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Willis Towers Watson: Pensionswerke trotzen dem Druck

Die Pensionswerke der DAX-Unternehmen zeigen trotz aller Widrigkeiten eine stabile Entwicklung, ist einer aktuellen Auswertung von Willis Towers Watson zu entnehmen.

Dr. Heinke Conrads, Leiterin Retirement Germany and Austria von Willis Towers Watson
Dr. Heinke Conrads, Willis Towers Watson
© Willis Towers Watson

Die DAX-Pensionswerke sind wetterfest aufgestellt. Das ist die wohl wichtigste Erkenntnis einer aktuellen Auswertung der Altersvorsorgeeinrichtungen der 30 größten, börsennotierten Unternehmen Deutschlands.

Die Studie „DAX-Pensionswerke 2019“ basiert auf den Geschäftsberichten der DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 23. März 2020 hatten 26 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 vorgelegt. Bei E.ON, Linde, MTU Aero Engines und Wirecard, deren aktuelle Daten noch nicht veröffentlicht sind, hat Willis Towers Watson die Vorjahreswerte berücksichtigt und damit Hochrechnungen durchgeführt.

Aktiva und Passiva gestiegen
Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2019 um 13,7 Prozent auf 416 Milliarden Euro gestiegen (2018: 366 Mrd. Euro). Die Pensionsvermögen konnten mit diesem Anstieg knapp Schritt halten: Sie stiegen um 12,4 Prozent auf 276 Milliarden Euro (2018: 245 Mrd. Euro). Der spezifische Ausfinanzierungsgrad blieb daher nahezu stabil. Er sank 2019 im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt auf 66 Prozent.

Stabile Entwicklung
„Die Aktienmärkte entwickelten sich besonders in der ersten Jahreshälfte 2019 sehr positiv. Davon konnten die DAX-Unternehmen profitieren“, sagt Dr. Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson. Rund ein Fünftel der Pensionsvermögen aller DAX-Unternehmen ist in Aktien angelegt. Der für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen zugrunde gelegte Rechnungszins sank jedoch insgesamt im Jahr 2019 um 81 Basispunkte auf 1,10 Prozent (2018: 1,91 Prozent). Aus diesem Grund stiegen die Pensionsverpflichtungen noch stärker an. „Dank der guten Anlageerträge konnte der Ausfinanzierungsgrad – das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen – dennoch stabil gehalten werden“, so Conrads. Die bAV-Expertin führt aus: „Insgesamt zeigt sich über die vergangenen 20 Jahre, dass die DAX-Unternehmen ihre Pensionswerke wetterfest aufgestellt und klug gemanagt haben, so dass Schwankungen des Kapitalmarktumfelds meist gut genutzt oder gut aufgefangen werden konnten.“

Corona-Krise – volatiler Einfluss auf Pensionswerke in 2020
In der Folge der Corona-Krise sank der Rechnungszins im Januar und Februar zunächst spürbar. Im Laufe des März jedoch konnten die Renditen von AA-Unternehmensanleihen mit einer Restlaufzeit von mehr als zehn Jahren und damit auch der Rechnungszins einen deutlichen Anstieg verzeichnen. Von einer Trendwende kann jedoch noch nicht gesprochen werden. So können das von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigte Anleihenkaufprogramm sowie mögliche Änderungen des Ratings von Unternehmensanleihen den Rechnungszins wieder unter Druck bringen. Die Volatilität des Rechnungszinses wird im Jahr 2020 vermutlich weiter anhalten. Gleichzeitig entwickelt sich auch der Aktienmarkt, der nun Produktionsrückgänge einpreist, ausgesprochen volatil. Willis Towers Watson zufolge zeigen die Kapitalanlagen von Pensionseinrichtungen teilweise einen spürbaren Rückgang.

Gute Governance und diversifizierte Anlage stabilisieren Portfolios
„Viele Unternehmen haben ihre bAV bereits in der Vergangenheit krisenfest gestaltet und auch die Anlage der Pensionsvermögen professionalisiert und diversifiziert“, berichtet bAV-Expertin Conrads. Sie fährt fort: „Ihnen dürfte es nun leichter fallen, ihre Pensionswerke auch in Krisenzeiten gut zu managen.“

„Pensionsanleger, die sich für eine höhere Governance und eine Auslagerung der Kapitalanlage entschieden haben, profitieren nun besonders von der höheren Diversifikation“, ergänzt Hanne Borst, Leiterin Actuarial Consulting bei Willis Towers Watson. Sie ergänzt: „Insbesondere illiquide Anlagen, wie beispielsweise Immobilien oder Infrastruktur, dürften den Wertrückgang aufgrund der Bewertungszyklen eher langsam nachvollziehen. Sie wirken daher stabilisierend auf Pensions-Portfolien. Portfolien, die im Wesentlichen aus liquiden Aktien und Anleihen bestehen, stehen derzeit hingegen stärker unter Druck.“

Im Durchschnitt belaufen sich die Pensionsverpflichtungen auf rund 15 Prozent und die Pensionsvermögen auf rund zehn Prozent der Bilanzsumme der DAX-Unternehmen. Angesichts der positiven Ertragslage wurden den Pensionsvermögen 2019 mit 6,5 Milliarden Euro deutlich weniger zusätzliches Vermögen zugeführt als im Vorjahr (11,8 Mrd. Euro).

Unternehmen setzen weiterhin auf bAV als personalpolitisches Instrument
Angesichts eines verstärkten Fachkräftemangels setzen viele Unternehmen (nicht nur im DAX) auf eine gute bAV als Instrument zur Mitarbeitergewinnung und -bindung. Dies korrespondiert mit den Erwartungen der Mitarbeiter: Rund 72 Prozent wünschen sich ausdrücklich eine aktive Rolle des Arbeitgebers beim Angebot einer bAV, wie eine weitere aktuelle Studie von Willis Towers Watson zeigt.

Im Gegenzug bleiben die Mitarbeiter ihrem Unternehmen treu: Die bAV – sofern sie als bedarfsgerecht empfunden wird – ist für 66 Prozent der Mitarbeiter ein wichtiger Grund, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben. Auch steigt die Bereitschaft bei 73 Prozent, das eigene Unternehmen weiterzuempfehlen. „Mitarbeiter erwarten, dass ihr Arbeitgeber sie bei der Altersversorgung unterstützt. Unternehmen, die darauf eingehen, haben es leichter, Mitarbeiter zu gewinnen und sie auch langfristig im Unternehmen zu halten“, betont Conrads. abschließend. (aa)

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