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Premiere: Neuer Kryptowährungsfonds in Europa ist bald am Start

Dieser dürfte nicht wie erwartet aus der Schweiz, sondern aus Liechtenstein kommen. Wie unsere Redaktion erfuhr, steht Incrementum kurz davor, ein Produkt für institutionelle Anleger zu lancieren.

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© Fotolia

In den USA waren die Winkelvoss-Zwillinge öffentlichkeitswirksam mit der Zulassung ihres Bitcoin-ETF gescheitert, und in der Schweiz verzögert sich das vielbeachtete Vorhaben der Crypto Fund AG. Ihnen dürfte nun der unabhängige Asset Manager Incrementum aus Liechtenstein mit einem Kryptowährungsfonds zuvorkommen.

Nicht der allererste Fonds in Europa

Der guten Ordnung halber sei angemerkt, dass es bereits mehr oder weniger leicht zugängliche Kryptowährungsfonds gibt. Zu nennen ist hier - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - der Logos Fund, ein Spezial-AIF (Alternative Investment Fund) nach deutschem Recht laut Homepage www.logos-fund.com, und vor allem der seit Juni 2014 bestehende Altana Digital Currency Fund (ADCF), der von Altana Wealth Limited (FCA-reguliert) bzw. der von der monegassischen Finanzmarktaufsicht (Commission de Contrôle des Activités Financières) kontrollierten Altana Wealth SAM ins Leben gerufen wurde.

AIF-Pläne von Incrementum

"Das ist korrekt. Der Fonds soll noch in diesem Jahr lanciert werden", bestätigte Stefan Markus Kremeth, CEO von Incrementum, auf Anfrage. Man habe eine Depotbank und einen Administrator gefunden und die Vorgaben des Liechtensteiner Regulators erfüllt: "Am 5. September ist die letzte Sitzung mit den beteiligten Akteuren geplant, in der die finalen Konditionen festgesetzt werden sollen. Dann kann der Prospekt eingereicht werden. Wir gehen davon aus, dass wir die Zulassung bis Jahresende erhalten", so Kremeth. Der Gestaltungsprozess sei sehr aufwendig gewesen, "da es noch nichts Gleiches gegeben hat".

Der Fonds wird voraussichtlich "mit einer knappen Handvoll Kryptowährungen" starten. Es gehe darum, "Kryptowährungen in einer Form zu bündeln, die es den Investoren möglich macht, eine bescheidene Diversifikation in dem Thema zu erzielen", sagt Kremeth. Details werden später bekannt gegeben.

Beschränkungen beim Ein- und Ausstieg
Kremeth bestätigt, dass es in puncto Liquidität Regelungen geben wird. Das Problem ist ja, dass Kryptowährungen ein relativ illiquider Markt sind: Kauft ein Investor große Positionen oder löst diese auf, geht das kaum, ohne den Kurs stark zu bewegen. "Natürlich muss es da etwas geben. Sowohl bei Einstiegen als auch bei Rückzügen werden wir sagen müssen, dass sehr große Positionen nicht auf einmal bewältigt werden können. Das ist bei anderen illiquiden Assets nicht anders", sagt Kremeth.

Der ausschlaggebende Punkt, um das Wohlwollen des Liechtensteiner Regulators FMA zu erhalten, sei das Finden einer Depotbank gewesen, die gewisse Sicherheitsauflagen erfüllt. Die Depotbank – deren Namen noch nicht öffentlich bekannt ist – muss unter anderem außerhalb ihrer eigenen "Wallets" noch ein "Cold Storage" der Kryptowährungen durchführen. Sie spiegelt also das Vermögen zusätzlich in ihr eigenes Depot. Ähnlich machen es auch private Nutzer, die ein Offline-"Wallet" an einem geschützten Ort führen, das keine Online-Verbindung hat. "Wallets" sind digitale Geldbeutel, in denen die Kryptowährungs-Guthaben gespeichert werden.

Noch keine konkreten Investoren
Investoren wurden bis jetzt nicht gezielt angesprochen. "Das halte ich für unseriös. Ich halte nichts davon, eine Zusage anzunehmen, wenn noch unklar ist, um welche Konditionen es geht und bevor die endgültige Genehmigung der regulierenden Behörde da ist", sagt Kremeth. Über mangelndes Interesse könne man sich jedoch nicht beklagen.

Fest steht, es werde kein Fonds für das Retail-Publikum werden. "Dafür bekommen Sie keine Lizenz. Der Fonds wird als alternativer Investmentfonds (AIF) geführt werden und ist für Profi- oder qualifizierte Anleger gedacht", so Kremeth.

Schweizer haben das Nachsehen
In der Berichterstattung hatte bisher die Schweizer Crypto Fund AG als wahrscheinlicher Anbieter des ersten (?) europäischen Fonds aus der Digitalgeld-Ecke gegolten. Mit deren Start dürfte es aber vor 2018 nichts mehr werden, wie ein Vertreter des Unternehmens auf Anfrage sagte. Dennoch gibt es hier – im Unterschied zu Incrementum – bereits Investorenzusagen. Auch Schweizer Pensionskassen zählen dort zum Kreis der Interessierten, wie in Erfahrung zu bringen war.

Dass es nun ausgerechnet in Liechtenstein klappen soll, erklärt Kremeth so: "Sie brauchen einen Regulator, der offen genug ist. Die Schweizer Finma ist da relativ langsam. Die werden sich außerdem hüten, nach vorne zu preschen, sondern darauf warten, dass ein anderes Land den ersten Schritt macht", so der Incrementum-Chef.

Auch im Fürstentum Liechtenstein seien die Meetings mit der Aufsichtsbehörde zuerst eher negativ verlaufen, die Gespräche hätten sich aber im Laufe der Beschäftigung mit virtuellen Währungen sehr zum Positiven verändert. "Die Audits vor dem Regulator waren in letzter Zeit ausgezeichnet", so Kremeth.

Kritik an der Schweiz
Kritik an der Schweiz hat Kremeth auch bezüglich der Digitalisierungs-Offensive des Landes. Der steuergünstige Kanton Zug versucht sich seit kurzem als "Crypto-Valley" zu positionieren und lockt Firmen aus der Blockchain-Branche an. Unter anderem hat Ethereum, eines der größten Blockchain-Projekte, dort den Hauptsitz. "Die Entscheidungswege in der Schweiz sind lang. Es ist besser, man macht es wie in Liechtenstein und schafft ein vom Regulator kontrolliertes sauberes Fondsprodukt, als man lässt in einer Region zahlreiche Firmen gewähren, die teilweise unter dem Radar der Aufsicht durchfliegen", moniert Kremeth, der selbst geborener Schweizer ist.

Zu Kryptowährungen zeigt sich Kremeth optimistisch, aber dennoch vorsichtig. "Man muss sich des Risikos bewusst sein. Das gilt für alle Anlageklassen. Ich kann aufgrund der hohen Kurse nachvollziehen, wenn jemand sagt, Bitcoin sind eine Blase. Aber erstens zeigt die Geschichte, dass Blasen vor dem Platzen meistens viel länger laufen als man denkt. Und zweitens denke ich, es wird Kryptowährungen geben, die uns über Dekaden begleiten. Wenn man Digitalwährungen nicht als Geld, sondern als Technologie betrachtet, die langfristig besteht, dann ist der Einstiegszeitpunkt eigentlich nebensächlich", so Kremeth.

Es werde Skandale geben in dem Bereich, und die meisten Kryptowährungen würden verschwinden, ist sich Kremeth sicher. Bitcoin werden sich seiner Meinung nach aber durchsetzen, weil diese als günstiges Zahlungsmittel eine Berechtigung hätten. Eine Regulierung seitens der EU könne den Kryptowährungen außerdem den Rücken stärken.

Vierteljährlicher "Cryptocurrency Research Report"
Incrementum hatte bis jetzt unter anderem einen Namen als Spezialist für Goldinvestments. Das Unternehmen wird künftig einen vierteljährlichen "Cryptocurrency Research Report" erstellen. Vor dem Fondsstart soll eine eigene Homepage eingerichtet werden, die ausschließlich Kryptowährungen abbildet. (eml)

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