Zoll-Deal: Das sagen zehn Experten dazu
Die EU und die USA haben sich auf ein Handelsabkommen geeinigt. Allerdings nur im Grundsatz, viele Detailfragen sind offen. Wie kommentieren Experten die Entwicklung? Wir haben die wichtigsten Stimmen für Sie zusammengestellt.
Die Erleichterung in Berlin war zunächst groß, als US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Sonntag (27.7.) eine Einigung im Zollstreit verkündeten. Neben Investitionszusagen der EU in Höhe von 1,35 Billionen US-Dollar ist der zentrale Punkt des Deals ein pauschaler Zollsatz von 15 Prozent auf nahezu alle Exporte in die USA.
Die Gefahr eines unkontrollierten Handelskriegs mit immer höheren Zöllen und Gegenzöllen ist damit vorerst gebannt. Es sei gelungen, "einen Handelskonflikt abzuwenden, der die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen hätte", so Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Doch am Tag danach wenden einige Beobachter ein, dass das Abkommen kaum als fairer Kompromiss betrachtet werden könne. Schließlich müssten die Europäer fortan pauschale US-Zölle von 15 Prozent hinnehmen, während sich Trump über "zero tariffs" für US-Exporte nach Europa freut. Viele Punkte sind zudem noch unklar. Ein Regierungssprecher sprach am Montag (28.7.) davon, dass die Details noch ausgehandelt werden müssten.
"Jederzeit neue Runde"
Die großen börsennotierten Firmen mögen vielleicht Ausweichmöglichkeiten auf anderen Märkten finden, doch für mittelständische Unternehmen komme zu den hiesigen Standortproblemen nun auch noch ein außenwirtschaftlicher Gegenwind hinzu, warnte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Und auch die vermeintliche Planungssicherheit ist auf den zweiten Blick wohl relativ. "Machen wir uns nichts vor: Solange Donald Trump US-Präsident ist, kann jederzeit eine neue Runde im Poker um nationale Interessen losgetreten werden", sagte Kater.
Ifo-Chef Clemens Fuest fand deutliche Worte. "Der asymmetrische Handels-Deal ist eine Demütigung für die EU, aber sie reflektiert die realen Machtverhältnisse", schrieb er in einem Beitrag auf Linkedin. Wer wirtschaftlich zurückfalle und die Sicherheit seiner Bürger ohne die USA nicht schützen könne, dürfe sich darüber nicht wundern. (Bloomberg/ohm)
Wie kommentieren Ökonomen, Portfoliomanager und Anlagestrategen den Zoll-Deal zwischen der EU und den USA? In der Bilderstrecke oben hat unsere Redaktin zentrale Aussagen aus ausgewählten Einschätzungen für Sie zusammengetragen. Einfach durchklicken!