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AT1-Kompromiss: Die UBS bewegt sich – Ermotti aber "nicht glücklich"

Vor der richtungsweisenden Abstimmung im Schweizer Ständerat deutet sich Bewegung im Streit um die verschärften Kapitalregeln für die UBS an. Die Großbank könnte einen AT1-Kompromiss akzeptieren – zufrieden ist ihre Führung damit jedoch nicht.

Sergio Ermotti, UBS: "Die Ausgangslage ist nun: die UBS gegen den Rest. In einer solchen Situation ist es extrem schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sachgerechte Lösungen zu finden."
Sergio Ermotti, UBS: "Die Ausgangslage ist nun: die UBS gegen den Rest. In einer solchen Situation ist es extrem schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sachgerechte Lösungen zu finden."© Jason Alden / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Betreffend die Eigenmittelunterlegung des internationalen UBS-Bankengeschäfts wird des diese Woche spannend
  • Der Vorschlag, dies mit Additional Tier-1 Bonds zu machen zu können, zeichnet sich als Kompromiss ab
  • Es bestehen aber auch noch andere Möglichkeiten

Die UBS-Spitze hat signalisiert, dass ein jüngster Vorschlag von Schweizer Parlamentariern zur Abmilderung der geplanten neuen Kapitalanforderungen für die Bank zwar eine Verbesserung wäre, aus ihrer Sicht aber weiterhin zu weit geht. Die Äußerungen kommen nur wenige Tage vor einer richtungsweisenden Abstimmung in Bern, berichtet Bloomberg News.

Die Idee, einen Teil der Kapitalunterlegung für die Auslandseinheiten der UBS mit AT1-Anleihen zu erfüllen, wäre für die Bank "verkraftbar", sagte Konzernchef Sergio Ermotti laut einem am Sonntag (20.9.) veröffentlichten Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Kurz zuvor hatte Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher eine ähnliche Formulierung verwendet.

Ermotti und Kelleher zeigten sich zugleich weiterhin unzufrieden mit dem Plan.

Abstimmung am 23. September
Die widerwillige Unterstützung ist bislang das deutlichste Signal dafür, dass die UBS ihren lautstarken Widerstand gegen die geplante Schweizer Bankenreform abschwächen würde, sollte das Land den AT1-Plan annehmen. Der Ständerat soll am 23. September darüber abstimmen.

Eine Annahme des AT1-Vorschlags würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die endgültigen Kapitalanforderungen an die UBS weniger hoch ausfallen als von der Regierung angestrebt. Die Initiative würde einen von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf ersetzen, den die Bank wiederholt als zu belastend zurückgewiesen hat.

Welcher Vorschlag sich letztlich durchsetzt, ist unklar. Die Abstimmung in dieser Woche ist lediglich der nächste Schritt in einem langen und komplexen Gesetzgebungsverfahren. Die Regierung hatte die AT1-Lösung zuvor abgelehnt. Die Parlamentarier sollen nun zwischen dem Regierungsplan, einer weiteren Option mit etwas geringeren zusätzlichen Kapitalanforderungen und dem AT1-Kompromiss wählen.

Drei Modelle stehen zur Wahl
Die Schweizer Regierung will ein Gesetz verabschieden, das die UBS verpflichten würde, 100 Prozent des Werts ihrer ausländischen Tochtergesellschaften bei ihrer inländischen Einheit mit sogenanntem CET1-Kapital zu unterlegen. Das wäre eine deutliche Erhöhung gegenüber der derzeitigen Regel, die lediglich eine Unterlegung von 60 Prozent vorschreibt. Teile davon können mit AT1-Anleihen erfüllt werden.

Der Gegenentwurf der Wirtschaftskommission der kleinen Parlamentskammer würde der Bank dagegen erlauben, AT1-Anleihen für bis zur Hälfte der 100-prozentigen Kapitalunterlegung ausländischer Einheiten einzusetzen. Die kleine Kammer wird zudem über einen dritten Plan beraten, der die Anforderung auf 90 Prozent erhöhen würde.

"Noch immer ein Schlag, aber verkraftbar"
Ermotti sagte im "NZZ"-Interview, das schlimmste Szenario für die UBS wäre die Annahme des Regierungsvorschlags. Auch den 90-Prozent-Plan lehne er ab. Welche Kapitalregeln er für die UBS als ideales Ergebnis betrachten würde, wollte Ermotti nicht sagen.

"Wenn ich dies tun würde und die politische Lösung in diesem Bereich landen würde, dann hieße es, die Politik sei eingeknickt und habe gemacht, was ihr die UBS diktiert habe", sagte Ermotti. "Die Ausgangslage ist nun: die UBS gegen den Rest. In einer solchen Situation ist es extrem schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sachgerechte Lösungen zu finden."

"Sind wir glücklich damit? Nein, sind wir nicht", sagte Ermotti im Interview mit Blick auf den AT1-Vorschlag. "Es ist noch immer ein Schlag, aber er ist verkraftbar", sagte er.

Folgen der Credit-Suisse-Übernahme
"Wir haben bei der CS-Rettung geholfen, die Schweiz vor einem rufschädigenden Debakel zu bewahren", sagte Ermotti ebenfalls. Die UBS stimmte Anfang 2023 zu, den Rivalen Credit Suisse im Rahmen einer von der Schweizer Regierung eingefädelten Notfallvereinbarung zu übernehmen. Die Regierung befürchtete, dass sich die Probleme der Großbank zu einer ausgewachsenen Finanzkrise ausweiten könnten.

Durch die Übernahme der Credit Suisse ist die UBS zu einer noch größeren Bank geworden. Die Regierung argumentiert, sie müsse mehr Kapital vorhalten, damit eine mögliche künftige Krise die Bank nicht zu einer Gefahr für die Schweiz macht.

Die UBS versucht, die Schweizer Regierung und die Aufsichtsbehörden des Landes davon zu überzeugen, dass die geplante Reform zu weit geht und nicht nur der Bank, sondern auch der Volkswirtschaft schaden würde. Eine höhere Kapitalunterlegung der ausländischen Einheiten würde das Wachstum für die UBS verteuern.

Weitere 13 Milliarden Dollar erforderlich
Ermotti sagte, auch der AT1-Kompromiss wäre weiterhin problematisch, weil die UBS weitere 13 Milliarden Dollar an zusätzlichem Tier-1-Kapital aufbauen müsste. Unter Berücksichtigung einer Übergangsfrist wären das zwei Milliarden Dollar pro Jahr.

Ermotti bekräftigte, dass die Schweizerische Nationalbank und die Schweizer Finanzaufsicht Finma einen Teil der Verantwortung für den Untergang der Credit Suisse tragen.

UBS-Investoren hätten rund 15 Milliarden Dollar für die Rekapitalisierung und Restrukturierung der Credit Suisse aufbringen müssen, sagte der Konzernchef im Interview. Die UBS werde erst Ende dieses Jahres wieder dieselbe Eigenkapitalrendite erreichen wie vor der Übernahme der Credit Suisse, sagte er und wies damit die Vorstellung zurück, die UBS habe die Credit Suisse billig gekauft.

Rückzug für Ermotti "kein Thema"
Auf seine Zukunft bei der UBS angesprochen, sagte Ermotti, ein Ende seiner Amtszeit als Konzernchef sei "kein Thema".

Ermotti führte die UBS zunächst von 2011 bis 2020. Der Schweizer übernahm die Führung einige Jahre, nachdem die Bank während der Finanzkrise von der Schweizer Regierung gerettet worden war. Nach der Übernahme der Credit Suisse kehrte Ermotti als CEO zurück. (mb/Bloomberg)

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