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Greensill-Fonds der Credit Suisse waren alles andere als zahm

Der Erfolg bzw. das damit zusammenhängende, steigende Volumen des von der Credit Suisse angebotenen Supply-Chain-Finanzierungsfonds sorgten am Ende des Tages nach Bekanntwerden der Probleme bei Investoren für lange Gesichter.

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© Brown / stock.adobe.com

Die Credit Suisse Group hat ihre beliebten Supply-Chain-Finanzierungsfonds als eine ihrer sichersten Anlagen im Angebot angepriesen. Schließlich fußten die von ihnen gehaltenen Kredite auf Rechnungen, die innerhalb weniger Wochen bezahlt werden würden. Als die Fonds auf zehn Milliarden Dollar anwuchsen, verließen sie diesen Pfad jedoch, berichte "Bloomberg News".

Abkehr vom Pfad der Tugend
Ein Großteil des Geldes wurde informierten Kreisen zufolge über Greensill Capital gegen erwartete zukünftige Rechnungen für Transaktionen verliehen, die nicht etwa bereits stattgefunden hatten, sondern lediglich erwartet wurden. Anlegern der eingefrorenen Fonds könnte dies nun schmerzhafte Verluste bescheren.

Sicherheit geringer als erhofft
Die mit Greensill verbundenen Fonds gehörten zu den am schnellsten wachsenden bei der Credit Suisse und versprachen gemäß Fondsdokumenten „stabile und unkorrelierte Renditen“. Auf einer Skala von eins bis sieben bewertete die Bank die Fonds als die sichersten, auch weil viele der Vermögenswerte versichert waren. Eine spekulativere Version der Fonds, die keine Versicherung abgeschlossen hat, erhielt laut Dokumenten für Anleger immer noch das zweitbeste Rating.

Die Finanzierung von Forderungen wird als relativ sicher eingestuft, da lediglich darauf gewartet werden muss, dass ein Unternehmen bereits erhaltenen Waren bezahlt. Greensill bot auch die Finanzierung von zukünftigen Forderungen an und verwies dazu auf seine Fähigkeit, solche zukünftigen Einnahmen vorhersagen zu können. Solche Kreditvergabe hat jedoch ein ganz anderes Risikoniveau und im Gegenzug in der Regel auch viel höhere Zinsen.

Personen mit Kenntnis der Fonds gaben an, dass dort ursprünglich nur in Forderungen investiert worden sei, die durch tatsächliche Verkäufe gedeckt waren. Mit zunehmenden Investmentvolumen jedoch hätten sich die Anlagen hin zu lediglich prognostizierten, zukünftigen Einnahmen verschoben.

Kritik geäußert
“Das Mischen dieser beiden Arten von Vermögenswerten in einem Fonds hätte niemals passieren dürfen, weil Sie versuchen, etwas unter einer anderen Bezeichnung zu verkaufen”, sagte Michiel Steeman, Professor für Lieferketten-Finanzierung an der Fachhochschule Windesheim in den Niederlanden.

Während traditionelle Supply-Chain-Fonds tatsächlich wie Geldmarktfonds angesehen werden könnten, verliere das Produkt durch die Mischung mit zukünftigen Forderungen diese Merkmale, so Steeman.

Ob die Verschiebung hin zu potenziell riskanteren Finanzierungen ein Verstoß gegen die Anlagerichtlinien der Fonds war, ist unklar.

Stein kam ins Rollen...
Ein großer Teil der riskanteren Finanzierungen betraf mit Sanjeev Guptas GFG Alliance verbundene Unternehmen. Guptas Stahlimperium versucht mittlerweile, einen Zahlungsausfall abzuwenden, nachdem es mit Greensill seine Hauptfinanzierungsquelle verloren hat. Andere betrafen Unternehmen, die von Masayoshi Sons SoftBank Vision Fund unterstützt wurden.

Credit Suisse, Greensill, GFG und SoftBank lehnten laut Bloomberg Stellungnahmen ab.

Gupta war früh ein wichtiger Kunde für Greensill und ein Großteil der Vermögenswerte, die Greensill Capital von mit GFG verbundenen Unternehmen bezogen hatte, flossen in die Fonds der Credit Suisse. Mindestens eine Milliarde Dollar des Vermögens der vier Fonds stünden in Verbindung mit Guptas GFG, so die mit dem Thema vertrauten Personen. Über alle Unternehmen von Lex Greensill hinweg waren es, wie zu hören war, zum Zeitpunkt der Insolvenz etwa fünf Milliarden Dollar, schreibt Bloomberg.

Während ein Teil der Forderungen, die Greensill Capital von risikoreicheren Unternehmen wie GFG gekauft hatte, versichert war, beschloss die Credit Suisse, die Mittel einzufrieren, nachdem ein großer Versicherer die Verträge auslaufen ließ. Ob die Versicherung - die Tokio Marine Holdings aus Japan - für bestehende Deckung auszahlt, ist unklar, hat sie doch die Gültigkeit der Verträge in Frage gestellt.

Nun wird genauer hingesehen
Investoren in die Fonds sei nicht gesagt worden, dass die Versicherungen teilweise ausliefen, so Edouard Fremault, Partner bei Deminor in Brüssel, einer Firma, die Rechtsstreitigkeiten über Rückforderung von Investitionen finanziert.

Der Umfang an Greensill-Krediten an mit GFG verbundene Unternehmen stand im Mittelpunkt einer Untersuchung der Greensill Bank durch die BaFin seit Mitte letzten Jahres. Letzte Woche sagte die Behörde, dass die Greensill Bank “nicht in der Lage war, den Nachweis von Forderungen in ihrer Bilanz zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group gekauft hatte”. Die BaFin hat die Staatsanwaltschaft in Bremen gebeten, die Bank zu untersuchen.

Die Credit Suisse hatte im vergangenen Jahr die Fondsrichtlinien geändert, um das Engagement eines einzelnen Kreditnehmers zu begrenzen. Hintergrund war eine interne Untersuchung potenzieller Interessenkonflikte im Hinblick auf den SoftBank Vision Fund, einen weiteren wichtigen Geldgeber von Greensill.

SoftBank hatte 2019 rund 1,5 Milliarden Dollar in Greensill Capital investiert sowie Hunderte Millionen Dollar in die von Greensill betriebenen Credit-Suisse-Fonds. Die Fonds wiederum hatten Unternehmen finanziert, an denen der Vision Fund beteiligt war. (aa)

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