Bafin kritisiert außergewöhnlich teure Genobanken-Sanierungen
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat am Mittwoch die jüngsten Schieflagen im genossenschaftlichen Bankensektor moniert. Schuld sei weniger das wirtschaftliche Umfeld gewesen, viel mehr hätten einzelne Manager und Aufsichtsorgane zum Teil versagt.

Trotz der insgesamt zufriedenstellenden Jahresergebnisse in 2024 “kam es bei Genossenschaftsbanken zu einzelnen, außergewöhnlich teuren Sanierungsfällen”, schrieb die Bafin in ihrem Jahresbericht, aus dem Bloomberg News zitiert. Grund “waren Fehler im Risikomanagement und in der Governance der Banken”. Auch Bafin-Chef Mark Branson persönlich ging bei der Jahrespressekonferenz seiner Behörde auf das Thema ein. Neben kleinen Banken seien auch einige Versicherer und Fondshäuser in Schieflage geraten.
Schieflagen nicht nur bei Genobanken
“Unternehmen haben Geschäfte gemacht, deren Risiken sie nicht verstanden”, erklärte Branson laut Redetext. Sie hätten sich bisweilen verzettelt oder sich weit weg von ihren eigentlichen Kerngeschäften bewegt. “Und diese Geschäfte konnten sie machen, weil ihre Führung und ihre Aufsichtsorgane ihren Anforderungen nicht gewachsen waren.”
Drei Fälle unter Genobanken
Bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden war 2024 bekannt geworden, dass ein Wertberichtigungsbedarf von 280 Millionen Euro bei Krediten, Immobilien und Beteiligungen entstanden ist. Die Volksbank Dortmund-Nordwest geriet wegen Immobilienfonds in Schieflage, in die sie investiert hatte. Und die Volksbank Düsseldorf Neuss sah sich einer Forderung von 100 Millionen Euro ausgesetzt, weil sie eigener Lesart zufolge Opfer “betrügerischer Machenschaften” wurde. In allen drei Fällen war die Sicherungseinrichtung der genossenschaftlichen Banken eingesprungen, über die sich die angeschlossenen Institute versprechen, sich in Krisensituationen zu stützen.
Kompetente Führung angemahnt
“Gerade bei kleineren Unternehmen ist die Gefahr groß, dass einzelne Führungspersonen eine dominante Rolle einnehmen. Von der Qualifikation dieser Personen hängt dann oft ab, ob ein Unternehmen stabil bleibt oder saniert werden muss”, sagte Branson. “Gerade im aktuellen wechselhaften Umfeld müssen die Unternehmen des Finanzsektors kompetent geführt werden.”
Faktor Mensch ist auch für die BaFin von Relevanz
Die Aufsicht dürfe daher nicht nur quantitative Bilanz- und Risikoanalysen umfassen. “Wir müssen uns auch in unserer laufenden Aufsichtstätigkeit mit dem Faktor Mensch auseinandersetzen”, sagte Branson.
Auch Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, hatte nach den jüngsten Schieflagen von menschlichen Verfehlungen gesprochen. Einzelne Vorstände seien “ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden”, sagte sie im Dezember in einem Bloomberg-Interview. (kb)