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ZEW: Konjunkturerwartungen drehen ins Plus – Lage bleibt schwach

Die Stimmung unter Finanzmarktexperten hat sich im Juni deutlich aufgehellt. Der ZEW-Erwartungsindex für Deutschland steigt um 20,7 Punkte auf 10,5 Zähler und liegt damit erstmals seit Monaten wieder im positiven Bereich. Die aktuelle Wirtschaftslage wird dagegen nochmals schlechter bewertet.

ZEW: "Die Schere zwischen aufgehellten Zukunftserwartungen und einer weiterhin schwachen Gegenwartsbeurteilung bleibt das prägende Merkmal des Juni-Ergebnisses."
ZEW: "Die Schere zwischen aufgehellten Zukunftserwartungen und einer weiterhin schwachen Gegenwartsbeurteilung bleibt das prägende Merkmal des Juni-Ergebnisses."© jeson / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • ZEW-Erwartungsindex steigt um 20,7 Punkte auf 10,5 Zähler
  • Fahrzeugbau, Chemie und Pharma mit stärksten Stimmungsverbesserungen
  • Lageeinschätzung fällt auf minus 81,0 Punkte

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Juni überraschend deutlich verbessert. Der Erwartungssaldo des ZEW-Finanzmarkttests steigt um 20,7 Punkte auf 10,5 Zähler und kehrt damit erstmals seit mehreren Monaten in positives Terrain zurück. Die befragten Finanzmarktexperten bewerten die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden sechs Monate damit deutlich optimistischer als noch im Mai.

Demgegenüber verschlechtert sich die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage weiter. Der entsprechende Saldo sinkt um 3,2 Punkte auf minus 81,0 Zähler. Damit verstärkt sich die Diskrepanz zwischen den Erwartungen für die kommenden Monate und der Beurteilung der gegenwärtigen Konjunkturlage weiter. Das ZEW bezeichnet dies als das prägende Merkmal des aktuellen Berichts: „Die Schere zwischen aufgehellten Zukunftserwartungen und einer weiterhin schwachen Gegenwartsbeurteilung bleibt das prägende Merkmal des Juni-Ergebnisses.“

Stimmungsaufhellung in vielen Branchen
Auf Branchenebene zeigt sich laut ZEW ein breit angelegter Stimmungsaufschwung. Die stärkste Verbesserung verzeichnet die Fahrzeugindustrie. Der Saldo steigt um 21,9 Punkte auf minus 35,3 Zähler. Auch Chemie und Pharma legen deutlich zu und verbessern sich um 16 Punkte auf minus 26,7 Zähler. Konsum und Handel gewinnen 11,7 Punkte hinzu. Das Institut sieht darin insgesamt einen "breiten Erholungsimpuls".

Trotz der Verbesserungen bleiben viele Industriebereiche im negativen Bereich. Dies gilt insbesondere für den Fahrzeugbau, den Maschinenbau sowie die Stahl- und Metallindustrie. Dagegen setzt die Informationstechnologie ihren Aufwärtstrend fort und erreicht mit 59,6 Punkten den höchsten Branchensaldo. Auch Versicherungen und Versorger zählen weiterhin zu den stärksten Sektoren.

Eine Ausnahme bildet der Bausektor. Nach einer vorübergehenden Erholung im Mai verschlechtert sich die Stimmung wieder deutlich. Der Saldo fällt um 15,2 Punkte auf minus 12,0 Zähler. Als Belastungsfaktoren nennt das ZEW anhaltende Finanzierungs- und Nachfrageprobleme.

Zins- und Aktienmarkterwartungen steigen
Die Inflationserwartungen gehen im Juni zwar zurück, bleiben aber auf erhöhtem Niveau. Gleichzeitig rechnen die Befragten verstärkt mit steigenden Zinsen im Euroraum. Der Saldo für die kurzfristigen Zinsen steigt um 12,2 Punkte auf 73,3 Zähler. Auch die Erwartungen für langfristige Zinsen in Deutschland ziehen an.

Die Aktienmarkterwartungen entwickeln sich ebenfalls positiv. Der DAX-Saldo verbessert sich um 7,2 Punkte auf 24,4 Zähler. Insgesamt sehen die Autoren des Finanzmarkttests Anzeichen für eine Trendwende. "Die Juni-Ergebnisse zeichnen das Bild einer Stimmungswende bei den Erwartungen", heißt es im Bericht. "Die Breite des Erholungsimpulses und der klare Sprung im Erwartungssaldo stimmen vorsichtig zuversichtlich." (dv)

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