Zu viel Sonne wirft einen Schatten auf die Erträge von Solarparks
Ein sonniger Frühling in großen Teilen Europas drückt Europas Solarerträge auf ein Rekordtief. Das ist dem massiven Solarausbau der letzten Jahre sowie einer sinkenden Solar Capture Rate (“Erfassungsquote”) geschuldet und könnte am Ende viele ambitionierte Projekte in die roten Zahlen stürzen.

Die Erträge der europäischen Solarparks sind auf ein Rekordtief gesunken. Angesichts dessen wächst die Sorge vor stärker fallenden Preisen, je mehr die Branche expandiert. Das berichtet Bloomberg News.
Wie Daten der London Stock Exchange Group zeigen, sind die Zahlen am deutlichsten in Spanien gefallen. Dort lag die sogenannte "Solar Capture Rate" (Erfassungsquote; dabei wird grob gesprochen der Strompreis eines Solarparks mit dem Durchschnittspreis auf dem Großhandelsmarkt verglichen) - ein wichtiger Maßstab für die Rentabilität von Anlagen für erneuerbare Energien - in diesem Monat bisher bei durchschnittlich nur sieben Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 43 Prozent.
Höheres Angebot, niedrigere Preise
Die Solarsaison in Europa wird länger und intensiver – nicht zuletzt durch neue Kapazitäten. Mit jeder neuen Anlage wächst Europas Sonnenkraft, die das Netz mit Strom fluten. Das drückt die Erträge der Stromerzeuger und verunsichert Investoren. Besonders betroffen sind Spanien und Frankreich, wo der Himmel in diesem Frühjahr wochenlang wolkenlos blieb.
“Der größte Risikofaktor für den Ausbau erneuerbarer Energien ist die sinkende Rentabilität im Solarbereich”, sagte Nathalie Gerl, leitende Energieanalystin bei LSEG. “Niedrigere Erfassungsquoten untergraben die Wirtschaftlichkeit der Solarenergie und gefährden die politischen Solarziele.“
Laut BloombergNEF ist die Solarenergiekapazität in Spanien auf über 50 Gigawatt gestiegen, sechsmal so viel wie vor zehn Jahren. Das rasante Wachstum spiegelt einen allgemeinen Trend in Europa wider, der unter anderem auf stark gesunkene Solarmodul-Kosten zurückzuführen ist.
In Frankreich - wo die Erfassungsquote mit 13 Prozent einen Rekordtiefstand erreicht hat - hat sich die Kapazität in diesem Zeitraum fast verfünffacht.
Negative Strompreise
Wenn die Stromerzeugung den Bedarf übersteigt, entsteht ein Problem, da die Menge der an die Netze angeschlossenen Batterien noch nicht mit dem Boom der erneuerbaren Energien Schritt halten kann. Da die steigende Produktion nicht gespeichert werden kann, führt das Überangebot zu einem Einbruch der Strompreise – manchmal sogar unter null.
Die Erfassungsquote ist in Spanien und Frankreich niedriger als in Deutschland, wo die Preise höher sind und die Quote über 30 Prozent liegt.
Die Erfassungsquote Spaniens ist die niedrigste in Europa und wäre noch niedriger, wenn die Solarparks in diesem Monat ihre Produktion nicht gedrosselt hätten. Diese Umstellung fiel mit einer Erhöhung der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken zusammen, um das Netz nach einem landesweiten Stromausfall im April zu stabilisieren. (aa)
Zu viel Sonne wirft einen Schatten auf die Erträge


