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Wohin steuert Amerika? Die geteilte Nation und die Folgen

Amerika hat gewählt. Wieder einmal mit überraschendem Ausgang – zumindest für Demoskopen. Mit dem knappen Ausgang der 2020er Wahl wird aber klar, dass die Präsidentschaft von Herrn Trump kein „Ausrutscher“ war, sondern Ergebnis eines wesentlichen und tiefliegenden Befindens Amerikas.

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Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW
© LBBW

"Die US-Gesellschaft ist gespalten wie nie zuvor. Eine Überwindung dieser Trennung ist derzeit nicht absehbar. Im Gegenteil", sagt Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW. Die Gegensätze seien zuletzt größer geworden, die Einigkeit lasse nach. Was diese Entwicklung für Auswirkungen auf die Parteienlandschaft in den USA haben werde, könne erdrutschartige Veränderungen mit sich bringen, so Burkert weiter. "Wenn es eine so traditionsreiche Partei wie die Demokraten nicht schafft, bei einem Präsidenten Trump, ihre Stammwähler zurück- und neue Wähler zu gewinnen, stellt sich meines Erachtens die Frage, wie stabil diese Partei zukünftig noch sein kann. Ich erwarte Schuldzuweisungen und Flügelkämpfe. Am Ende kann sogar ein Auseinanderbrechen drohen."

Trump – und sonst?
Auch die Republikaner müssen aufpassen. Wie eigenständig ist diese Partei noch? Wie stark hat Trump die Partei gestutzt? Hier wird es spannend zu sehen, inwieweit es den Republikanern gelingt, wieder als eigenständige Kraft sichtbar zu werden. Ansonsten wird es sehr schwierig, die Zeit nach Trump zu gestalten, ohne nahtlos von Donald J. Trump auf ein weiteres Mitglied der Trump-Familie als nächsten Präsidentschaftskandidaten oder - kandidatin überleiten zu müssen. Burkert dazu: "Sie sehen: Die Konsequenzen der US-Wahl für das Land sind tiefgreifend, nicht nur ökonomisch, wenn ich z. B. auf die US Handelspolitik schaue, oder für die Klimapolitik, sondern auch und gerade gesellschafts- und parteipolitisch." 

Bleiben die USA ein Stabilitätsanker oder werden sie zu einem Wackelkandidaten?
Burkert erwartet, dass sich die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren weiter aus der internationalen Verantwortung zurückziehen werden. Die Epoche der US-Außenpolitik als „Weltpolizist“ dürfte endgültig vorbei sein. Die USA dürften sich weiter zu einem stark innenpolitisch geführten Land fortentwickeln und somit die Agenda Trump über den Wahltag hinaus sichtbar und spürbar bleiben.

Konsequenzen für Europa
Europa muss sich emanzipieren, viel schneller und konsequenter als bislang gedacht. Auch ohne Trump bedarf die Europäische Union eines anderen politischen Ansatzes für die Zukunft.
Neben dem Erhalt und der Einbringung wirtschaftlicher Macht muss für die EU die europäische Verteilungsfrage geklärt werden. Zudem muss die gemeinsame Sicherheitspolitik als Handlungsfeld mit Hochdruck ins Spiel kommen. Hier ist Europa ohne den Beistand der USA schwach aufgestellt. Auch müssen die Themen Hochtechnologie und Künstliche Intelligenz geostrategischer betrachtet werden. "Es geht um nichts Geringeres als um eine Neupositionierung Europas. Sind wir dazu gemeinsam in der Lage – oder sind auch wir geteilte Nationen?", fragt Burkert. (kb)

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