Immobilienfonds: Nächstes Vehikel muss schließen
Immer mehr Asset Manager bekommen die negative Stimmung gegenüber offenen Immobilienfonds zu spüren. Nun muss der Anbieter Habona für seinen Nahversorgungsfonds zumindest vorübergehend die Anteilsrücknahme aussetzen, weil die Rückgabewünsche zu groß sind.
Eckpunkte:
- Trotz laut Eigenangaben guter Immobilien im Fondsbestand muss Habona ihren "Nahversorgungsfonds Deutschland" bis auf Weiteres schließen
- Schuld daran sind jene Anleger, die ihre Gelder abzogen haben
- Die Schließung gilt zunächst für zwölf Monate und kann auf bis zu 36 Monate verlängert werden
Die Nachrichten der vergangenen Monate haben einen gewaltigen Dominoeffekt ausgelöst. Nachdem Ende voriger Woche der Fondsmanager Kanam Grund die Abwicklung eines offenen Immobilienfonds meldete, gab am Dienstagnachmittag (30.6.) der Asset Manager Habona bekannt, dass die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen am Immobilien-Sondervermögen Habona Nahversorgungsfonds Deutschland ausgesetzt wurde. Hohe Mittelabflüsse, die branchenweit zu beobachten sind, setzen dem Fonds schon längere Zeit zu.
Nun wurde als Ultima Ratio die Rücknahme der Anteile ausgesetzt, weil konkret die liquiden Mittel des Immobilienfonds nicht mehr ausreichen, um die gekündigten Anteile auszuzahlen. Bisher wurden nach Unternehmensangaben die Rückgabewünsche der Anleger erfüllt. Dafür wurden sogar "zwei Immobilien zum Verkehrswert" veräußert, wie das Unternehmen mitteilt. Allerdings habe sich seit Februar 2026 der Rückgabedruck nochmals deutlich verstärkt. Dies stehe auch in einem zeitlichen Zusammenhang mit einem Bafin-Verweis auf die Risiken offener Immobilienfonds Anfang März.
Kein Anlegerinteresse trotz guter Vermietungsleistung
Der 2019 aufgelegte Fonds investiert in Nahversorgungsimmobilien; ergänzend darf er Kindertagesstätten und lebensmittelgeankerte Quartiersimmobilien unter Beimischung ergänzender Nutzungsarten wie beispielsweise Wohnen erwerben.
Zurzeit besteht das Portfolio aus 13 Objekten, die laut Habona zu 96,6 Prozent vermietet sind. "Wir haben kein Portfoliothema, denn das Produkt steht gut da. Die Assetklasse Nahversorgung ist intakt", betont Oliver Weinrich, Head of Portfolio Management bei Habona Invest Asset Management, im Gespräch mit der Redaktion.
Das Fondsvolumen beträgt zurzeit gut 100 Millionen Euro. Damit gehört das Habona-Produkt zu den kleinsten unter allen offenen Immobilienfonds. Bisher wurden laut Weinrich 40 Millionen Euro an die Anleger, die gekündigt hatten, zurückgezahlt. Die Schließung gilt zunächst für zwölf Monate und kann auf bis zu 36 Monate verlängert werden.
"Auch wenn die Stimmung bei den Anlegern nicht gut ist: Unser Ziel ist die Wiedereröffnung des Immobilienfonds", so der Habona-Manager. Durch die vorübergehende Fondsschließung seien die Interessen aller Anleger, die weiterhin investiert sind und die aussteigen wollen, gewahrt.
Mehrere Fonds nehmen keine Anteile mehr zurück
Der Habona-Fonds ist nicht der erste, der aus Liquiditätsgründen zugesperrt wird: Seit Mitte Januar nimmt der Wertgrund Wohnselect D keine Anteile mehr zurück, Ende Februar folgte der Fokus Wohnen Deutschland, im März dann der UBS (D) Euroinvest Immobilien. Andere Fonds, darunter als prominentestes Beispiel der Uniimmo: Wohnen ZBI, mussten hohe Wertberichtigungen vornehmen. (ae)


