Bund plant 100-Milliarden-Fonds für Energie und Rüstung, sucht Anleger
Die deutsche Bundesregierung will mit dem Deutschlandfonds ein 100-Milliarden-Euro-Vehikel auflegen, das Investments in Infrastruktur und Rüstungsunternehmen tätigen soll. Zukünftig könnten auch Gelder in die Schaffung von Wohnraum fließen.

Die Bundesregierung bereitet die Einrichtung eines 100 Milliarden Euro schweren Investitionsfonds vor, um Schlüsselbereiche wie Verteidigung, Energieversorgung und kritische Rohstoffe zu stärken. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.
Großanleger gesucht
Der geplante “Deutschlandfonds” soll gezielt internationale Investoren wie Risikokapitalgeber und Family Offices anziehen, um mit privaten Geldern staatliche Mittel zu hebeln. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums soll der Fonds zunächst mit mindestens zehn Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln starten. Das angestrebte Gesamtvolumen beläuft sich auf das Zehnfache.
Der Deutschlandfonds werde in Zusammenarbeit mit privaten deutschen und europäischen Investoren für Investitionen in Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit eingesetzt, erklärte das Ministerium auf Anfrage von Bloomberg. Um große Herausforderungen zu bewältigen, sei privates Kapital ein wichtiger Hebel.
Mehr Geld soll es richten...
Das Vorhaben ist ein zentrales Projekt der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz, um die nach zwei Jahren Konjunkturflaute stagnierende Wirtschaft wiederzubeleben. Gleichzeitig reagiert Berlin damit auf verschärfte geopolitische Risiken - unter anderem durch den russischen Angriff auf die Ukraine, US-Handelskonflikte unter Donald Trump sowie Chinas zunehmend aggressive Außenpolitik.
Die genaue Herkunft der staatlichen Mittel ist laut Ministerium Gegenstand laufender Gespräche mit dem Bundesfinanzministerium und der staatlichen Förderbank KfW. Aussagen zur Struktur, Strategie oder zum Zeitplan des Fonds wurden bislang nicht gemacht.
Dem Vernehmen nach soll der Startschuss im September oder Oktober erfolgen - nach der Sommerpause des Bundestags. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat dem Projekt bereits zugestimmt.
Weitere Anlageziele wie Wohnbau?
Ob der Fonds perspektivisch auch in den Bau bezahlbaren Wohnraums investieren wird, ist noch offen - das Thema gilt als besonders sensibel in vielen deutschen Großstädten. Eine spätere Ausweitung des Fonds wird nicht ausgeschlossen.
Ein unter der früheren Regierung von Kanzler Olaf Scholz aufgelegter Rohstofffonds, der Investitionen in strategische Bergbauprojekte im In- und Ausland vorsah, soll in die neue Struktur überführt werden, hieß es weiter.
Investments in Energieinfrastruktur und Rüstungsunternehmen
Ein Schwerpunkt des Deutschlandfonds dürfte auf der Energieinfrastruktur liegen. Der Staat hält bereits Anteile an den Netzbetreibern 50Hertz und TransnetBW und prüft den Erwerb deutscher Aktivitäten des niederländischen Versorgers Tennet sowie von Anteilen am Dortmunder Energieversorger Amprion. Ziel ist eine stärkere staatliche Kontrolle über das Stromübertragungsnetz.
Auch in der Rüstungsindustrie werden Beteiligungen geprüft. Dazu gehören Gespräche über eine Sperrminorität am französisch-deutschen Rüstungskonzern KNDS sowie mögliche Anteile an der U-Boot-Sparte von ThyssenKrupp. Frühphasen-Investitionen in Startups aus dem Verteidigungsbereich sind ebenfalls vorgesehen.
Darüber hinaus soll der Deutschlandfonds die nationalen Kapitalmärkte beleben. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen finden bislang kaum Investoren für risikoreichere Projekte.
Hybrid
Der Fonds ist daher als Hybrid zwischen klassischen staatlichen Subventionen und marktorientiertem Risikokapital konzipiert – mit staatlichem Vertrauensbonus als Türöffner für privates Kapital.
Trotz politischer Differenzen zwischen CDU/CSU und SPD gilt die Finanzierung als gesichert. Die Koalition hat kürzlich ein 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturpaket verabschiedet. Zudem gelten staatliche Beteiligungen rechtlich als Finanztransaktionen und fallen somit nicht unter die Schuldenbremse.
Mit dem Deutschlandfonds setzt die Bundesregierung ein zentrales Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um. Für die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, ehemals Managerin beim Energiekonzern Eon, ist es das erste große Prestigeprojekt im Amt. (aa)