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Ausstiegsfahrplan der Fed nimmt Konturen an

Ob es der Aktienmarkt liebt oder nicht - die Fed-Granden denken offenbar darüber nach, die üppigen geldpolitischen Stimuli langsam zurückzunehmen. Überraschungen gab es etwa bei den berühmten "Dots", den Leitzinserwartungen der Mitglieder des Offenmarktaussschusses der Federal Reserve.

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Dr. Andreas A. Busch, Senior Economist der Bantleon Bank, äußert sich zum gestrigen geldpolitischen Entscheid der US-Notenbank.
© Bantleon

"Bei den »Dots« – den Leitzinserwartungen der FOMC-Mitglieder – wartete die Fed mit einer Überraschung auf", berichtet Dr. Andreas A. Busch, Senior Economist der Bantleon Bank. "In Anbetracht der zuletzt kräftig gestiegenen Inflationsraten war zwar eine leichte Aufwärtskorrektur des Medians für möglich gehalten worden. Mit einem Sprung nach oben für Ende 2023 von bislang keiner Zinserhöhung auf gleich zwei 25-Basispunkte-Schritte fiel diese Anpassung aber weitaus stärker aus als gedacht. Nur noch fünf der 18 Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses gehen davon aus, dass die Leitzinsen im Laufe der nächsten 2½ Jahre nicht angehoben werden."

Tapering-Diskussion gestartet
Eine klare Botschaft sendete die Notenbank auch bezüglich der Anleihenkäufe aus, so Dr. Busch weiter. Hier wurde die Diskussion um das im Raum stehende Tapering quasi offiziell eröffnet – bei den vorangegangenen FOMC-Sitzungen hatte es sich bislang allenfalls um ein Randthema gehandelt. Aktuell sei das Ankaufvolumen von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat zwar absolut angemessen und es sei noch ein weiter Weg, bis die geforderten »weiteren substanziellen Fortschritte beim Vollbeschäftigungs- und Inflationsziel« gemacht worden sind. Gleichwohl anerkannte Jerome Powell bereits in seinen einleitenden Erläuterungen zur Pressekonferenz, dass inzwischen einige Fortschritte zu verzeichnen sind. Darüber hinaus gebe es gute Gründe anzunehmen, dass man sich in den kommenden Monaten weiter in die gewünschte Richtung bewege. Wenn das der Fall ist, werde das FOMC im Rahmen der kommenden Sitzungen ankündigen, wann eine Entscheidung zum Beginn des Tapering bekannt geben werden soll.

Makro-Projektionen ohne Überraschungen
Was die turnunsmäßig veröffentlichten Makro-Projektionen anbetrifft, gab es keine Überraschungen. Die kräftigen April- und Mai-Inflationsdaten haben dazu geführt, dass die für Ende dieses Jahres prognostizierten Teuerungsraten deutlich angehoben wurden (Kerninflation von +2,2 auf +3,0 Prozent). Im Gegenzug blieben die Prognosen für Ende 2022 und Ende 2023 aber nahezu exakt auf den bisherigen Werten. Demnach soll die Kerninflationsrate in gut 2½ Jahren mit 2,1 Prozent nach wie vor kaum über dem avisierten Zwei-Prozent-Ziel liegen, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Fed bleibt damit bei ihrer Einschätzung, dass der aktuelle Inflationsschub nur ein vorübergehendes Phänomen darstellt.

Bantleons Einschätzung

Dr. Busch: "In unseren Augen sieht die Fed die Wirtschaft inzwischen auf einem robusten Erholungskurs, der es erlaubt – wenn er sich, wie erwartet, dynamisch fortsetzt –, den geldpolitischen Stimulus langsam zu reduzieren. Die Notenbank geht dabei extrem vorsichtig vor. Selbst die »Ankündigung der Ankündigung« will man rechtzeitig im Voraus bekanntgeben. Bei aller Vorsicht ist damit aber der Ausstiegsfahrplan nun etwas klarer vorgezeichnet. Außerdem scheint sich die Fed hinsichtlich des Timings etwas mehr Flexibilität zu erlauben. Anders als bisher sprach Powell nicht mehr davon, die Tapering-Entscheidung »weit im Voraus« anzukündigen, sondern beließ es bei »im Voraus«. Das schafft den Spielraum, etwas schneller zu reagieren, sollten die künftigen Beschäftigungs- und Inflationszahlen nach oben überraschen." Gleichzeitig lasse die Aufwärtskorrektur der Leitzinserwartungen durch eine große Mehrheit der FOMC-Mitglieder erkennen, dass sich offensichtlich eine Reihe von Währungshütern mit der bislang geltenden »Lower for Longer-Doktrin« zunehmend unwohl fühle.

Ausblick
Beides zusammen fügt sich ein in die Erwartungen der Bantleon-Experten, wonach die Fed angesichts einer dynamischen Arbeitsmarkterholung und eines wachsenden Preisdrucks im Herbst (September oder November) bekannt geben dürfte, mit dem Tapering zum Jahreswechsel zu beginnen. Die genauen Zeitpunkte werden dabei vor allem von der Entwicklung der nächsten Arbeitsmarktberichte abhängen.

Darüber hinaus seien die mittelfristigen Inflationserwartungen der Fed unverändert zu vorsichtig, so Dr. Busch. "Wir gehen davon aus, dass die Kerninflation in 2022 und 2023 deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank liegen wird. Daneben rechnen wir auch mit einem schnelleren Rückgang der Arbeitslosenquote. In diesem Szenario dürften die Leitzinserwartungen vor allem für die Jahre ab 2023 weiter nach oben wandern, was zu anhaltendem Aufwärtsdruck auf die US-Treasury-Renditen führen wird." (kb)

 

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