Logo von Institutional Money
| Produkte

Frühstartrente: Wo der Regierungsentwurf Schwächen hat

Durch die geplante Frühstartrente würde erstmals eine kapitalmarktbasierte Anlage zur voreingestellten Lösung (Default) für die Altersvorsorge. In einer neuen Studie unter Mitwirkung von Ulrike Malmendier zeigen die Autoren auf, wie diese aussehen sollte.

Kinder könnten gemeinsam mit Eltern oder Großeltern lernen, was zum Beispiel ein diversifiziertes Portfolio für die eigene Altersvorsorge bedeutet. 
Kinder könnten gemeinsam mit Eltern oder Großeltern lernen, was zum Beispiel ein diversifiziertes Portfolio für die eigene Altersvorsorge bedeutet. © Adobe Stock / fizkes

Eckpunkte:

  • Bekenntnis zur Aktienanlage
  • Governance: Leitplanken der Anlagestrategie im parlamentarischen Verfahren zu klären
  • Regierungsentwurf mit Schwächen: Es drohe Unterbrechung der Kapitalanlage

Mitte August hat das Bundeskabinett die Frühstartrente beschlossen. Die Initiative soll jungen Menschen frühzeitig beim Aufbau von Altersvorsorgekapital unterstützen. Auch die Kinder, deren Eltern keinen individuellen Vertrag für ihr Kind abschließen, sollen durch eine sogenannte kollektive Anlage (Default-Lösung) eingebunden werden. In einer neuen Studie mit dem Titel „Die kollektive Lösung der Frühstartrente: Empfehlungen für Anlagestrategie und Governance“ haben verschiedene Wissenschaftlerinnen unter Führung des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung (SAFE) analysiert, wie diese kollektive Anlage ausgestaltet werden sollte, damit sie die breite Bevölkerung niedrigschwellig am Kapitalmarkt beteiligt und jungen Menschen früh eigene Erfahrungen mit Kapitalanlage ermöglicht.

Rein aktienbasiert und passiv
Aus Sicht institutioneller Anleger gibt es zwei zentrale Ergebnisse:

Die Autorinnen empfehlen – vor dem Hintergrund des langen Anlagehorizonts und der langfristig hohen durchschnittlichen erwarteten Rendite von Aktien – ein breit diversifiziertes, rein aktienbasiertes Portfolio.

Zweiter Punkt: Unter Kostenaspekten favorisieren sie eine passive, regelgebundene und indexbasierte Verwaltung.

Als dritter Punkt entscheidend ist aus Sicht der Studie zudem eine unabhängige Governance: Die Leitplanken in der Anlagestrategie sollten im parlamentarischen Verfahren festgelegt werden. Ein unabhängiger Expertenrat sollte die Anlagerichtlinie entwickeln und überwachen, fordert eine Zusammenfassung der Studie.

Zudem weise der Regierungsentwurf zur Frühstartrente drei Schwächen auf:
Bezogen auf die Governance verlagere er zu viele Grundsatzentscheidungen in die Anlagerichtlinie aus, wie beispielsweise zur Anlageklasse, die im Referentenentwurf noch als global diversifizierte Aktienanlage vorgesehen gewesen sei.

Am Kapitalmarkt mit Unterbrechungen
Eine weitere Schwäche identifizieren die Autorinnen im geplanten Übergang von der kollektiven Lösung in die weitere Altersvorsorge. Da die Übertragung in ein individuelles Vorsorgeprodukt eine aktive Entscheidung voraussetzt, drohe gerade bei denjenigen, die in der Default-Lösung verblieben sind, eine Unterbrechung der Kapitalanlage. Damit auch hier ein automatischer Anschluss an die weitere Altersvorsorge erfolgen kann, schlagen die Autorinnen vor, dass die kollektive Anlage für diejenigen, die keine aktive Entscheidung treffen, als gesetzliche Kapitalrente weitergeführt werde. Zudem sollte die Frühstartrente stärker bildungspolitisch flankiert werden, um die Finanzmarktbildung unter Kindern, Eltern und Jugendlichen zu stärken, fordern sie.

Neuanfang mit Chancen für Aktienkultur
„Aus der Forschung wissen wir, dass Menschen aus Erfahrungen lernen und persönliche Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt einen starken Einfluss auf ihr späteres Anlageverhalten haben. In Deutschland fehlte es bislang am einfachen Zugang zu breit diversifizierten Aktienanlagen“, lässt sich Ulrike Malmendier, Direktorin des O’Donnell Centers für Behavioral Economics an der UC Berkeley und Distinguished Policy Advisor am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, in einer Mitteilung des ZEW Mannheim zitieren.

Und Christine Laudenbach, Leiterin der Abteilung Household Finance am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, betont: „Die Frühstartrente ist ein Neuanfang und bietet enorme Chancen, die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig zu ändern.“ Für eine nachhaltige Finanzmarkterfahrung brauche es daher hohe Transparenz und geringe Komplexität bei der Frühstartrente. (de)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion