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Frederic Waterstraat, Berenberg: „Dieser Umfang ist erforderlich“

Der Fondsmanager des Berenberg Sustainable EM Bonds erläutert gegenüber „Institutional Money” seine Herangehensweise beim Portfoliomanagement, warum gerade eine strenge Selektion im Bereich Nachhaltigkeit essentiell ist und gerade dadurch viele schlechte Investments vermieden werden können.

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© AungMyo / stock.adobe.com

Berenberg lancierte im Laufe dieses Jahres den Berenberg Sustainable EM Bonds. Das Management dieses nachhaltigen Schwellenländeranleihenfonds hat Frederic Waterstraat inne. Er hat das Ziel, möglichst stabile Erträge im Bereich Emerging Market Debt zu erzielen und einen dezidierten ESG-Ansatz zu verfolgen. Dabei wurden für die Anlageauswahl rund 40 Grenzwerte und Ausschlusskriterien definiert. Warum diese Anzahl nicht zu hoch und gerade ein Nachhaltigkeitsansatz im Bereich Emerging Market Debt Sinn macht, erklärt Waterstraat im nachfolgenden Interview.

Herr Waterstraat, eine grundsätzliche Frage: Warum sollten institutionelle Investoren auch bei Schwellenländeranleihen auf einen ESG-Ansatz setzen?
Frederic Waterstraat: Einige institutionelle Anleger wie beispielsweise Kirchen oder gemeinnützige Stiftungen sind nach ihren Anlagerestriktionen dazu verpflichtet, in nachhaltige Fonds zu investieren. Andere Anleger verpflichten sich intrinsisch motiviert dazu. Beiden Anlegergruppen möchten wir die die Möglichkeit bieten, in Schwellenländeranleihen zu investieren, die weit höher rentieren als klassische Rentenanlagen. Die Implementierung von Nachhaltigkeitskriterien führt zudem dazu, dass sich der Performancecharakteristik deutlich stabilisiert. Für Investoren, denen die Anlageklasse Schwellenländeranleihen bislang zu risikobehaftet war bietet sich damit eine defensivere Möglichkeit zu investieren.

IM: Sind 40 Grenzwerte und Ausschlusskriterien nicht etwas zu viel? Welche Restriktionen sind das?
Waterstraat: Unser Ansatz berücksichtigt insgesamt 15 Kriterien für Staaten und 25 Kriterien für Unternehmen. Hierbei handelt es sich teilweise um harte Ausschlusskriterien als auch um fest definierte Schwellenwerte. Dieser Umfang ist aus unserer Sicht erforderlich, damit auf unserem Fonds nicht nur Nachhaltigkeit drauf steht, sondern auch drin steckt.

Bei der Auswahl der Kriterien sind wir mit einer Vielzahl an nachhaltigen Investoren in den direkten Austausch gegangen, um die größtmögliche Schnittmenge herauszufinden. Auf der Staatenseite gehören fehlende demokratische Werte, die praktizierte Todesstrafe, ein zu hoher Anteil an Atomenergie oder ein zu hohes Militärbudget zu den Ausschlusskriterien. Auf der Unternehmensseite ist die Einhaltung der United Nations Global Compact Prinzipien (UNGCP) erforderlich. Darüber hinaus werden Hersteller kontroverser Waffen kategorisch ausgeschlossen.

IM: Wer liefert Berenberg das ESG-Research?
Waterstraat: Berenberg greift für jeden einzelnen Nachhaltigkeitsbereich auf die jeweilig spezialisierte Expertise unabhängiger Ressourcen zurück. Insgesamt beziehen wir Nachhaltigkeitsdaten von 13 Research-Anbietern bzw. Nicht-Regierungs-Organisationen. Unsere Datenlieferanten haben weltweit Experten vor Ort, die die Nachhaltigkeit eines Staates oder eines Unternehmens beurteilen. Angefangen mit unterschiedlichen Ressorts der Vereinten Nationen über bspw. Transparancy International, die den Bereich der Korruption abdecken, oder Amnesty International, die den Bereich der Todesstrafe analysieren. Darüber hinaus beziehen wir ESG Research von MSCI, mit denen wir uns ebenfalls aktiv austauschen. MSCI ESG Research stellen uns detaillierte ESG-Unternehmensanalysen sowie dezidierte Nachhaltigkeits-Ratings für Länder und Unternehmen aus den Emerging Markets zur Verfügung. Alle Daten fließen in unterschiedliche Ebenen unseres strikt regelgebundenen Investmentprozesses ein. Das ermöglicht uns, dass wir den Nachhaltigkeitsgrad eines Landes oder eines Unternehmens nicht selbst bestimmen, sondern die gelieferten Daten objektiv nach den Berenberg ESG-Richtlinien auswerten.

Neben harten Ausschlusskriterien beinhaltet der Investmentprozess außerdem einen drei-teiligen Best-in-Class Ansatz, der nur die besten Staaten und Unternehmen basierend auf ihrem Nachhaltigkeitsrating, Finanzrating und ihrer fundamentalen Stärke selektiert.

IM: Wie versuchen Sie „Green Washing“ zu vermeiden?
Waterstraat: Die EU Kommission plant derzeit die Einführung der sogenannten „Green Taxonomy“, also einer verpflichtenden Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Finanzierung von Unternehmensinvestitionen. Bislang ist dies nicht der Fall, so dass sich Unternehmen nachhaltiger darstellen können als sie tatsächlich sind. Wir sehen dies als großes Problem und haben daher verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Green Washing Aktivitäten zu erkennen und die entsprechenden Unternehmen konsequent zu deselektieren. Die notwendige Einhaltung der United Nations Global Compact Prinzipien (UNGCP) ist beispielsweise eines von insgesamt 25 Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene.

Die Ratifizierung der 10 Prinzipien, die sich auf Menschenrechte, Arbeitsnormen, Korruptionsprävention und Umweltschutz beziehen, waren in der Vergangenheit Gegenstand von Green Washing Aktivitäten. Um dem entgegen zu wirken, greifen wir bei der Bewertung der Prinzipien auf unseren unabhängigen Daten-Anbieter MSCI zurück. MSCI ESG Research überprüft nicht nur, ob Unternehmen diese Kriterien grundsätzlich erfüllen, sondern auch ob Verdachtsmomente für eine Nicht-Einhaltung vorliegen. Bereits der Verdacht reicht für uns zur Deselektion des Emittenten aus.

Weiterhin ist zu beobachten, dass Toleranzgrenzen in bestimmten Bereichen wie z.B. Tabak- und Waffenumsätzen teilweise von Unternehmen gezielt marginal unterschritten werden. Da diese öffentlich zugänglich sind, hinterfragen wir die Zahlen im Rahmen des Investmentprozesses aktiv und tauschen uns hierzu eng mit den Emittenten aus.

IM: Verursacht die Berücksichtigung von ESG bei der Analyse von Anleihen nicht zusätzliche Kosten, die zu Lasten der Rendite gehen?
Waterstraat: Trotz zusätzlicher Kosten für ESG-Research ist die Gesamtkostenquote aufgrund unseres rein regelgebundenen Ansatzes vergleichsweise gering.

IM: Müssten traditionelle Rentenfondsmanager im Rahmen ihrer fundamentalen Analysen nicht auch jene Risiken (vor allem Governance, Klage-Risiken, Umweltrisiken) mitberücksichtigen, die ESG-Manager zusätzlich analysieren? Warum dann explizit einen ESG-Fonds auflegen/kaufen?
Waterstraat: Das wäre aus unserer Sicht wünschenswert, ist aber leider nicht immer die Praxis. Traditionelle Rentenfondsmanager fokussieren sich vor allem auf die Finanzkennzahlen und die sich daraus ableitende Sicherheit der Zahlungsströme beziehungsweise die Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten. Wenngleich es zu begrüßen ist, dass die Berücksichtigung von Umwelt, sozialen und sogenannten Governance-Kriterien in den letzten Jahren gewachsen ist, handelt es sich derzeit jedoch nach wie vor um eine Nische in der Finanzbranche.

Ein dezidierter ESG-Fonds kombiniert traditionelle Finanzanalysen mit der Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien, um sich somit von klassischen Ansätzen zu differenzieren. Dies wirkt sich zunehmend positiv auf die kapitalmarktorientierte Refinanzierung und damit auf die Zahlungssicherheit von Staaten und Unternehmen aus.

IM: In wie weit bringt ein ESG-Ansatz bei EMD höhere Renditen als eine klassische EMD-Strategie? Wird die höhere Rendite mit höheren Volatilitäten erkauft? Oder ist es umgekehrt und ESG-EMD-Investoren erhalten eine niedrigere Rendite bei niedrigerer Volatilität? Was zeigen die Backtests?
Waterstraat: Empirische Studien erkennen einen positiven Zusammenhang  zwischen der Berücksichtigung von ESG-Faktoren und der Finanzperformance. Dies soll vor allem für Schwellenländer und Anlageklassen außerhalb von Aktien (u.a. Anleihen) der Fall sein.

Unsere Backtests zeigen ebenfalls, dass die Implementierung von Nachhaltigkeits-Kriterien zu keinem Renditenachteil führen muss, die Volatilität im Vergleich zu einer nicht-nachhaltigen EMD-Benchmark verringert werden kann und somit ein verbesserter risikoadjustierter Ertrag erwirtschaftet werden kann. Dies wird vor allem dadurch erreicht, dass Rücksetzer basierend auf Event-Risiken wie beispielsweise der Türkei-Krise Mitte 2018 vermieden bzw. reduziert  werden können.

IM: Müssten Investoren bei einem strengen ESG-EMD-Ansatz Länder mit wenig nachhaltigen öffentlichen Budgets (z.B: Türkei, Argentinien) oder Menschenrechts-Verstößen (z.B: Südafrika) oder zu wenig Rücksicht auf die Umwelt (div. afrikanische Staaten) nicht ganz aus dem Anlageuniversum nehmen? Weil einige Asset Manager reduzieren nur diese Länder, anstatt einen harten Schnitt zu setzen… - wie sieht das Ihr Haus?
Waterstraat: Wir sind ganz Ihrer Meinung und sprechen uns eindeutig gegen reine Best-in-Class Strategien aus, die kontroverse Emittenten lediglich untergewichten. Der Investmentprozess des Berenberg Sustainable EM Bonds Fonds berücksichtigt daher zusätzlich einen strikten Katalog an Negativkriterien. Um trotzdem ein regional hinreichend diversifiziertes Portfolio zu gewährleisten, haben wir uns dazu entschlossen, nachhaltige Unternehmen beizumischen. Wir differenzieren bei unseren Nachhaltigkeits-Analysen strikt zwischen Ländern und Unternehmen. Dementsprechend können auch Unternehmen welche ihren Firmensitz in einem nicht-nachhaltigen Land besitzen in das Portfolio gelangen, sofern sie den insgesamt 25 notwendigen Nachhaltigkeitskriterien für Unternehmen entsprechen.

IM: Welche Länder bzw. bekannte Benchmark-Unternehmen klassischer EMD-Indizes schaffen aus diesem Grund NICHT in die ESG-EMD-Benchmark bzw. Ihr ESG-EMD-Anlageuniversum?
Waterstraat: Ein medial sehr präsentes Thema in den Emerging Markets stellte dieses Jahr die Türkei dar. Der Staat ist u.a. aufgrund des Friedensstatus sowie mangelnder politischer Rechte und bürgerlicher Freiheiten aus unserem Portfolio ausgeschlossen. China, das wirtschaftlich einflussreichste Land in den Emerging Markets, ist aufgrund von Atomwaffen und der praktizierten Todesstrafe ebenfalls nicht im Portfolio enthalten.

IM: Beraubt sich der Fonds durch Ausschluss von Ländern wie Russland, Türkei, Venezuela, die Elfenbeinküste oder Nigeria aber nicht auch eines Renditepotenzials?
Waterstraat: Aufgrund unserer strikten Differenzierung zwischen Ländern und Unternehmen haben nachhaltige Unternehmen aus diesen nicht-nachhaltigen Ländern trotzdem die Möglichkeit sich für unser Portfolio zu qualifizieren. Insgesamt reduziert die konsequente Deselektion von nicht-ESG-konformen Ländern bzw. Unternehmen Eventrisiken deutlich und stabilisiert die Performancecharakteristik signifikant. Dies lässt sich bereits seit Auflage des Berenberg Sustainable EM Bonds Fonds am 31.01.2018 spürbar erkennen.

IM: Wird danken für das Interview (aa)

 

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