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Beteiligungskapital: Österreich auf Niveau eines Pleitestaats

Laut AVCO, der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation, gehört Österreich zu den Schlusslichtern im europäischen Beteiligungskapitalmarkt und liegt auf dem Niveau von Pleitestaaten wie der Ukraine oder Griechenland.

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Österreich braucht u.a. mehr Venture Capital, um dem unternehmerischen Schöpfergeist zum Durchbruch zu verhelfen.
© Fotolia

Während in anderen europäischen Ländern der Anteil an Beteiligungskapital zur Finanzierung von Innovation und Wachstum steigt, fällt Österreich im europäischen Private Equity Investment-Ranking weiter zurück und liegt zusammen mit der Ukraine und Griechenland auf den letzten drei Plätzen. Damit liegt die bekanntlich kapitalmarktfeindliche Alpenrepublik an letzter Stelle im europäischen Investment-Ranking. Dies zeigt laut AVCO (Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation) der „European Private Equity Activity Report 2016“, eine Studie der Invest Europe, des europäischen Private Equity Verbandes, der jährlich die Private Equity Investitionstätigkeit innerhalb Europas untersucht.

Niedrige Quoten
Österreichs Private Equity Investments machen auf dem heimischen Markt minimale 0,030 Prozent des Bruttoninlandsprodukts (BIP) aus; die Wachstumsfinanzierungen betragen nur 0,007 Prozent des BIP. Spitzenreiter im Ranking ist Frankreich, dessen Private Equity Investments 0,733 Prozent des BIP und Wachstumsfinanzierungen 0,211 Prozent des BIP ausmachen. Weitere große Volkswirtschaften wie Frankreich, Deutschland, Spanien oder die nordischen Staaten sind unter den ersten zehn Plätzen gereiht.

Das zeigt laut AVCO deutlich: In anderen europäischen Ländern stellt Private Equity einen festen und seit Jahren wachsenden und bedeutenden Beitrag zur nationalen Volkswirtschaft dar. In Österreich wird dem jedoch kaum Beachtung geschenkt.

Gesetzgeber mag keine "Spekulanten"
„Während man in Österreich als Start-up relativ leicht von Investoren Startkapital von 300.000 bis 500.000 Euro aufnehmen kann, besteht ein klares Finanzierungsloch bei jenen Beträgen, die es braucht, um das weitere Wachstum zu finanzieren, das heißt, Eigenkapital-Investments zwischen einer und zehn Millionen Euro. Davon sind nicht nur erfolgreiche Start-ups sondern vor allem auch Mittelstandsunternehmen und „Hidden Champions“ betroffen.

Banken können aufgrund der regulatorischen Vorgaben dieses Finanzierungsloch nicht füllen und dies wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Beteiligungskapital hingegen unterstützt Unternehmen durch gezielte Finanzierungen in den unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Entwicklungsphasen. Ein Grund für die mangelnde Bereitstellung von Beteiligungskapital sind die fehlende Rahmenbedingungen nach internationalem Standard. Der gegenwärtige Entwurf zum neuen Mittelstandsfinanzierungsgesetz trägt den Anforderungen nicht in zufriedenstellendem Maße Rechnung“, ist Rudolf Kinsky, geschäftsführender Präsident der AVCO, überzeugt.

Österreichs Institutionelle wollen nicht investieren
Ganz schlecht sieht es mit der Investitionsbereitschaft österreichischer institutioneller Investoren aus. Seit 2012 wurde seitens der großen Investoren, wie Pensionskassen oder Versicherungsgesellschaften, bei der Kapitalaufnahme von Private Equity oder Venture Capital Fonds kein Kapital bereitgestellt. Auch wenn ein reger Business Angel Markt hierzulande vorhanden ist, reicht dies nicht aus, um mit den gesammelten Beträgen Unternehmen ab einer gewissen Größe nachhaltig zu finanzieren.

Um aus internationaler Sicht die Attraktivität Österreich als Standort für Fondsgesellschaften zu erhöhen, sollten laut AVCO steuerliche Anreize und eine Erleichterung der Niederlassung geschaffen werden. Derzeit gibt es keine internationale Fondsmanagement-Teams, die nach Österreich kommen.

Für institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen sollten nch Ansicht der AVCO eine Anpassung der Anlagerichtlinien an internationale Standards und rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Investment in die Assetklasse ermöglichen. So sollte man zumindest die Verluste gegenrechnen können. Auf Fondsebene wäre u.a. die Absetzung der Mehrwertsteuer bei Verwaltungsleistungen und Due Dilgence Kosten wünschenswert.

Politik muss handeln
Die Politik wird sich die Frage stellen müssen, ob sie eine in Österreich basierende, aktive und wettbewerbsfähig agierende Wachstumskapital-Industrie haben will, oder ob sie dies lieber anderen Standorten überlässt. Innovative und wachstumsorientierte Unternehmen in allen Entwicklungsphasen – von der Frühphase bis hin zur Expansionsphase – können nur gestärkt durch unternehmerisches Wachstumskapital wettbewerbsfähig und in den internationalen Märkten erfolgreich sein. (aa)

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Über die AVCO:
Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation ist der Dachverband der österreichischen Risikokapitalgeber und Corporate Finance Dienstleister. Sie ist als Verein organisiert und fungiert als zentrale Ansprechstelle für alle Fragen zu Private Equity, als aktive Networking-Einrichtung, als Interessensvertretung der österreichischen Beteiligungskapitalindustrie und als Schnittstelle zu internationalen Organisationen.

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