Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Theorie
twitterlinkedInXING

Nächster Bärenmarkt wird ETF-Investoren Risiken offen vor Augen führen

Laut Philip Saunders, Co-Head of Multi-Asset Growth bei Investec AM, müssen Investoren die möglichen Konsequenzen des ETF-Booms besser verstehen. Denn spätestens bei der nächsten Baisse werden jene Anleger, die erst relativ spät ETFs kauften, die Nachteile von Indexanlagen schmerzlich spüren.

fotolia_64275606_subscription_xl.jpg

„Können Millionen Menschen, die mittels Autopilot investieren, einen ohnehin schon teuren Kapitalmarkt noch höher treiben?“. Laut Ansicht von Philip Saunders, Co-Head of Multi-Asset Growth bei Investec Asset Management, scheint dies vor dem Hintergrund des ETF-Booms derzeit der Fall zu sein. Er untermauert seine Ansicht mit folgenden Zahlen.

Seit 2008 haben Anleger in aktiv investierenden US-Aktienfonds mehr als 800 Milliarden US-Dollar ihrer Bestände verkauft und 1.800 Milliarden US-Dollar in Aktienindexfonds, alias Aktien-ETF, gekauft. Laut Saunders habe Jack Bogle, einer der entscheidenden Wegbereiter des passiven Investierens, dies im September letzten Jahres in der New York Times als einen „Gezeitenwechsel hin zu Indexfonds – eigentlich eher einen Tsunami“ beschrieben. Im ersten Quartal 2017 hat diese Welle weiter Geschwindigkeit aufgenommen: Die Nettomittelzuflüsse in US-notierte Aktien-ETF betrugen 97 Milliarden US-Dollar, fast fünfmal so viel wie die 20 Miliarden US-Dollar im ersten Quartal 2016.

Daher verfolgt Saunders das derzitige Geschehen mit Argusaugen. „Die schiere Größe und die Mittelbewegungen von ETF haben inzwischen einen spürbaren Einfluss auf die Aktienmärkte, sowohl auf deren Bewegungen insgesamt als auch auf die relative Preisbildung der einzelnen Aktien“, sagt er. Seiner Beobachtung nach entfallen von den 6,7 Billionen US.Dollar in US-Aktien über 50 Prozent auf passive Strategien. Dazu müsse man noch die quasi-passiven Strategien hinzurechnen, mit denen aktive Fonds ihr Abweichungsrisiko zum Index steuerten, so Saunders.

ETF-Anleger kaufen blind die vergangene Performance
„Die Risiken am Aktienmarkt steigen“, lautet seine Diagnose. Zumal es der drittlängste Bullenmarkt seit den 1920er Jahren sei, angetrieben vor allem von fallenden Zinsen. „Zinssensible Aktien wie etwa die von US-Hausbaufirmen waren am Aktienmarkt lange führend, bis im Sommer vergangenen Jahres die langfristigen Zinsen ihr zyklisches Tief erreichten“, beobachtete Saunders. Seitdem sei es vor allem ein von Momentum getriebener Markt, der klar die Gefahr berge, dass passive Geldströme dieses Momentum noch verstärkten. Zumal die Zuflüsse aus den passiven Anlageprodukten vor allem auf Basis der Marktkapitalisierung investiert werden, also in die höher kapitalisierten Unternehmen. Deren höhere Kapitalisierung ist allerdings das Ergebnis eines schon guten Laufs an der Börse.

Saunders rät daher Investoren zum genauen Hinschauen. „Der nächste Bärenmarkt wird kommen – und er wird den späten Investoren in passiven Produkte ihre Risiken offen vor Augen führen“. Die Aktienselektion sollte daher auf den Fundamentaldaten der Unternehmen basieren, rät er. Denn je näher das passive Investieren der Sättigungsgrenze entgegenstrebt, desto größer wird auch wieder die Streuung am Aktienmarkt. Und das bedeute eine Renaissance der aktiven Portfoliomanager. (aa)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen