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BIZ warnt vor Zombie-Firmen: Von denen gibt es mehr, als uns guttut!

Die Notenbank der Notenbanken in Basel (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich - BIZ) ist dafür bekannt, hinter jedem Busch Heckenschützen zu vermuten. Sie geht zwar nicht mit ihresgleichen infolge der laxen Geldpolitik ins Gericht, warnt aber doch sehr deutlich vor deren unangenehmen Folgen.

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Zombie-Firmen sollten vom Markt verschwinden, werden aber von Banken mit billigem Geld am Leben erhalten, damit die Kreditengagements in den Bankbilanzen nicht abgeschrieben werden müssen. Das gefällt der BIZ nicht.
© fdfert / Fotolia

Der aktuelle Quartalsbericht enthält viele Passagen zu den Nachteilen der Geldschwemme. Claudio Borio (Bild links), Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, hält fest, dass das Schlagwort dieses Quartals die Divergenz ist. Das gilt insbesondere für die Eurozone, wo die verschuldeten Staaten sich eine Fortsetzung der Niedrigzinsen wünschen und auf ein Anspringen der Inflation geradezu setzen, während die Gläubiger-Staaten das Gegenteil wünschen, nämlich steigende Zinsen. Gleichzeitig befürchtet diese Gruppe von Staaten ein Anziehen der Inflation. 

Divergenz im Euroraum als Belastung
Sichtbar werde diese Divergenz bei der Performance von Bankaktien in der Eurozone: Die BIZ weist nicht nur auf die hohe Anzahl an faulen Krediten in den Bilanzen der Banken der Südflanke hin, sondern rügt auch die zunehmende Verknüpfung von Staatsinteressen und Banken. Zu nennen ist hier Italien, wo sich die Geschäftsbanken mit italienischen Staatsanleihen vollgesogen haben. 

Zombi-Firmen überleben dank billigen Krediten
In „Zunehmende Verbreitung von Zombiefirmen: Ursachen und Folgen“ untersuchen Ryan Banerjee und Boris Hofmann die steigende Zahl von Unternehmen, die trotz ihres verlustreichen Geschäftsbetriebs überleben können, samt möglicher Ursachen und Folgen. Auch wenn „Zombiefirma“ ein gängiger Begriff ist, um derartige Firmen zu beschreiben, haben die Autoren die Definition verfeinert, um eine differenziertere Betrachtung zu ermöglichen. Sie untersuchen Firmen, deren Zinsbelastung höher ist als ihr Gewinn und die gleichzeitig einen Aktienkurs aufweisen, der gemessen am Marktwert-Buchwert-Verhältnis (Tobins Q) unter dem Sektormedian liegt.

Anzahl der Zombi-Firmen im Steigen begriffen
Die Stichprobe der Studie umfasst 32.000 Firmen aus 14 fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Davon fielen mit Stand von 2016 und gemäß ihrer Definition rund sechs Prozent in die Kategorie Zombiefirma. Die Autoren stellen fest, dass die Verbreitung von Zombiefirmen seit Ende der 1980er Jahre zugenommen hat und ihre Zahl in Rezessionen zwar tendenziell steigt, in Erholungsphasen aber nicht wieder vollständig auf das vorherige Niveau sinkt. Eine wichtige Rolle dürfte dabei spielen, dass aufgrund der langen Niedrigzinsphase der finanzielle Druck auf die Unternehmen, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, gesunken ist. Die Autoren zeigen zudem auf, dass eine stärkere Verbreitung von Zombiefirmen mit einer niedrigeren Gesamtproduktivität im Unternehmenssektor einhergeht. Es gilt der Zusammenhang: je kränker das Bankensystem eines Landes ist, desto höher fällt die Anzahl der Zombi-Firmen aus. 

Günstige Finanzierungsbedingungen befeuern Leveraged Loans
Die Aufschläge auf Unternehmensanleihen waren trotz eines leichten Anstiegs ungewöhnlich niedrig, bei High Yields waren sie sogar so gering wie unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise. In Einklang mit den niedrigen Aufschlägen lief der Markt für Leveraged Loans, also Finanzierungen von Firmenübernahmen durch Private-Equity-Firmen, auf Hochtouren. Das Absatzvolumen dieser Kredite war groß, weil die Banken viele kauffreudige Anleger dafür fanden.

Ein Teil wurde auch über Collateralised Loan Obligations (CLO) abgesetzt. Diese sind enge Verwandte der berüchtigten hypothekenunterlegten Collateralised Debt Obligations (CDO), die während der Finanzkrise Schlagzeilen machten. Die Kreditauflagen von Leveraged Loans wurden immer lockerer, und oft mussten die Preise nach vorläufigen Auktionen erhöht werden, um ein Gleichgewicht am Markt zu schaffen. Der Anreiz, in variabel verzinsliche Kredite zu investieren, erwies sich als wirkungsvoll, nicht zuletzt da die Anleger ihre Anleiherenditen weiter zu steigern suchten und potenzielle Kapitalverluste scheuten. Die Aussicht auf Verluste wurde durch die sehr expansive Fiskalpolitik in der aktuellen späten Phase des Aufschwungs zweifellos noch bekräftigt. 

Was geschieht, wenn die Stimmung kippt?
Wenn Anleihekurse fallen, die Kreditprämien in die Höhe schließen, kann daraus leicht ein Teufelskreis entstehen, der es den Verkäufern verunmöglicht, sich von ihren Positionen zu vernünftigen Kursen trennen. Die Außenfinanzierung von Unternehmen wäre dadurch ernsthaft gefährdet, was sich negativ auf die Realwirtschhaft auswirken würde. Das hieße dann wohl: Willkommen in der Finanzkrise 2.0.... (kb)

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