Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Wie Muzinich die Yuan-Abwertung einschätzt

christina_bastin_klein_quer.jpg
Christina Bastin, Portfoliomanagerin des Muzinich Asia Credit Opportunities Fonds und des Muzinich Asia High Yield Fonds, äußert sich über die aktuellen Entwicklung des chinesischen Yuan und den Auswirkungen auf die internationalen Märkte. Sie sagt: „Die jüngste Kursentwicklung US-Dollar – Yuan auf über sieben Yuan ist sehr symbolträchtig: China selbst erklärt ausdrücklich, dass dieser Schritt eine Antwort auf die Zölle ist. Einen Kurs über sieben Yuan gab es nicht mehr seit 2008. Der Kurs von sieben Yuan ist zudem ein wichtiger Ankerpunkt gegenüber anderen Währungen. Das Überschreiten dieser Ebene löst ein neues Maß an Unsicherheit aus, wie weit die Entwicklung gehen könnte.“
© Muzinich

„Es entbehrt nicht der Ironie und – wenn die Situation nicht so ernst wäre - einer gewissen Komik, dass China seine Währung seit Beginn des Handelskrieges beharrlich unterstützt und effektiv manipuliert hat, um eine Abwertung zu verhindern. Davon abzugehen zeigt, dass China der Ansicht ist, im eskalierenden Handelskrieg keine Wahl zu haben. China war sehr geduldig, bevor dieser Schritt unternommen wurde“, so die Portfoliomanagerin weiter.

Loslösung von diesem Ankerpunkt hat Effekte auf andere Währungen
Was die Auswirkungen auf den US-Dollar und weitere Zinssenkungen der Fed anbelangt, stellt sich die Frage, ob die USA nun am Devisenmarkt intervenieren muss. BAstin dazu: "Das ist für die USA sehr schwierig. Der US-Dollar hat zwar gegenüber dem Chinesischen Yuan zugelegt, aber gegenüber dem Euro und Japanischen Yen an Wert verloren. Das beste Instrument zur Eindämmung der US-Dollar-Stärke werden weitere Zinssenkungen sein, da sich Euro und Yen bereits im negativen Zinsbereich befinden und der US-Dollar noch viel Spielraum hat.
Andere asiatische Währungen werden voraussichtlich parallel zum Yuan abwerten, was zu einer höheren Volatilität der Märkte führen wird."

Welche Auswirkungen hat dies auf die Finanzmärkte? Für chinesische Aktien sei dies negativ, denn eine schwächere Währung bedeute, dass die auf Yuan lautenden Gewinne bei Umrechnung in US-Dollar geringer würden. Für Asien seien die Auswirkungen des schwächeren Yuan jedoch vernachlässigbar, meint die Muzinich-Expertin.

Was bedeutet das für China Investment Grade?
„Hier werden die Finanzierungskosten davon bestimmt, auf welchem Niveau die Zinsen auf US-Staatsanleihen liegen und wie die aktuellen Kreditbedingungen in den USA sind. Dies liegt daran, dass China Investment Grade mit einem bestimmten Spread über dem US-Leitzins gehandelt werden. Bei Investment Grade-Unternehmen sind dies je nach Bonität in der Regel 100 bis 200 Basispunkte über US-Treasuries“, weiß die Fondsmanagerin. „China Investment Grade hat ausreichenden Zugang zu inländischer Finanzierung über Banken, Onshore-Bonds usw.. Sie werden auf die Ausgabe von US-Dollar-Anleihen verzichten, wenn diese als zu teuer erachtet werden, und nur die Inlandsmärkte nutzen. Falls China neben der Devisenmarktintervention auch die monetäre Lockerung fortsetzt, wird die Ausgabe von Anleihen in Yuan für sie noch günstiger sein.“

High Yield
Bei China High Yield - vor allem Papiere von Immobilienentwicklern, von denen in letzter Zeit viele US-Dollar-Kredite aufgenommen wurden – gibt es ein Währungsungleichgewicht: Kredite in US-Dollar und Einnahmen in Yuan. Bastin dazu: "Aber auch in diesem Bereich bewegen sich die Refinanzierungskosten selbst unter Berücksichtigung einer hohen Abschreibung nicht sehr stark, und die Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA oder Veränderungen hinsichtlich der Zinsdeckung sind vernachlässigbar. Dies liegt ebenfalls daran, dass es mehr auf den tatsächlichen Refinanzierungssatz ankommt, der durch eine Mischung aus On- und Offshore-Emissionen aktiv gesteuert wird.“

Ausblick und Positionierung
Entscheidend sei, wie die Abwertung verlaufe: "Wird es ein langsames Abbröckeln sein wie 2015, als es im Laufe der Zeit immer mehr aussah, als ob die People’s Bank of China (PBoC) den Wechselkurs nicht kontrollieren konnte und das Vertrauen schwand? Damals kam es zu Kapitalabflüssen. Kapitalabflüsse sind für die Politik von großer Bedeutung.“

Was die heutigen Situation deutlich von 2015 unterscheidet
Durch die Regulierung wurde die Kapitalbilanz gestrafft und Kapitalabflüsse reduziert. Dieses Mal findet die Währungsbewegung im Kontext eines Handelskrieges und Angriffs auf China statt. Daher ist das Interesse staatlicher Einheiten oder großer chinesischer Unternehmen gering, durch grenzüberschreitende M&As die Währung zu wechseln. Dies würde als ein Akt des Verrats wahrgenommen werden, ist Bastin überzeugt. „Die PBoC scheint proaktiver zu sein. Sie hat die Durchlässigkeit von Kapitalkonten kontinuierlich reduziert, um Abflüsse zu vermeiden. Wenn sie entschlossenere Maßnahmen zur schnellen Abschreibung ergreift, wird die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalflucht geringer und das Vertrauen in die Wirtschaft durch eine verbesserte handelspolitische Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.“

Muzinich ist übergewichtet in sehr kurzfristigen Papieren von Immobilienentwicklern
Diese Papiere weisen hohe Kupons auf. "Hier sind wir zuversichtlich, dass sie die Mittel zur Refinanzierung haben, zumal wir bei ihnen einen Stresstest zu Devisenabschreibungen und ihren Auswirkungen auf den Schuldendienst durchgeführt haben. Wir sind auch übergewichtet in chinesischen strategischen Staatsunternehmen, die über umfangreiche Finanzierungsquellen auf dem Inlandsmarkt verfügen und die von der Flucht in Qualität profitieren werden“, plaudert die Expertin aus dem Nähkästchen. „Wir übergewichten Finanzvehikel für ländlichen Infrastruktur, bei denen wir davon ausgehen, dass sie von weiteren Infrastrukturstimuli profitieren werden. Wir haben den teuren und volatilen Technologiesektor untergewichtet, da er der Wegbereiter für die Schlagzeilen des Handelskrieges war.“ (kb)

 

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen