Logo von Institutional Money
| Produkte

KI heizt Rechenzentren ein und erhöht Klimarisiken

Rekordtemperaturen setzen zunehmend auch die digitale Infrastruktur unter Druck. Rechenzentren benötigten bei großer Hitze deutlich mehr Kühlleistung. Das berichtet das Immobilienberatungsunternehmen Drees & Sommer.

Moderne Rechenzentren sind in der Regel besser für heiße Tage gerüstet, aber durch KI steigen auch die Anforderungen an Technik und Kühlung der Data Centers. 
Moderne Rechenzentren sind in der Regel besser für heiße Tage gerüstet, aber durch KI steigen auch die Anforderungen an Technik und Kühlung der Data Centers. © Active Abdur Rouf / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Rechenzentren müssen ihre Kühlkapazitäten anpassen
  • Betreiber in der sommerlichen „Hitzefalle“
  • PUE: Neue Regeln seit Juli 2026 für neue Objekte

„Hitze war lange ein Randthema für Rechenzentren. Heute geraten viele Betreiber in eine Hitzefalle: Von außen steigen die Temperaturen, von innen die Wärmelast durch KI-Anwendungen und immer leistungsstärkere Chips. Werden Kühlkapazitäten nicht rechtzeitig angepasst, drohen Störungen bis hin zu kostspieligen Ausfällen“, sagt Mathias Franke, Leiter Data Center Consulting beim Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE.

Die Verwundbarkeit der digitalen Infrastruktur gegenüber Extremwetter wachse. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Analyse (“Climate Risk in Global Data Center Markets: Implications for Investment and Performance”) des auf physische Klimarisiken spezialisierten Unternehmens First Street komme zu dem Ergebnis, dass 54 Prozent der weltweiten Rechenzentrumskapazität in Märkten liegen, die chronischem Hitze- oder Dürrestress ausgesetzt sind, so Drees & Sommer.

Grundlegende Veränderung durch KI – und auf das Klima
Zudem verändere KI die Anforderungen an die Technik: „KI verändert die Anforderungen an Rechenzentren grundlegend. Die Anlagen verbrauchen nicht nur mehr Energie, sondern geben auch deutlich mehr Wärme an ihre Umgebung ab. Das müssen Betreiber bei Planung und Betrieb künftig stärker berücksichtigen“, sagt Franke. Eine im März 2026 veröffentlichte Studie unter Beteiligung der University of Cambridge (Andrea Marinoni et al.: The Data Heat Island Effect: Quantifying the Impact of AI Data Centers in a Warming World) beziffert den Wärmeinsel-Effekt von KI-Rechenzentren demnach im Durchschnitt auf rund zwei Grad Celsius. In Extremfällen wurden Temperaturanstiege von bis zu 9,1 Grad Celsius gemessen. Weltweit könnten mehr als 340 Millionen Menschen von diesem sogenannten „Data Heat Island Effect“ betroffen sein.

Rückblick: Ausfälle im Sommer 2022 in UK
Wie schnell hohe Temperaturen Rechenzentren lahmlegen können, zeigte die Hitzewelle in Großbritannien im Sommer 2022. Als die Temperaturen in London erstmals die 40-Grad-Marke überschritten, fielen im Rechenzentrum von Google Cloud mehrere Kühlsysteme gleichzeitig aus. Techniker mussten Teile der Server herunterfahren, um technische Schäden zu verhindern. Auch ein Oracle-Rechenzentrum im Süden Londons war betroffen: Die Kühlaggregate arbeiteten an ihrer Belastungsgrenze und fielen schließlich aus. Der Ausfall dauerte rund 19 Stunden und beeinträchtigte Cloud-Dienste weltweit.

Hitzebedingte Ausfälle sind laut Drees & Sommer kein unvermeidbares Schicksal. Wer Kühlung, Energieversorgung und Betriebsabläufe frühzeitig auf Extremwetter ausrichte, könne Risiken deutlich reduzieren. Nach Einschätzung von Drees & Sommer müssen Betreiber sowohl Standort und Technik vorausschauend planen als auch klare Maßnahmen für den Betrieb während einer Hitzewelle festlegen. „Betreiber müssen nicht nur die IT-Systeme auf künftige Hitzeextreme vorbereiten. Auch die Notstromanlage muss bei hohen Temperaturen zuverlässig funktionieren. Fällt ihre Kühlung aus, kann sie das Rechenzentrum nicht mehr sicher mit Strom versorgen. Damit ist der gesamte Betrieb gefährdet“, heißt es in der Mitteilung des Immobilien- und Infrastrukturberaters.

PUE als Kennzahl für Energieeffizienz
Für Rechenzentren, die seit Juli 2026 neu in Betrieb gehen, verschärft das Energieeffizienzgesetz die Anforderungen. Maßstab ist die Power Usage Effectiveness, kurz PUE. Sie setzr den gesamten Energieverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Strombedarf von Servern und Speichern. Ein PUE-Wert von 1,2 bedeute vereinfacht: „Auf 100 Kilowattstunden für die IT kommen höchstens 20 Kilowattstunden für Kühlung, Stromversorgung und andere technische Infrastruktur. Neue Rechenzentren dürfen den Wert 1,2 nicht überschreiten. Anlagen, die vor Juli 2026 in Betrieb gingen, müssen bis Juli 2030 einen Wert von höchstens 1,3 erreichen“, so Drees & Sommer.(de)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion