Anleger wollen raus: Private-Equity-Fonds führt Auszahlungsgrenze ein
Der Rücknahme-Druck auf Fonds für private Märkte nimmt zu. Nun begrenzt auch die Partners Group Auszahlungen aus einem milliardenschweren Evergreen-Fonds und verweist auf eine deutliche Zunahme von Rücknahme-Anträgen.
Eckpunkte:
- Beim "Global Value SICAV-Fonds" werden Rücknahmen auf fünf Prozent des Nettoinventarwerts pro Quartal begrenzt
- Der beliebte Fonds hatte zuletzt ein Volumen von ca. 8,6 Milliarden Dollar
Verkaufswelle zieht Kreise
Die Partners Group begrenzt Auszahlungen aus einem ihrer Evergreen-Private-Equity-Fonds angesichts des zunehmenden Rücknahme-Drucks. Die Unsicherheit der Anleger, die zuletzt Private-Credit-Fonds belastete, scheint nun auch auf andere Anlageklassen im Bereich der privaten Märkte überzugreifen.
Der Schweizer Vermögensverwalter, einer der größten börsennotierten Anbieter alternativer Anlagen in Europa, teilte mit, dass sein 8,6 Milliarden Dollar schwerer "Global Value SICAV-Fonds" Rücknahmen auf fünf Prozent des Nettoinventarwerts pro Quartal begrenzt. Hintergrund sei ein Anstieg der Rücknahme-Anträge auf geschätzte 9,8 Prozent im zweiten Quartal, wie aus einem Schreiben an Anleger hervorgeht, das "Bloomberg News" vorliegt.
Mehr Rücknahme-Anträge von Privatanlegern
Über das gesamte Evergreen-Portfolio hinweg habe die Zahl der Rücknahme-Anträge von Privatkunden zugenommen, sagte ein Sprecher der Partners Group. Diese Anlegergruppe, die in der Regel deutlich nervöser reagiere als institutionelle Investoren, stehe für rund ein Fünftel der verwalteten Vermögen des Unternehmens und stelle einen besonders großen Anteil der Anlegerbasis des Global-Value-Fonds.
Die Partners Group zählt zu den Pionieren von Evergreen-Fonds. Diese Vehikel haben keine feste Laufzeit und ermöglichen Anlegern typischerweise, zumindest einen Teil ihrer Investitionen quartalsweise zurückzuziehen, anstatt das Kapital über einen festgelegten Zeitraum zu binden.
Volatilität greift auf Private Equity über
Die Rücknahmen stellen die jüngste Herausforderung für die Partners Group dar. Das Unternehmen hatte vor wenigen Wochen Vorwürfe des Leerverkäufers Grizzly Research zurückgewiesen, wonach Vermögenswerte systematisch zu hoch bewertet worden seien.
Makroökonomische Veränderungen und geopolitische Konflikte hätten die privaten Märkte in den vergangenen Jahren belastet. Die branchenweite Volatilität, die zunächst bei privaten Kreditfonds zu beobachten gewesen sei, greife inzwischen auf Private Equity über, schrieb die Partners Group an die Anleger. "Diese Kapitalflussdynamiken haben sich zuletzt beschleunigt" und den Fonds belastet, hieß es weiter.
Private-Credit-Fonds standen in den letzten Monaten verstärkt im Fokus. Sie verzeichneten erhebliche Mittelabflüsse angesichts allgemeiner Sorgen über die Qualität von Schuldtiteln sowie wachsender Bedenken, dass viele Fonds übermäßig stark in Softwareunternehmen investiert seien, die durch künstliche Intelligenz unter Druck geraten könnten. Zu den großen Vermögensverwaltern, die zuletzt Rücknahmen begrenzten, zählen Apollo Global Management, KKR, Blackrock und Blue Owl Capital.
Fonds bleibt für Neuanlagen geöffnet
Die Partners Group erklärte in dem Schreiben, man sei der Auffassung, dass Rücknahme-Beschränkungen "ein unverzichtbares Merkmal von Private-Markets-Investitionen sind, um langfristige Anleger in einer naturgemäß illiquiden Anlageklasse zu schützen". Weiter hieß es: "Im besten Interesse aller Anleger eines Evergreen-Fonds zu handeln, bedeutet, die Bedürfnisse jener auszubalancieren, die Liquidität suchen, während gleichzeitig das Anlagekapital für langfristige Investoren erhalten bleibt, die Marktchancen nutzen wollen."
Die Begrenzung der Rücknahmen erfolgt, obwohl die Liquidität des Fonds bei rund 15 Prozent des Nettoinventarwerts liegt. "Darüber hinaus verfügt der Fonds über eine ungenutzte Kreditlinie in Höhe von 15 Prozent der Fondsgröße", heißt es in dem Schreiben.
Der 19 Jahre alte Fonds, der zuletzt während der Pandemie Liquiditätsbeschränkungen eingeführt hatte, bleibt für Neuzeichnungen geöffnet. Für das Gesamtjahr werden Ausschüttungen von 15 Prozent erwartet, ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr, teilte das Unternehmen mit.
Aktie seit Jahresbeginn im Minus
Die Aktien des Vermögensverwalters, der rund 185 Milliarden Dollar in den Bereichen Private Equity, Kredit, Immobilien, Infrastruktur und Lizenzrechte verwaltet, haben seit Jahresbeginn im zweistelligen Prozentpunktebereich an Wert verloren. Nach Angaben des Sprechers verwaltet die Partners Group mehr als 30 Evergreen-Fonds in fünf Anlageklassen mit einem kombinierten Vermögen von über 56 Milliarden Dollar.
Im April erklärte das Unternehmen zudem, es habe im ersten Quartal eine "positive Dynamik bei der Kapitalbeschaffung" für seine Private-Markets-Strategien verzeichnet, und versuchte damit, sich von den zunehmenden Sorgen um den Zustand des Marktes für private Kredite abzugrenzen. (mb/Bloomberg)


