Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Regulierung

| Regulierung
twitterlinkedInXING

BVI-Geschäftsführer Richter: "Keine neuen Regeln mehr!"

Der Fondsverband BVI berichtet, dass die Branche die Einführung des Regel-Trios aus Mifid II, Priips und Investmentsteuerreform gut gemeistert habe. Allerdings mahnen die Interessenvertreter zu einer Regulierungspause – und kritisieren Fehlentwicklungen scharf.

1477927033_richter_begrung.jpg
BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter lehnt staatliche Einflussnahme über vorgeschriebene Nachhaltigkeitskriterien auf die Anlagepolitik ab: "Das ist, als würde der Staat vorgeben, in welcher Farbe ich mein Auto kaufe."
© BVI

Der Fondsverband BVI warnt Politiker und Behörden, dass eine Überregulierung der Investmentbranche negative Folgen für Fondssparer habe. "Bitte keine neuen Regeln mehr", sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter auf der Jahrespressekonferenz des Lobbyverbands. Statt immer neue Bestimmungen zu erlassen, sollte nun erst einmal geprüft werden, wie die erlassenen Vorschriften wirken.

Die Fondsindustrie hatte zu Jahresbeginn mehrere Regulierungsvorgaben umzusetzen: die Finanzmarktrichtlinie Mifid II, die Priips-Verordnung (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products) sowie die Investmentsteuerreform. "Das war der mit Abstand größte Aufwand, den die Branche je zu bewältigen hatte", sagte Richter in Frankfurt. Ein Asset Manager habe wegen der drei Neuregelungen insgesamt 560 Tonnen Post an Kunden verschickt. Das entspreche dem Gewicht eines voll beladenen und betankten Airbus A380. Dennoch feierte die deutsche Fondsindustrie 2017 den zweitbesten Absatz überhaupt.

"Kinderkrankheiten ausgewachsen"
Die Umsetzung von Mifid II sei im Großen und Ganzen glatt verlaufen, meinte Richter. Bei der Einführung zu Jahresbeginn hatten für Tausende Fonds noch die erforderlichen Daten gefehlt. "Der reinen Zahl nach waren das viele Fonds, allerdings waren nicht die im Vertrieb aktivsten Produkte betroffen", erläuterte Richter. "Dies waren nur Kinderkrankheiten angesichts der Dimension des Projekts. Diese haben sich nun ausgewachsen." Im Mittelaufkommen vom Januar werde sich Mifid II nicht bemerkbar machen, zeigte sich der BVI-Mann überzeugt.

Allerdings würden sich die Regeln zum Teil widersprechen. So müssen Fondsanbieter über die Kosten detailliert in Euro und Cent informieren. Doch die Kostenausweise nach Mifid II und Priips würden sich unterscheiden – wie auch die für die Riester-Produktinformationsblätter und die wesentlichen Anlegerinformationen. So würden Sparern für ein und dasselbe Produkt letzten Endes vier unterschiedliche Preise genannt. "Das ist eine Scheintransparenz, die niemandem nutzt", kritisierte Richter.

Bei Kosten "entspannt zurücklehnen"
Der BVI-Geschäftsführer schoss sich besonders auf die Verordnung über verpackte Anlage- und Versicherungsprodukte. "Priips sind schlecht", wetterte Richter. Zwar sei die Idee dahinter gut, da Vergleichbarkeit verschiedener Produkte hergestellt werden solle. "Doch die Regeln sind schlecht gemacht. Dies sollte rückgängig gemacht werden."

Zudem wehrt sich die Branche gegen Absichten der europäischen Finanzaufsicht ESMA, die Kosten von Fonds weiter zu untersuchen. "Die ESMA fängt bei uns an, weil bei uns die Transparenz schon am höchsten ist", argumentierte Richter. "Ich weiß nicht, was noch transparenter werden soll." Zudem könne sich Deutschland in puncto Kosten "entspannt zurücklehnen. Hiesige Aktienprodukte lägen unter dem europäischen Gebührenschnitt. "Und es wird weiter regulatorischen Druck auf die Kosten geben", so der Branchenvertreter. Daher würden die Gebühren künftig eher sinken.

Nationale Besonderheiten "plattgemacht"
Auch gegen weitere staatliche Eingriffe wehrt sich die Fondsbranche. So kursiere in den EU-Gremien in Brüssel, die Aufsicht über Asset Manager von den nationalen Behörden weg hin zur ESMA zu verlagern. Hier fährt der Lobbyverband eine Reihe von Argumenten dagegen auf. Die europäische Aufsicht sei "marktfern" und nicht mit nationalen Gegebenheiten vertraut. Diese würden bei einer zentraleuropäischen Überwachung "plattgemacht". Zudem müsse die ESMA, die derzeit nur 200 Mitarbeiter zähle, allein wegen der Sprachbarrieren unzählige neue Leute anheuern. "Wir hätten dann einen europäischen Moloch, der zigtausende Fonds beaufsichtigt. Das wäre ein Rückschritt für den Verbraucherschutz", kritisierte Richter.

Zwang zur Nachhaltigkeit abgelehnt
Auch gegen eine Verpflichtung zu Nachhaltigkeitskriterien (ESG) in der Anlagepolitik wehrte sich die Branche vorbeugend. In Brüssel ist geplant, dass die Investmentbranche auf ökologische und soziale Standards verpflichtet werden soll. "Dann würde der Staat sagen, wie wir anlegen sollen. Das wäre ein Eingriff in die Freiheit des Anlegers", wehrte Richter ab. Fondsanbieter seien als Treuhänder ihren Kunden verpflichtet. "Das ist, als würde der Staat vorgeben, in welcher Farbe ich mein Auto kaufe", argumentierte auch BVI-Präsident Tobias Pross. Zudem gebe es sehr unterschiedliche Ansichten darüber, was nachhaltig ist. So werde in Deutschland Atomkraft abgelehnt, in Frankreich hingegen akzeptiert.

Schließlich lehnt die Branchenvereinigung eine Abschaffung der Abgeltungssteuer ab. Diese wird derzeit in den Verhandlungen zur Großen Koalition aus Union und SPD diskutiert. Auch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer schade in erster Linie der Altersvorsorge und belaste die Fondssparer. "Nirgendwo ist hingegen von einer Entlastung des Anlegers die Rede", mahnte Richter. (ert)


Veranstaltungshinweis: Institutionelle Investoren und ihre Fondsmanager haben es heutzutage nicht leicht. Von welchen "Megatrends" institutionelle Investoren im Asset Management ausgehen sollten, erfahren die Besucher des 11. Institutional Money Kongresses Ende Februar 2018 am ersten Kongresstag im Rahmen von "IM Spezial" im Vortrag von Gary Baker, Managing Director EMEA and Industry and Policy Research, CFA Institute: "MEGATRENDS – UND WIE SIE DIE ZUKUNFT DES ASSET MANAGEMENTS GESTALTEN WERDEN." Baker wird dabei die wichtigsten Entwicklungen erörtern, wie Regulatorik, Fintechs aber auch die Geopolitik.

Lassen Sie sich keinesfalls diesen exklusiven Kongress und "IM Spezial" entgehen. Eine Anmeldung ist für institutionelle Investoren noch bis 22. Februar 2018 möglich. 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen