Zunehmende Dispersion erfordert anderes Stockpicking
KI und geopolitische Umbrüche verstärken die Unterschiede zwischen Unternehmen. Davon profitiert der Ansatz zur Aktienselektion von PineBridge: Firmen werden nach ihrem Lebenszyklus, nicht nach Sektoren analysiert, erklärt Portfoliomanager Rob Hinchliffe im Interview mit Institutional Money.

Kernpunkte:
- Wachstumsstadium und Konjunkturempfindlichkeit sind bessere Kriterien als Branchen
- LCR-Modell soll Fehlbewertungen und Wendepunkte früh erkennen
- Stärken des Verfahrens zeigen sich gerade im aktuellen Makroumfeld
Die klassischen Sektorgrenzen verlieren nach Einschätzung von PineBridge Investments in einer von Künstlicher Intelligenz, Disruption und raschem Strukturwandel geprägten Wirtschaft zunehmend an Aussagekraft. Der Asset Manager setzt deshalb bei der globalen Aktienselektion auf ein eigenes „Lifecycle Categorization Research“-Modell (LCR), das Unternehmen nach Wachstumsstadium und Konjunktursensitivität einordnet und nicht nach Branchenzugehörigkeit. Ziel ist es, Fehlbewertungen und Wendepunkte im Geschäftsmodell frühzeitig zu identifizieren.
„In einem globalen Aktienuniversum mit über 10.000 Titeln besteht die Herausforderung für aktive Fondsmanager darin, aus einer überwältigenden Vielzahl von Chancen das echte Alpha herauszufiltern“, sagt Rob Hinchliffe, Portfolio Manager und Head of Global Sector Cluster Research bei PineBridge Investments. Der traditionelle Blick auf Sektoren greife dabei oft zu kurz: „Herkömmliche Sektoreinteilungen verdecken oft grundlegende Unterschiede zwischen Unternehmen.“
Als Beispiel nennt PineBridge Autobauer wie Toyota und Tesla: Beide würden zwar derselben Branche zugerechnet, befänden sich aber in völlig unterschiedlichen Wachstums- und Bewertungsphasen. „Zwei Unternehmen desselben Sektors können völlig unterschiedliche Wachstumskurven und Bewertungsprofile aufweisen“, so Hinchliffe.
Gleiches mit Gleichem vergleichen
Das LCR-Modell teilt Unternehmen in Kategorien wie „High Stable Growth“, „High Cyclical Growth“, „Mature Stable“ oder „Mature Cyclical“ ein. Bewertet werden dabei unter anderem Umsatz- und Gewinnwachstum, Konjunkturabhängigkeit sowie Sensitivität gegenüber Marktzyklen. „Unser Research-Rahmen zur Lebenszykluskategorisierung ermöglicht es uns, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, wobei wir auf jede Kategorie zugeschnittene Bewertungsmethoden anwenden“, erklärt Hinchliffe.
Besonders interessant seien Übergangsphasen entlang der Unternehmensentwicklung. „Der Markt übersieht oft wichtige geschäftliche Wendepunkte – und genau dort ergeben sich Chancen aufgrund von Fehlbewertungen“, sagt Hinchliffe. Die besten Investmentideen entstünden aus der Vorhersage, wie sich Unternehmen über die Zeit verändern. „Wir konzentrieren uns insbesondere darauf, Übergänge entlang der Lebenszykluskurve zu identifizieren, an denen es zu einer Neubewertung kommen kann.“
PineBridge sieht gerade im aktuellen Marktumfeld Vorteile für aktive Stock Picker. Nach Jahren starker Makrodominanz kehrten die Märkte zunehmend zu unternehmensspezifischen Fundamentaldaten zurück. „Die Märkte verlagern sich von makroökonomisch getriebenen Narrativen zurück zu den Fundamentaldaten der Unternehmen, was Chancen für Stock Picker schafft“, so Hinchliffe. Gleichzeitig nehme die Bewertungsstreuung zwischen Unternehmen zu. „Phasen des strukturellen Wandels führen tendenziell zu einer größeren Streuung der Bewertungen und zu Fehlbewertungen zwischen den Unternehmen.“
Traditionelle Branchenkategorien verlieren an Bedeutung
Als zentralen Treiber dieses Strukturwandels nennt PineBridge Künstliche Intelligenz. „Künstliche Intelligenz beschleunigt den Wandel der Geschäftsmodelle und macht die Lebenszyklusanalyse relevanter denn je“, sagt Hinchliffe. Traditionelle Branchenbezeichnungen verlören dadurch weiter an Bedeutung. „Alpha entsteht heute durch das Verständnis, wie sich Unternehmen verändern, und nicht dadurch, wo sie innerhalb einer Branche stehen.“
Der Lifecycle-Ansatz dient laut PineBridge allerdings nicht nur der Alpha-Generierung, sondern auch der Risikosteuerung. Ziel sei es, aktive Aktienselektion mit kontrollierten Faktor- und Makrorisiken zu kombinieren. „Der Lebenszyklus-Rahmen ist nicht nur ein Instrument zur Erzielung von Alpha, sondern auch ein disziplinierter Ansatz zur Steuerung des Portfoliorisikos“, betont Hinchliffe.
Performance ist Betrachtungssache
Der Flaggschiff-Fonds des Unternehmens, der von Hinchliffe gemanagte PineBridge Global Focus Equity Fund, investiert in internationale Aktien mit derzeit besonderem Fokus auf Industrie- und IT-Werte. Seine Benchmark, den MSCI All Country World Index, hat er auf Sicht von fünf Jahren übertroffen; während der Index annualisiert 9,5 Prozent zulegte, schaffte der Fonds 10,2 Prozent. Seit Auflage Anfang 1999 weist die Strategie, trotz zwischenzeitlicher Outperformance, eine minimale Underperformance von 0,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vergleichsindex auf. (dv)


