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Bankenverband-Chef fordert Freibeträge für Banken

Der Präsident des deutschen Bankenverbands, Hans-Walter Peters, der auch der Berenberg Bank vorsteht, will eine EZB-Strafzins-Staffelung um die Bankenbilanzen zu entlasten. Die Chance dafür sieht er bei 50 Prozent. Eine Fusionswelle bei Banken erachtet er skeptisch.

Hans-Walter Peters
Hans-Walter Peters, Präsident des deutschen Bankenverbands
© Bankenverband

Der Präsident des deutschen Bankenverbands, Hans-Walter Peters, hat die Europäische Zentralbank für ihren Zinskurs scharf kritisiert, sich aber verhalten optimistisch gezeigt, dass sie die Banken entlasten könnte. Für die eigene Branche rechnet er derweil mit mehr Fusionen und einer mittelfristigen Aufweichung der Säulen-Grenzen, während er einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung vorerst weiter eine Absage erteilt. “Wenn die EZB den Einlagensatz von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent senkt, würde das die deutschen Banken rund 500 Millionen Euro mehr im Jahr kosten”, sagte Peters im Interview mit Bloomberg, nachdem die EZB einen solchen Schritt angedeutet hatte. Schon jetzt führe der Minuszins zu Kosten von jährlich 2,3 Milliarden Euro für deutsche Banken.

Freibetrag für Banken
Peters forderte daher einen Freibetrag beim negativen Einlagensatz. “Wir sind dazu mit der EZB im intensiven Gespräch. Das habe ich auch mit Herrn Draghi persönlich besprochen”, erklärte er mit Blick auf den EZB-Präsidenten. “Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die EZB einen solchen Freibetrag oder Staffelungen beim Einlagensatz einführt, sehe ich bei 50 Prozent.”

Peters: “Man muss sich schon fragen, warum die EZB die Banken in Europa so massiv belastet. Was soll die mögliche Senkung des Negativzins um 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte wirtschaftlich auslösen?“

Die Amerikaner hätten die Bedeutung starker Banken für ihre Wirtschaft immer erkannt und vorangestellt. “In Europa hängt uns immer noch die Finanzkrise von 2008 nach, in den USA ist sie längst abgehakt”, sagte Peters, der auch Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg ist.

Die Möglichkeiten der Banken, zusätzliche Belastungen über Entgelte und Zinsen weiterzureichen, seien begrenzt. Dazu steige der Druck. “Ich persönlich könnte mir etwa vorstellen, dass viele Banken auf Dauer nicht mehr umhinkönnen, die zusätzlichen Belastungen auch in der Breite an Privatkunden weiterzugeben”, sagte er. “Aber das muss natürlich jedes Institut selbst entscheiden.”

Konsolidierung ist kein Allheilmittel
Für Deutschland geht Peters von einer weiteren Konsolidierung unter den Banken aus. “Säulen-übergreifende Fusionen, also Fusionen zwischen Sparkassen, genossenschaftlichen Instituten oder Privatbanken, sind derzeit noch nicht möglich, obwohl sie sicherlich heute schon Sinn machen würden”, erklärte er. “Mittelfristig gehe ich aber davon aus, dass die Grenzen zwischen den Säulen fließender werden.”

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Fusionen kein Allheilmittel für Themen wie Kostendruck und Regulatorik sind: “In Frankreich hat es bereits eine starke Konsolidierung gegeben. Fünf große Banken dominieren den Markt. Dennoch haben auch die französischen Banken im letzten Jahr an Börsenwert verloren.”

Absage an Umverteilungspläne
Eine gemeinsame Einlagensicherung für Europa lehnt Peters weiterhin ab, zumindest für den Moment, weil die Voraussetzungen dafür noch fehlen würden.

“Wenn es unterschiedliche Risiken für Banken in Europa gibt und die notleidenden Kredite noch nicht überall in der Form abgebaut sind, dann verteilt man mit einer gemeinsamen Einlagensicherung das Risiko auf andere Schultern - und das kann nicht in unserem Interesse sein.“

Die Amtszeit von Peters läuft noch bis zum Frühjahr. “Ende des Jahres werden wir über eine Nachfolge an der Spitze des Bankenverbands sprechen. Die Wahl erfolgt dann durch den Vorstand im April 2020”, sagte er. (aa)

 

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