Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Regulierung
twitterlinkedInXING

Bafin-Chef rüffelt träge Bankmanager

Felix Hufeld liest Bankmanagern die Leviten. In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wirft er ihnen Ineffizienz vor. Zudem zeigt er sich offen für Änderungen bei der Bankenregulierung.

hufeld_felix_im_kongress_framkfurt_2016_h-3663.jpg
Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
© Christoph Hemmerich / FONDS professionell

Viele deutsche Banken kämpfen mit den Niedrigzinsen. Die Ertragslage der Institute ist schwach. Felix Hufeld, seines Zeichens Präsident der Finanzaufsicht Bafin, geht in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) hart mit den Managern der Geldinstitute ins Gericht. Der Grund: Das Zinsniveau liegt schon seit mehr als zehn Jahren nahe bei der Null-Linie – genug Zeit also, sich strategische Gegenmaßnahmen zu überlegen. Auch zur Praxis der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II sowie grundsätzlich zur Bankenregulierung hatte er was zu sagen.

Der Zeitung zufolge prangert Hufeld an, dass sich die Lage für die Banken immer mehr verschärfe. Sie müssten noch längere Zeit mit den sehr niedrigen Zinsen leben und entsprechend reagieren, was sie aber nicht tun: "Viele Banken haben sich zu wenig auf diese Marktgegebenheiten eingestellt. Banken müssen fokussierter und effizienter werden, sonst scheiden sie aus dem Markt aus", so das klare Statement des obersten Aufsehers. Und schiebt hinterher: "Wenn sich die Industrie eine solche Langsamkeit leisten würde wie unsere Banken, hätten wir vermutlich etliche Arbeitslose mehr in Deutschland."

Bis zu 50 Banken pro Jahr weniger ist "normal"
In dem Zusammenhang wehrt sich der Bafin-Chef gegen Vorwürfe, dass neben den Niedrigstzinsen die hohen Kosten für die Aufsicht zum schleichenden Bankentod beitrügen – immerhin müssten jedes Jahr bis zu 50 Institute aufgeben oder fusionieren. "Diese Zahl der Bankenfusionen halte ich für normal. Denn die Mindestbetriebsgröße für Banken hat, zugegeben auch durch steigende Kosten für die Bankenaufsicht, zugenommen. Durch die niedrigen Zinsen fallen natürlich auch Erträge weg", so Hufeld gegenüber der FAZ. Hinzu komme, dass das Risikoergebnis bislang häufig unterstützend gewirkt habe, was nicht mehr der Fall sei.

Mifid II war ein Extrem
Im weiteren Gesprächsverlauf ging es um die Regulierung der Banken – und dass diese sich über ein Zuviel an Aufsicht beklagen. Hufeld selbst zeigt sich in diesem Punkt durchaus gesprächsbereit: "Wir stehen einer Entschlackung der Regulierung offen gegenüber und unterstützen die Proportionalität, also eine Regulierung entsprechend dem Risikoprofil der jeweiligen Bank. Die Kosten für kleine Banken sollen sinken. Wenn die Vertreter der Banken und anderer Finanzinstitute uns auf einen überbordenden Aufwand aufgrund aufsichtsrechtlicher Pflichten hinweisen, sind wir immer gesprächsbereit, soweit der geltende Rechtsrahmen dies ermöglicht", sagt er der Zeitung. 

Auch bei Mifid II ist er offen für Veränderungen, da sie doch sehr ins Extrem gegangen sei. So habe seine Behörde Bedenken gehabt, dass Banken Telefonberatungsgespräche mit Kunden aufzeichnen müssen. "Die Überprüfung durch die EU-Kommission bietet nun die Chance, unterscheiden zu können, was zwingend erforderlich ist, und was nicht", so seine Meinung. (jb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen