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Die neue Normalisierung

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Seit 2009 haben die Zentralbanken ihre Bilanzen auf beispiellose Art aufgebläht. Angesichts des weltweit verbesserten Wirtschaftsumfelds hat die Notwendigkeit einer „Normalisierung“ – Anhebung der Zinsen und Reduzierung der Bilanzen – zu einer vierten Welle des Tapering geführt.

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Neuer Riesenfonds: 24 Milliarden Euro müssen dringend angelegt werden

Der Atomfonds mit 24,1 Milliarden Euro steht. Jetzt muss er „für die Ewigkeit“ investiert werden. Die verantwortliche Anlagechefin wird derzeit von allen Seiten mit Vorschlägen bombardiert. Die Zeit drängt, jeder Tag ohne Exposure kostet so um die 264.000 Euro.

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So umschwirrt werden Investoren nur selten, aber hier handelt es sich auch um etwas Besonderes: Anja Mikus, bis Dato Investment-Chefin und Partnerin der Fondsboutique Arabesque, steht in ihrer aktuellen Aufgabe mit ihrem Team vor der Herausforderung, 24,1 Milliarden Euro für den „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“, alias „Atomfonds“ neu anzulegen.

Zur Erinnerung: Am 3. Juli 2017 haben die fünf Energieversorger RWE, E.ON, EnBW, Stadtwerke München und Vattenfall diesen Betrag an den Entsorgungsfonds überwiesen. Er teilt sich in den Grundbetrag in Höhe von 17,9 Milliarden Euro und den Risikoaufschlag in Höhe von 6,2 Milliarden Euro.

Im Gegenzug können die Unternehmen die Ewigkeits-Verpflichtungen für die Zwischen- und Endlagerung der nuklearen Abfälle, deren Höhe schwer abschätzbar ist, aus ihren Büchern nehmen. Für die Stilllegung und den Rückbau der Kernkraftwerke sowie die Verpackung der radioaktiven Abfälle und deren Finanzierung bleiben die Energieunternehmen weiterhin selbst verantwortlich.

So sieht es das „Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung“ vor, das wegen beihilfenrechtlicher Fragen erst noch grünes Licht von der Europäischen Kommission erhalten musste. Dies geschah am 16. Juni, und entsprechend fand im Bundeswirtschaftsministerium am 19. Juni die konstituierende Sitzung des Kuratoriums des neu errichteten Entsorgungsfonds statt.

Namhafte Finanzexperten in den Stiftungs-Vorstand berufen
Bei der Sitzung wurden folgende personelle Entscheidungen getroffen (Institutional Money berichtete):

• Als Vorsitzender des Kuratoriums wurde Thorsten Herdan und als stellvertretender Vorsitzender Thomas Bareiß gewählt.

• Als Vorstände der Stiftung für die nächsten sechs Monate hat das Kuratorium Anja Mikus (CIO) bestellt, sowie Victor Moftakhar (Chief Operation Officer), der zuletzt die Geschäftsführung von Deka Investment leitete, und Prof. Jürgen Seja (Chief Risk Officer), der zuletzt im Vorstand der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe in Hannover saß. Der Vorstand wird die Geschäfte der Stiftung führen und die operative Verantwortung tragen.

• Als beratendes Gremium des Kuratoriums für Fragen der Anlage des Fondskapitals wird ein Anlageausschuss unter Vorsitz von Dr. Maximilian Zimmerer gebildet. Weitere Mitglieder des Anlageausschusses sind Mats Andersson, Elga Bartsch, Martin Korbmacher und Jochen Wermuth.

Die Rolle der Vorstände ist interimistisch vorgesehen, für einen Zeitraum von sechs Monaten.

Anlagehorizont: Ewig
Die Mittel des Entsorgungsfonds werden in der Rechtsform einer Stiftung verwaltet und sollen die Kosten, die die Entsorgung und Verwahrung des Atommülls verursachen, decken, und das kann bekanntlich mehrere Tausend Jahre dauern. Ähnliche Ewigkeitsverpflichtungen kennt man in Deutschland bei Stiftungen, insbesondere bei der RAG-Stiftung, die die Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlenbergbaus der RAG ab 2019 übernimmt und beim Nord-Ostsee-Kanal, wo der Bund sicherzustellen hat, dass „auf ewig“ die Fähren gratis benutzt werden können und die Eisenbahnbrücken instandgehalten werden.

Aufgabe der neuen Stiftung wird es nun sein, die Geldmittel in der errichteten Stiftung zu sichern. Daneben müssen die Organisations- und Personalstrukturen der Stiftung weiter aufgebaut, erste Anlageentscheidungen getroffen und eine Strategie für die langfristige, sichere und ertragsorientierte Anlage der Mittel entwickelt werden.

Nachhaltige Anlage
Jeder Tag, den der Betrag dort liegt, kostet den Fonds etwas über 264.000 Euro, wenn man von 0,4 Prozent Negativzins ausgeht. Daher wird vermutlich bald investiert, und viele Investoren sind gespannt, wie die Stiftungs-Vorstände den Betrag anlegen werden – ohne Altlasten sozusagen, d.h. ohne die Altlasten vorangegangener Investments, denn den Betrag haben die Energieunternehmen cash überwiesen.

„Der Fonds wird die eingezahlten Geldmittel nachhaltig anlegen, um die Finanzierung der Kosten im Bereich Zwischen- und Endlagerung langfristig zu sichern“, erklärt Thorsten Herdan, der Kuratoriumsvorsitzende des Fonds. Die Mittel werden natürlich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben verwaltet und angelegt. Hierzu wird der Fonds „in naher Zukunft“, wie es heißt, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank einen begrenzten Teil der Mittel anlegen. Parallel dazu erarbeitet der Vorstand des Fonds derzeit eine Anlagestrategie für das gesamte Fondsvolumen.

Dabei dürfte es sich um eine hochpolitische Angelegenheit handeln, und jeder hat da so seine Vorstellungen. Natürlich hegt man auch in den Vertriebsabteilungen der Asset Manager Hoffnungen und macht sich Gedanken. „Um Renditen von 3,x Prozent erwirtschaften zu können, würde ich statt in Aktien in Wandelanleihen und High Yield investieren. Damit verdient man langfristig so viel wie mit Aktien, bei deutlich tieferem Rückschlagspotenzial“, erklärt Maria Vogt, Senior Partnerin im Sales & Relationship Management bei Fisch Asset Management, und fährt fort: „Wir begegnen negativen Aktienmärkten mit stabilisierenden Assetklassen, die auch noch Prämien liefern, statt renditebelastenden Versicherungsschutz zu kaufen.“

Man darf gespannt sein, wie die strategische Asset Allocation am Ende aussieht und welche Manager zum Zuge kommen – eine solche Gelegenheit bietet sich nur selten. Und die große Hoffnung ist, dass der Staat nicht in „besonderen Situationen“ auf die Mittel zurückgreift. (ad)

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