge in Deutschland aus. Die aktuellen Reformen der betrieblichen und privaten Altersvorsorge seien zwar ein wichtiger Schritt, müssten jedoch konsequent auf eine flächendeckende und lebenslange Einkommenssicherung im Alter ausgerichtet werden, erklärte die Vereinigung beim digitalen Jahrespressegespräch am Donnerstag.
„Eine Alterssicherung, die allein auf Umlagefinanzierung basiert, steht langfristig nur auf einem Bein“, sagte DAV-Vorstandsvorsitzende Susanna Adelhardt. Für mehr Stabilität brauche es „ein zweites starkes Standbein in Form kapitalgedeckter Alterssicherung“.
Nach Einschätzung der Aktuare reicht reine Vermögensbildung nicht aus. Entscheidend sei vielmehr, dass Menschen im Alter ein lebenslanges Einkommen erhielten. Freiwillige Lösungen hätten sich dabei als unzureichend erwiesen. Sowohl bei der Riester-Rente als auch bei der Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) habe sich gezeigt, dass gerade Menschen mit höherem Absicherungsbedarf häufig nicht erreicht würden.
DAV bringt Auto-Enrolment ins Spiel
Die DAV spricht sich deshalb indirekt für verpflichtendere Modelle aus. „Wenn das Ziel eine breite und nachhaltige Absicherung des Lebensstandards im Alter ist, braucht es mehr Verbindlichkeit“, betonte Adelhardt. Nachdem der Gesetzgeber in der privaten Altersvorsorge auf eine verpflichtende lebenslange Absicherung verzichtet habe, würden „Auto-Enrolment-Modelle oder ein Obligatorium im Bereich der bAV zum Mittel der Wahl“.
Zugleich mahnt die DAV ausgewogene Rahmenbedingungen für Arbeitgeber an. Eine verpflichtende kapitalgedeckte Vorsorge dürfe nicht automatisch mit einer umfassenden Einstandspflicht der Unternehmen verbunden sein. Bereits bestehende Versorgungssysteme müssten zudem auf mögliche Verpflichtungen angerechnet werden können.
Auch bei der Ausgestaltung der Rentenphase sieht die DAV Reformbedarf. Flexiblere Modelle mit moderat schwankenden Rentenleistungen könnten langfristig höhere Renditen und damit höhere Alterseinkommen ermöglichen. Voraussetzung sei allerdings ein regulatorischer Rahmen, der höhere Investitionsquoten in Sachwerte zulasse.
Infrastruktur als Chance für Altersvorsorgekapital
Besonders großes Potenzial sieht die Vereinigung bei Infrastrukturinvestments. Langfristige Verpflichtungen der Altersvorsorge passten strukturell gut zu langfristigen Infrastrukturprojekten, erklärte Adelhardt. Die Politik müsse dafür jedoch attraktive und verlässliche Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa schaffen.
Staatliche Investitionsvorgaben lehnt die DAV hingegen ausdrücklich ab. Diese würden die Verantwortung der Versorgungseinrichtungen für ihre Anlageentscheidungen verwässern. (dv)


