Wie man die Duration bei Bundesanleihen spielen kann
Zehnjährige Bundesanleihen bieten die höchsten Renditen seit rund 15 Jahren. Die Sutor Bank hält daher eine Verlängerung der Duration für erwägenswert: Investoren könnten sich höhere Kupons sichern und bei später sinkenden Renditen zusätzlich von Kursgewinnen profitieren.

ECKPUNKTE:
- Schwache Konjunktur und nachlassende Inflation könnten die Renditen mittelfristig drücken.
- Längere Laufzeiten sichern das aktuelle Zinsniveau und bieten zusätzliches Kurspotenzial.
- Eine schrittweise Erhöhung der Duration soll das Risiko eines falschen Einstiegszeitpunkts begrenzen.
Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen liegen auf dem höchsten Niveau seit rund 15 Jahren. Für Investoren stellt sich damit die Frage, ob sie nach Jahren der Laufzeitenverkürzung wieder stärker auf längere Duration setzen sollten. „Wer jetzt längere Laufzeiten eingeht, kauft Renditen ein, von denen er über viele Jahre profitieren kann“, sagt Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Hamburger Sutor Bank.
Ob der Renditehöhepunkt bereits erreicht ist, bleibt allerdings offen. Für einen mittelfristigen Rückgang spricht Beil zufolge unter anderem die schwache Konjunktur in Deutschland und im Euroraum. Hält die Wachstumsschwäche an, könnte der Druck auf die Europäische Zentralbank zunehmen, die derzeit pausierenden Zinssenkungen wieder aufzunehmen. Niedrigere Leitzinsen würden tendenziell auch die Renditen länger laufender Staatsanleihen belasten.
Entscheidend bleibt zudem die Inflation. Der jüngste Ölpreisanstieg infolge der Spannungen im Nahen Osten könnte den Preisauftrieb zwar erneut verstärken. Bei einer Entspannung des Konflikts und stabileren Energiepreisen dürften die Inflationsraten jedoch weiter sinken. Auch die Normalisierung der Lohnentwicklung könnte dazu beitragen.
Kupons und Kurschancen
Sinkende Inflationserwartungen würden festverzinsliche Wertpapiere attraktiver machen. Gleichzeitig treffen Versicherungen, Pensionskassen und andere langfristig orientierte Investoren derzeit auf Renditeniveaus, die über viele Jahre nicht verfügbar waren. Eine steigende Nachfrage dieser Marktteilnehmer könnte die Kurse von Bundesanleihen stützen und deren Renditen drücken. Auch in Phasen politischer Unsicherheit könnten Bundesanleihen von ihrem Status als sicherer Hafen profitieren.
Längere Duration bedeutet allerdings eine höhere Zinssensitivität: Fallen die Renditen, steigen die Kurse überdurchschnittlich; ziehen sie weiter an, fallen auch die Verluste größer aus. Beil empfiehlt daher keine einseitige Positionierung, sondern eine schrittweise Verlängerung, kombiniert mit einer Streuung über verschiedene Laufzeiten und Bonitäten. (hw)