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Studie: Zeitwertkonten in Deutschland unterrepräsentiert

Einer aktuellen Studie zufolge gewinnen Zeitwertkonten mit Blick auf den demografischen Wandel und den Wunsch nach einer Flexibilisierung von Erwerbsbiografien an Bedeutung. Dennoch seien entsprechende Modelle in Deutschland noch nicht flächendeckend etabliert.

Christof Quiring, Head of Workplace Investing bei Fidelity International, verweist auf die Diskussion um die Altersvorsorge derzeit in Berlin. „Dabei sollten auch die Zeitwertkonten eine Rolle spielen“, fordert er.  
Christof Quiring, Head of Workplace Investing bei Fidelity International, verweist auf die Diskussion um die Altersvorsorge derzeit in Berlin. „Dabei sollten auch die Zeitwertkonten eine Rolle spielen“, fordert er.  © Fidelity International

Eckpunkte:

  • Knapp 30 Prozent der größeren Organisationen bieten Zeitwertkonten an
  • Vorruhestand und Sabbaticals sind wichtigste Verwendungszwecke
  • Fidelity: Zeitwertkonten sollten wegen des demografischen Wandels und der rentenpolitischen Diskussion an Bedeutung gewinnen

Zeitwertkonten gewinnen mit Blick auf den demografischen Wandel und den steigenden Wunsch nach einer Flexibilisierung von Erwerbsbiografien an Bedeutung. Dennoch sind entsprechende Modelle in Deutschland noch nicht flächendeckend etabliert. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Die Verbreitung von Zeitwertkonten in Deutschland“, die Fidelity International gemeinsam mit der Universität Hamburg durchgeführt hat.

Die Untersuchung basiert auf einer bundesweiten Befragung von Organisationen mit mehr als 300 Beschäftigten. Demnach bieten 29,6 Prozent der befragten Organisationen Zeitwertkonten an. Besonders verbreitet sind diese im öffentlichen Sektor. Für die Studie wurden zwischen November 2025 und Januar 2026 insgesamt 470 Organisationen in Deutschland befragt. Der Sammelbegriff „Zeitwertkonten“ umfasst demnach verschiedene Modelle, die es Beschäftigten ermöglichen, Zeit- oder Entgeltbestandteile über einen längeren Zeitraum anzusparen, um diese für individuell gestaltbare Freistellungsphasen im Verlauf des Erwerbslebens zu nutzen.

Größere Unternehmen führen
Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und dem Verbreitungsgrad. Während lediglich 20,9 Prozent der Organisationen mit 300 bis 999 Beschäftigten Zeitwertkonten anbieten, steigt der Anteil bei Unternehmen mit 3.000 bis 4.999 Mitarbeitenden auf 38,5 Prozent.

Auch regional ergeben sich laut der Studie Unterschiede. Besonders hohe Verbreitungsraten wurden in Hamburg (43,3 Prozent), Berlin (42,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (42,9 Prozent) sowie Nordrhein-Westfalen (35,1 Prozent) festgestellt.

Vorgezogener Übergang in den Ruhestand
Bei den Freistellungszwecken dominiert weiterhin der vorgezogene Übergang in den Ruhestand. Rund 36,7 Prozent der Organisationen mit Zeitwertkonten nennen den Vorruhestand als wichtigsten Verwendungszweck. Ebenfalls hohe Bedeutung haben Sabbaticals mit 33,1 Prozent der Nennungen. Elternzeiten, Pflegezeiten und Weiterbildungsphasen spielten dagegen eine vergleichsweise geringere Rolle.

Altersvorsorgereformen im Blick
Christof Quiring, Head of Workplace Investing bei Fidelity International, kommentiert die Studie in einer Mitteilung vom Donnerstag wie folgt: „In Berlin wird derzeit intensiv über die Zukunft der drei Säulen der Alterssicherung gesprochen. Dabei sollten auch die Zeitwertkonten in der Diskussion eine Rolle spielen, da sie zu einem bedeutenden Instrument der Vorruhestandsfinanzierung geworden sind. Gerade diese Debatte müssen wir jetzt führen, denn die Flexibilisierung von Erwerbsverläufen nimmt weiter zu. Ein wichtiger Schritt wäre es, die Werterhaltungsgarantie für Zeitwertkonten zu modernisieren. Analog zur privaten Altersvorsorge könnte damit der Kapitalmarkt stärker genutzt und langfristig höhere Renditechancen für Beschäftigte geschaffen werden.“

Bürokratische Hürden und fehlende Informationen
Als wichtigste Hindernisse für die Einführung von Zeitwertkonten nennen die befragten Organisationen den administrativen Aufwand (26,1 Prozent) sowie fehlende Informationen über Funktionsweise und Nutzen der Modelle (21,5 Prozent). Weitere Hürden sind Unsicherheiten beim Insolvenzschutz, Fragen der Bilanzierung und die damit verbundenen organisatorischen Anforderungen. (de)

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