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ESG-Investing: Sind ETFs Teil der Lösung oder des Problems?

Oft werden ETFs, die sich als nachhaltiges Investment bezeichnen, dafür kritisiert, dass sie lediglich einen Index abbilden, unabhängig vom ESG-Profil der darin enthaltenen Unternehmen. Lipper-Experte Detlef Glow glaubt, das sei zu kurz gedacht, weil die Dynamik der ETF-Provider unterschätzt werde.

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Auch für ETF-Promoter beinhaltet Veränderung eine Chance.

Engagement wird als einer der Schlüssel für die erfolgreiche Implementierung und Umsetzung einer ESG-Strategie innerhalb eines Portfolios gesehen, leitet Detlef Glow, Head of EMEA Research beim Analysedienst Refinitiv Lipper, seine Betrachtungen über die Vereinbarkeit von ESG und ETFs ein. Denn Engagement ermögliche es dem Portfoliomanager, mit der Geschäftsleitung eines Unternehmens in Kontakt zu treten und ihr und den Anlegern über die Stimmabgabe bei Aktionärsversammlungen eine Stimme zu geben.

"ETFs werden in diesem Zusammenhang oft dafür kritisiert, dass sie bei diesen wichtigen Aufgaben versagen, da sie passive Instrumente sind, die einem Index folgen und ihr Kapital auf alle Konstituenten eines Referenzindex aufteilen, unabhängig von deren ESG-Profilen", so Glow. "Gleichzeitig können sie sich nicht von einem Unternehmen trennen, solange es Bestandteil eines Benchmark-Index ist." Außerdem werde oft behauptet, dass der Manager von passiven Produkten keine Stimmrechte ausübe, da er per Definition keine Meinung zu den Unternehmen selbst habe.

Die besondere Dynamik des ETF-Ökosystems
"Wenn alle diese Argumente stimmen würden, würde ich den Kritikern zustimmen und behaupten, dass ETFs eher Teil des Problems als der Lösung sind", so Glow. "Allerdings sind die Dinge nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick aussehen mögen." Das gelte insbesondere für die oben ausgeführte Kritik, die zwar logisch erscheine, aber die Dynamik des ETF-Ökosystems nicht berücksichtige. Offensichtlich sei es richtig, dass ETFs die Konstituenten ihrer zugrundeliegenden Indizes kaufen. Daher müsse der ETF-Promoter sicherstellen, dass der jeweilige Index nach den Kriterien konstruiert sei, die er im ETF abbilden möchte.

"Wenn ein ETF den Anspruch erhebt, zum Beispiel in einen bestimmten Markt ohne jegliche Exposition gegenüber fossilen Brennstoffen und Energie zu investieren, muss der Promoter sicherstellen, dass diese Forderung durch den Index erfüllt wird, den er für den ETF auswählt", fordert Glow. "Wenn die zur Verfügung stehenden Auswahlmöglichkeiten die Anforderungen eines ETF-Promoters nicht erfüllen, kann er auch Indizes nach seinen eigenen, sehr spezifischen Kriterien erstellen lassen."

Die Flexibilität eines ETF-Promoters
Bei diesen Indizes könne es sich um hauseigene Lösungen handeln oder um Indizes, die auf der Methodik des jeweiligen Indexpromoters basieren. "Im Ergebnis können die jeweiligen ETFs in Unternehmen investieren, die die vom ETF-Promoter festgelegten ESG-Kriterien erfüllen", so Glow. "Und wenn sie die Kriterien nicht mehr erfüllen, kann der ETF-Promoter sie aus den jeweiligen Indizes entfernen."

Aber selbst wenn man in Unternehmen investiere, die vorgegebene ESG-Kriterien erfüllen, könnte sich herausstellen, dass einige der Geschäftsbereiche dieser Unternehmen hinsichtlich ihrer ESG-Bewertung besser abschneiden könnten. In diesen Fällen würde der Manager eines aktiven Fonds auf die Geschäftsleitung des jeweiligen Unternehmens einwirken, um sie davon zu überzeugen, die Richtlinien für die fraglichen Geschäftsbereiche zu ändern.

Eine Aufgabe für das ETF-Führungsteam
"Wie bereits erwähnt, haben Manager von passiven Produkten keine dezidierten Einschätzungen zu den Unternehmen, die von ihren Fonds gehalten werden, und werden daher nicht auf das Management der Unternehmen in ihren Portfolios zugehen", stellt Glow fest. Doch auch wenn der einzelne Manager sich nicht an die Leitungsebene dieser Unternehmen wenden dürfe, das zuständige Mitglied des Führungsteams des ETF-Promotors könne dies tun.

"Wenn sie sich bei den Aktionärsversammlungen Gehör verschaffen wollen, können die ETF-Manager Abstimmungspools und/oder ihre Kollegen aus dem aktiven Teil des Geschäfts nutzen, um ihre Stimmen geltend zu machen", so Glow. "Zumal eine Reihe von ETF-Promotoren zu Vermögensverwaltern gehören, die sowohl aktive als auch passive Produkte anbieten."

Steht ein Strategie-Wechsel an?
Daraus lasse sich schließen, dass ESG-ETFs eher Teil der Lösung als des Problems seien. "Ich formuliere hier etwas vorsichtig, da es davon abhängt, wie ernst es dem jeweiligen ETF-Promoter mit der Umsetzung der oben genannten Aktionspunkte ist", relativiert Glow. Bisher lasse sich feststellen, dass einige ETF-Promoter es ziemlich ernst meinen und sich sehr stark engagieren, um ihren Anlegern nachhaltige Lösungen zu bieten. Allerdings gebe es auch andere Anbieter, die allenfalls als mittelmäßig zu bezeichnende Ansätze anstreben, die Anlegern auf der Suche nach nachhaltigen Anlagelösungen einen nur begrenzten Mehrwert bieten würden.

ETFs seien im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds hochtransparente Produkte, won daher seien die Unterschiede zwischen den entsprechenden Produkten und Promotoren leicht zu erkennen, schlussfolgert Glow. Dadurch könnten Anleger durchaus fundierte Entscheidungen treffen. "Da diese Entscheidungen möglicherweise nicht zu Gunsten von ETF-Promotern ausfallen, die keinen Mehrwert in Bezug auf die Nachhaltigkeit in den Portfolios der Investoren liefern", blickt Glow nach vorn, "könnten wir in Zukunft eine Strategie-Änderung bei diesen ETF-Promotern erleben." (hh)


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Die genaue Frage und die fünf Antwortmöglichkeiten finden Sie auf unserer Startseite oder Sie kommen per HIER per DIREKTLINK zur Umfrage. (aa)

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