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Zahl nachhaltig anlegender Investoren erreicht einen Rekordstand

Großanleger berücksichtigen mehrheitlich Nachhaltigkeitskriterien, und die Investoren glauben an die Klimawirkung nachhaltiger Anlagen. Eine Studie der Union Investment stellt fest, dass nur ein Drittel der institutionellen Anleger den EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums kennt.

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„Nachhaltigkeit gewinnt massiv an Bedeutung und wird zum Erfolgsfaktor im Asset Management“, sagt Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für das Geschäft mit institutionellen Kunden.
© Fonds Professionell

72 Prozent der Institutionellen in Deutschland berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage. Das ist ein Anstieg um sieben Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Investorenbefragung 2009. Insbesondere KVGen (92 Prozent) sowie kirchliche Anleger und Stiftungen (86 Prozent) investieren nachhaltig. Niedriger fällt der Anteil dagegen bei Großunternehmen mit 58 Prozent und bei Kreditinstituten mit 51 Prozent aus. 57 Prozent der institutionellen Anleger, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, zeigen sich hiermit zufrieden oder gar außerordentlich zufrieden. Für die allermeisten von ihnen (89 Prozent) ist ein Ausstieg aus nachhaltigen Kapitalanlagen nicht vorstellbar. Die Regulierung ist aus Investorensicht der entscheidende Impuls, sich mit nachhaltigen Investments zu beschäftigen.

EU-Aktionsplan kurioserweise wenig bekannt
Dennoch ist der EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums in Europa bislang nur einer Minderheit der Großanleger bekannt. Und während zwei Drittel der Befragten überzeugt sind, dass nachhaltige Kapitalanlagen das Weltklima entscheidend beeinflussen können, hat lediglich eine Minderheit Informationen über die Klimawirkung des eigenen Portfolios. Dies geht aus der Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment hervor, für die 201 institutionelle Anleger in Deutschland befragt wurden.

Mehr als 200 Institutionelle für die Nachhaltigkeitsstudie befragt
Für die diesjährige Untersuchung wurden von Februar bis Mai 2019 insgesamt 201 institutionelle Investoren befragt, die zusammen ein Vermögen von rund 6,5 Billionen Euro verwalten. Das Spektrum der Befragten umfasste folgende Investorengruppen:
Versicherungen (18 Prozent der Befragten), Großunternehmen (12 Prozent), Altersversorger/Pensionskassen (13 Prozent), Stiftungen/Kirchen (18 Prozent), Kreditinstitute (21 Prozent) und Kapitalverwaltungsgesellschaften (18 Prozent).

Nachhaltige Kapitalien werden weiter wachsen
Überwiegend einig sind sich die Investoren, dass das Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen weiter wachsen wird. 69 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten ein Marktwachstum oder starkes Marktwachstum.  

Investoren glauben an Klimawirkung nachhaltiger Kapitalanlagen
Ebenfalls einig ist sich die Mehrheit der institutionellen Anleger hinsichtlich der Klimawirkung nachhaltiger Investments. Zwei Drittel (67 Prozent) glauben, dass nachhaltige Kapitalanlagen das Weltklima entscheidend beeinflussen können. Diese Ansicht vertreten vor allem Kirchen und Stiftungen (76 Prozent), Altersversorger und Pensionskassen (73 Prozent) sowie Kapitalverwaltungsgesellschaften (72 Prozent). Doch ungeachtet dieser Überzeugung hat bisher nur eine Minderheit der Befragten (39 Prozent) Informationen über die Klimawirkung des eigenen Portfolios.

Zuversicht überwiegt
Dies geschieht bei den Anlegern auch in Hinblick auf die möglichen Auswirkungen einer nachhaltigen Transformation der Wirtschaft auf den Arbeitsmarkt: So erwartet die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) nicht, dass mit dem Ziel Deutschlands, bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausfrei zu werden, eine Gefährdung von Arbeitsplätzen verbunden ist. „Die Vermeidung klimaschädlicher Emissionen stellt viele Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Vorausschauende Unternehmen erkennen die Zeichen der Zeit und leiten entsprechende Maßnahmen ein. Investoren wiederum sind gefordert, Unternehmen bei diesem Prozess zu begleiten und die Chancen und Risiken der Kapitalanlage neu zu bewerten“, erläutert Union Investment-Vorstand Alexander Schindler.

Nur ein Drittel kennt EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums
Hauptantrieb der Investoren für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien sind die Werte des eigenen Unternehmens, die 83 Prozent der Befragten als wichtiges oder sehr wichtiges Motiv nennen. Die Anleger, die keine Nachhaltigkeitskriterien anwenden (28 Prozent), begründen dies dagegen vor allem mit fehlenden Vorgaben in den Anlagerichtlinien (57 Prozent). Folgerichtig wird die Regulierung als entscheidender Impuls angesehen (71 Prozent), sich zukünftig intensiver mit der nachhaltigen Kapitalanlage zu beschäftigen. Doch anscheinend fehlt es noch an Detailwissen hinsichtlich der regulatorischen Rahmenbedingungen. So gibt lediglich ein Drittel (33 Prozent) der befragten Investoren an, den von der EU-Kommission im letzten Jahr verabschiedeten Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums in Europa („EU-Aktionsplan“) zu kennen.

Mehr Aufklärung vonnöten
„Die Klimadebatte und der EU-Aktionsplan verleihen dem Thema Nachhaltigkeit zusätzlich Gewicht, doch ist hier offenbar noch Aufklärungsarbeit zu leisten. Nachhaltigkeit ist aber weit mehr als ein Umweltthema und muss in ihrer ganzen Dimension inklusive sozialer und Governance-Aspekte betrachtet werden“, betont Schindler. (kb)


 

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