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Zentralbanken lockern Geldpolitik in bislang widerstandsfähigem Umfeld

Vincent Mortier, Group CIO Amundi, und Monica Defend, Head of Amundi Investment Institute, haben die Situation an den Finanzmärkten analysiert. Dabei erwies sich das vergangene Jahr in mancher Hinsicht als außergewöhnlich.

Vincent Mortier, Group CIO Amundi
Vincent Mortier, Group CIO Amundi© Francois Daburon / FONDS professionell

"Globale Aktien erreichten neue Höchststände, und Aktien aus Schwellenländern näherten sich ihrem Niveau von 2021. All dies geschah trotz der etwas unkonventionellen Politik der US-Regierung, insbesondere den Handel betreffend, die zu einer phänomenalen Performance des als sicherer Hafen geltenden Goldes führte", fasst Vincent Mortier, Amundi Group CIO, die Geschehnisse zusammen. Bemerkenswert sei, dass Vermögenswerte an beiden Enden des Risikospektrums starke Erträge erzielten.

Low Risk und High Risk Assets erzielten beide starke Renditen
In jüngster Zeit stiegen die Renditen europäischer und japanischer Anleihen. Interessanterweise sind auch die US-Renditen trotz der Zinssenkungsrunde der US-Notenbank gestiegen. Obwohl das lange Ende der Zinsstrukturkurve weniger von geldpolitischen Entscheidungen beeinflusst wird, ist es dennoch ungewöhnlich, dass sich beide in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Mit Blick auf die Zukunft dürfte die Fiskalpolitik insbesondere in den USA, Deutschland und Japan die Hauptlast tragen, wobei auch die Geldpolitik Unterstützung bieten dürfte. Daher werden der Konsum, die Arbeitsmärkte und das Inflationsumfeld die politischen Entscheidungen bestimmen, während Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) einer stärkeren Marktbeobachtung unterliegen werden.

Herausforderungen für die Ausnahmestellung der USA
Höhere Einkommensteuerrückerstattungen dürften die Wachstumsaussichten für die USA im ersten Halbjahr 2026 leicht verbessern, ändern jedoch nichts an den Aussichten für die Zeit danach", ist Monica Defend, Head of Amundi Investment Institute, überzeugt. "Wir haben unsere Wachstumsprognosen für 2026 leicht von 1,9 auf 2,0 Prozent angehoben. Aber es bleibt dabei, dass das Wachstum unter seinem Potential liegen dürfte. Die Abschwächung des US-Konsums spiegelt eher eine Abschwächung als einen Zusammenbruch des Arbeitsmarktes wider. Darüber hinaus könnte die Trump-Regierung mit Blick auf die Zwischenwahlen politische Überraschungen bereithalten. Wir gehen davon aus, dass die Inflation in einem Zwischenwahljahr eine wichtige Rolle spielen wird. Dies könnte dazu führen, dass Trump seine Haltung in Bezug auf Zölle mildert."

Zinssenkungen ante portas
Die meisten Zentralbanken weltweit, darunter die Fed, die EZB und die Bank of England (BOE), werden wahrscheinlich die Zinsen senken. Mortier dazu: "Wir gehen davon aus, dass die BOE die Leitzinsen 2026 wie bereits im Dezember letzten Jahres senken wird. Wichtig ist, dass ein rückläufiges Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP es der Bank of England ermöglichen wird, die Leitzinsen zu senken. Insgesamt schafft dies ein konstruktives Umfeld für britische Staatsanleihen." Defend ergänzt: "Die Zinserhöhung der Bank of Japan (BOJ) im Dezember entsprach unseren Erwartungen. Die Zentralbank dürfte eine Ausnahme bleiben und die Zinsen 2026 wohl einmal anheben. Ein anhaltender Anstieg der inländischen Renditen würde die Attraktivität inländischer Anleihen für lokale Anleger erhöhen und könnte letztendlich eine groß angelegte Kapitalrückführung auslösen. Für einen nachhaltigen Anstieg der nominalen und realen Renditen muss die BOJ jedoch ein stärkeres Engagement für die Normalisierung der Zinsen signalisieren, was zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich erscheint."

Künstliche Intelligenz mit vielen Chancen, aber auch Fragezeichen
KI bietet Chancen, aber die Märkte könnten das Renditepotential von Investitionen in Frage stellen und Unternehmen belohnen, die mehr Klarheit über die Monetarisierung und Rentabilität solcher Investitionen bieten. Darüber hinaus könnte sich der KI-Investitionszyklus von Hyperscalern auf Versorgungsunternehmen (Stromversorger) und Industrieunternehmen ausweiten, die physische Endverbraucherprodukte wie automatisierte Roboter und autonome Fahrzeuge/ Geräte herstellen. Der höhere Kapitalbedarf dieser Unternehmen wird sich in einem erhöhten Angebot auf den Märkten für Unternehmensanleihen widerspiegeln.

Ringen um die Vorherrschaft zwishcen den USA und China
Aus geopolitischer Sicht dürfte der Wettbewerb zwischen den USA und China um die Vorherrschaft im Bereich KI anhalten. Beide Länder könnten sich bemühen, KI-Ökosysteme aufzubauen, die ihren nationalen Interessen dienen, insbesondere China, das eine „Halbleiterunabhängigkeit” von den USA anstrebt.

Verschuldung und Geopolitik
Die Risiken im Zusammenhang mit der hohen Verschuldung und den steigenden Defiziten in den Industrieländern sowie die globale Geopolitik werden weiterhin bestehen bleiben. In diesem Umfeld bieten Schwellenländer aus Sicht von Amundi gute Chancen für spezielle Anlagemöglichkeiten, insbesondere angesichts der Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken der Industrieländer.

Gedanken zu einzelnen Assetklassen für 2026
Anleihen
: Defend und Mortier unisono: "Wir sind insgesamt nahezu neutral in Bezug auf die Duration, leicht positiv gegenüber der EU und Großbritannien, aber vorsichtig gegenüber den USA. Wir haben die Duration für Japan angehoben und beobachten die geldpolitischen Maßnahmen, die Inflation und die Fiskalpolitik der Bank of Japan. Trotz der erwarteten Zinserhöhung sind wir der Meinung, dass die Bank of Japan hinter der Kurve zurückbleibt, was der Grund für den starken Anstieg der Renditen im Dezember ist. Die hohen fiskalischen Anreize in Japan deuten darauf hin, dass die Zentralbank auch 2026 die Zinsen weiter anheben wird. Bei Anleihen aus Schwellenländern behalten wir unsere konstruktive Haltung bei und sehen angesichts der hohen Bewertungen größeren Spielraum für individuelle Chancen.

Aktien: Amundis Experten halten es für angebracht, zu diversifizieren, dabei jedoch eine sorgfältigere Auswahl zu treffen und sich auf Segmente zu konzentrieren, bei denen man langfristig von den Bewertungen, Gewinnen und Wirtschaftsaussichten überzeugt ist. Darüber hinaus geht man davon aus, dass die Märkte mehr Klarheit hinsichtlich der Kapitalrendite von Unternehmensinvestitionen im Technologie- und KI-Bereich verlangen werden. Daher ist nach Auffassung von Mortier und Defend jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um in Regionen wie Europa zu investieren. "Auch Schwellenländer wie Indien sollten Chancen bieten, die mit ihrem inländischen Wachstumspotenzial verbunden sind."

Multi-Asset: Amundi behält seine aktive Haltung bei, hat taktisch seine Erwartung hinsichtlich chinesischer Aktien zurückgeschraubt, bleiben aber gleichzeitig positiv gegenüber Schwellenländern als Anlageklasse eingestellt. Bei festverzinslichen Wertpapieren ist das Haus weniger vorsichtig in Bezug auf die japanische Duration und behält die Geld- und Fiskalpolitik im Auge. (kb)

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