13F-Daten unter der Lupe: Hier kaufen die echten Profis zu
Maik Komoss, Managing Partner und Portfoliomanager des Vates Aktien USA bei Vates Invest, untersucht sektorübergreifend die Pflichtmeldungen professioneller Investoren an die SEC. Denn diese verraten die derzeitigen Favoriten der US-Investmentelite.

Eckpunkte:
- Der Portfoliomanager des Fonds Vates Aktien USA untersucht, wohin das Smart Money fließt.
- Grundlage sind die 13F-Daten an die SEC
- Ausgewählte Software-Aktien gewinnen wieder an Beliebtheit
- SpaceX-Aktien aus der zweiten Reihe werden gekauft, aber auch Krankenversicherer
Die aktuellen 13F-Filings der institutionellen Investoren zeichnen laut Maik Komoss, Managing Partner und Portfoliomanager des Vates Aktien USA, erneut ein bemerkenswert differenziertes Bild darüber, wie professionelles Kapital in einem Markt allokiert wird. Zwar sind die Meldungen naturgemäß rückblickend, doch wiederkehrende Muster über mehrere Quartale hinweg offenbaren, wo die einflussreichsten Fondsmanager langfristige Chancen wittern. "Die jüngsten Daten deuten dabei auf mehrere Trends hin: den fortgesetzten KI-Infrastrukturboom, eine Rehabilitierung ehemals abgestrafter Wachstumssegmente wie z.B. Software sowie gezielte Turnaround-Wetten in zyklischen und defensiven Branchen", schreibt Komoss in einer aktuellen Analyse.
SpaceX-Fantasie aus der zweiten Reihe
Besonders auffällig erscheint das wiederkehrende institutionelle Interesse an Unternehmen mit indirektem SpaceX-Exposure. Im Fokus steht dabei EchoStar, das von mehreren Investoren zunehmend weniger als klassischer Satellitenbetreiber, sondern vielmehr als potenzieller Profiteur eines künftigen SpaceX-Börsengangs betrachtet wird.
Komossn nennt die Investmentlogik: Nicht der kurzfristige operative Ausblick steht im Vordergrund, sondern die Möglichkeit eines asymmetrischen Bewertungshebels. Sollte SpaceX tatsächlich einen erfolgreichen Börsengang realisieren, könnten Beteiligungen und strategische Beziehungen innerhalb des Space-Ökosystems neu bewertet werden.
Die Rückkehr der SaaS-Werte – war die Panik übertrieben?
Es ist nicht lange her, da galt der Software-Sektor beinahe als uninvestierbar, erinnert Komoss. Die Furcht vor Disruption durch den Einsatz künstlicher Intelligenz sorgte für kollabierende Bewertungsmultiplikatoren. Anleger warfen selbst Qualitätsunternehmen aus den Depots. Die aktuellen 13F-Daten legen Komoss zufolge jedoch nahe, dass institutionelle Investoren diese Phase inzwischen zunehmend als Übertreibung interpretieren.
Besonders bei Unity Software und AppLovin Corp griffen professionelle Investoren zuletzt wieder zu. AppLovin überzeugt viele Top-Investoren mit seiner KI-gestützten Werbeplattform, die erhebliche Effizienzvorteile erzeugt.
Unity wiederum hat durch den strategischen Ausstieg aus margenschwachen Alt-Geschäften und den Fokus auf seine KI-gestützte Werbeplattform „Unity Vector“ die Profitabilität und das operative Wachstum deutlich gesteigert. "Das Smart Money scheint hier auf eine Neubewertung profitabler Wachstumsplattformen zu setzen", merkt Komoss an.
KI-Hardware: Der Milliardenzyklus läuft weiter
Ein anhaltender Trend in den Filings bleibt die Künstliche Intelligenz. Top-Investoren konzentrieren sich Komoss zufolge längst nicht mehr ausschließlich auf offensichtliche Gewinner wie GPU-Hersteller, sondern positionieren sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Zukäufe bei Taiwan Semiconductor, Broadcom, Micron Technology, Hewlett Packard Enterprise und STMicroelectronics verdeutlichen diese Strategie.
- Taiwan Semiconductor bleibt als Auftragsfertiger praktisch alternativlos für modernste Chips.
- Broadcom profitiert massiv von Netzwerkinfrastruktur für Rechenzentren.
- Micron wird zum direkten Gewinner des Booms um Hochgeschwindigkeits-Speicher, die für KI-Systeme essenziell sind.
- Hewlett Packard Enterprise wiederum wird zunehmend als unterschätzter Infrastrukturgewinner wahrgenommen, da Unternehmen eigene KI-Rechenzentren aufbauen.
- STMicroelectronics ergänzt das Bild auf europäischer Ebene – insbesondere mit Blick auf Leistungshalbleiter und industrielle Automatisierung.
Bemerkenswert ist laut Komoss vor allem die Breite der Käufe: "Sie signalisiert, dass institutionelle Anleger KI nicht als kurzfristigen Hype verstehen, sondern als mehrjährigen Investitionszyklus mit enormem Kapitalbedarf."
Krankenversicherer: Politischer Gegenwind schafft Chancen
Weniger spektakulär, aber nicht minder interessant, erscheinen die Zukäufe im Gesundheitssektor. Nach anderthalb Jahren regulatorischer Sorgen und politischer Unsicherheiten rund um Erstattungssysteme scheinen institutionelle Anleger wieder Mut zu fassen. Besonders UnitedHealth Group und Humana standen auf den Einkaufslisten.
Die Investmentthese folgt einem klassischen Muster: Hochwertige Geschäftsmodelle geraten politisch unter Druck, werden abverkauft und kehren irgendwann zu ihrer fundamentalen Stärke zurück. Beide Unternehmen verfügen über enorme Skaleneffekte, wiederkehrende Cashflows und erhebliche Markteintrittsbarrieren. Sollte sich der regulatorische Nebel lichten, könnte eine Neubewertung einsetzen.
Softdrinks statt Soft Landing
Auch im Getränkesektor lassen sich interessante Signale erkennen. Jahrelang litten viele Softdrink- und Beverage-Aktien unter Wachstumszweifeln und Konsumsorgen. Nun greifen institutionelle Investoren selektiv wieder zu – unter anderem bei Keurig Dr Pepper und Celsius Holdings.
Dabei stehen zwei unterschiedliche Investmentlogiken nebeneinander: Das Getränkekonglomerat Keurig Dr Pepper überzeugt als defensiver Cashflow-Lieferant mit starker Markenbasis und attraktiver Preisgestaltungsmacht.
Celsius dagegen repräsentiert eine klassische Wachstumsstory im boomenden Markt für funktionale Getränke (u.a. Energy Drinks, Fitness, Wellness).
Zykliker melden sich zurück
Im konjunktursensiblen Bereich fällt vor allem Carvana auf. Nach massiven Turbulenzen und existenziellen Sorgen scheint das Unternehmen für einige Investoren wieder investierbar zu werden. Die Hoffnung: sinkende Finanzierungskosten, operative Restrukturierung und eine Stabilisierung des Gebrauchtwagenmarkts könnten den Turnaround beschleunigen.
Auch Somnigroup International (weltgrößter Matratzenkonzern) taucht verstärkt in Portfolios auf – ein Hinweis darauf, dass institutionelle Anleger zunehmend nach zyklischen Qualitätsunternehmen suchen, die überproportional von einer Konjunkturstabilisierung profitieren könnten.
Energie, Strom und Diagnostik: Die stillen Gewinner
Ergänzt wird das Bild laut Komoss durch gezielte Käufe bei Suncor Energy, PG&E Corporation und Natera.
Der integrierte Öl- und Energiekonzern Suncor steht für robuste Einnahmen in einem Markt, der den langfristigen Ölbedarf womöglich unterschätzt.
PG&E (US-amerikanischer Energieversorger) wird zunehmend als defensiver Infrastrukturwert mit regulierten Erträgen betrachtet.
Natera wiederum bleibt eine Wette auf die Zukunft der Präzisionsmedizin – ein Bereich, der strukturell wachsen dürfte, unabhängig vom Konjunkturzyklus.
Fazit: Keine Flucht in Sicherheit – sondern selektive Offensive
KI bleibt ein wichtiger Trend, SaaS erlebt ein Comeback, Healthcare wird neu bewertet und zyklische Titel kehren langsam zurück auf den Radar der Profis. "Der rote Faden dabei: Top-Investoren suchen neben starken fundamentalen Trends auch antizyklische Situationen, in denen der Markt Risiken überzeichnet und Chancen unterschätzt. Genau dort entsteht langfristig Alpha", erklärt Komoss abschließend. (aa)


