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Agustin Carstens krempelt die Zentralbank der Zentralbanken um

Die Notenbanker-Zentrale in Basel erlebt Neuerungen, denn BIZ-Chef Agustin Carstens verändert die Art und Weise, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich den Währungshütern der Welt Ratschläge erteilt.

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© Bloomberg / Bloomberg News

Der Ton in Basel seit dem Amtsantritt des neuen Generaldirektors bei der "Zentralbank der Zentralbanken" Ende 2017 markiert eine Abkehr von den häufig öffentlichen Ermahnungen zu den ultra-niedrigen Zinsen. Nun wird ein weniger provokanter Ansatz bevorzugt, der den Notenbanken helfen soll, den Ausstieg aus den Krisenmaßnahmen vorzubereiten.

Kein erhobener Zeigefinger mehr
Die Beurteilungen der BIZ, die zuvor von Jaime Caruana geleitet wurde, kollidierten in den letzten Jahren manchmal mit dem, was die Zentralbanker vor Ort für notwendig hielten, um Wachstum und Inflation wiederzubeleben. Das führte gelegentlich zu Spannungen mit der Institution, wie Bloomberg News von Informanten, die um Anonymität baten, erfuhr.

Friktionsfreier Service-Charakter soll im Vordergrund stehen
Carstens’ Antwort ist, dass es die Aufgabe des Research ist, neue Wege zu beschreiten, aber er möchte sich auch darauf konzentrieren, seinen Aktionären zu dienen. "Ich kann die Möglichkeit nicht ausschließen, dass unsere Botschaft zu irgendeinem Zeitpunkt für jemand unbequem war, aber etwas, das sehr deutlich gemacht werden muss, ist, dass wir keine Reibungen verursachen wollen", sagte Carstens in einem Interview am 23. Oktober. "Gleichzeitig sollten wir uns nicht selbst zensieren."

Der neue Ansatz fällt mit einer allgemeinen globalen Abkehr von expansiven Stimulusmaßnahmen zusammen, so dass die BIZ weniger Veranlassung sieht, energisch auf ihrer seit langem vertretene Ansicht zu beharren, dass die Geldpolitik gestrafft werden sollte. Aber es gibt auch andere Gründe für den Wandel.

EZB fühlte sich am Schlips getreten
Während die BIZ seit langem höhere Zinsen gefordert hat, war ihre konträre Hausmeinung, sich nach der Rezessionsphase "gegen den Wind zu lehnen", ein besonderer Dorn im Auge der Europäischen Zentralbank, wie zwei Personen berichten.

Im Jahr 2014 waren Spannungsanzeichen klar zu erkennen, als die Federal Reserve und die EZB zurückschossen und sagten, dass makroprudenzielle Maßnahmen - selbst eine Idee der BIZ - bessere Instrumente als die Zinspolitik seien, um Aktiva-Preisblasen entgegenzutreten.

Research soll unabhängig von der Hausmeinung sein
Als Carstens, der zuvor die mexikanische Notenbank geleitet hatte, nach Basel kam, standen Kryptowährungen und die Widerstandsfähigkeit gegen Cyber-Angriffe ganz oben auf seiner Agenda, zusammen mit einem Versprechen, das Research zu verbessern, mit einem Fokus auf der Normalisierung der Geldpolitik.

Weniger als ein Jahr zuvor hatte ein Bericht, bei dem der frühere stellvertretende Gouverneur der Bank of England Charlie Bean Mitautor war, vorgeschlagen, dass die interne Kultur der BIZ offener für Herausforderungen sein sollte und dass das Research nicht darauf ausgerichtet sein sollte, die Hausmeinung zu stützen.

BIZ will sich in Debatten stürzen
"Ich möchte, dass diese Institution eine stärkere Stimme hat, besser erreichbar ist, bei mehr Debatten präsent ist - daran besteht kein Zweifel", sagte Carstens. Er fügte hinzu, dass es keine "Besessenheit" gebe, die Hausmeinung zu unterstützen und dass die Research-Agenda "sehr dynamisch" sein und auf den Moment reagieren müsse.

Forderung nach vorsorgliche Straffung der Geldpolitik ist umstritten
Eng verbunden mit der Haltung der BIZ ist Claudio Borio, jetzt Leiter der Abteilung für Währung und Wirtschaft, der seit Jahren zusammen mit seinem Vorgänger William White eine stärkere Konzentration auf Aktivablasen und eine vorsorgliche Straffung der Geldpolitik fordert. Seine Ansichten sind jedoch in Ökonomen-Kreisen umstritten.

Ein Skeptiker ist Stefan Gerlach, der zuvor bei der BIZ gearbeitet hat und heute Chefökonom der Bank EFG ist. "Es ist offensichtlich, dass eine Reihe von Positionen, die die BIZ in ihrer ’Hausmeinung’ vertreten hat, seit langem als schlecht begründet, vielleicht sogar als zweifelhaft angesehen wurden", sagte Gerlach. In Verbindung mit Carstens’ Erfahrung und Urteilsvermögen und den Vorbehalten im Bean-Bericht, führte dies "zu den Entwicklungen, die wir nun beobachten", sagte er gegenüber Bloomberg.

Leichter Shift bereits erkennbar
Bereits im Jahresbericht 2018, der einen "ausgewogeneren Maßnahmen-Mix" forderte, war ein leichter Wandel festzustellen, im Gegensatz zum Argument des Vorjahres, dass eine Strategie des schrittweisen Vorgehens und der Transparenz die Risikobereitschaft fördern könnte.

BIZ soll Orientierungshilfe bieten
Carstens hat seitdem die Metapher des " schmalen Pfad" benutzt, um die Herausforderungen zu beschreiben, denen sich die Verantwortlichen zwischen Finanz- und Preisstabilität gegenübersehen. Mehr noch, er sieht seine Aufgabe darin, notwendige Orientierungshilfe zu geben. "Die Hauptaktionäre, für die wir arbeiten, sind Zentralbanken", sagte er gegenüber Bloomberg. "Sie müssen von uns hören, was die Herausforderungen sind, vor denen sie stehen." (kb)

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