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Wie geht nach den ereignisreichen Monaten für Emerging Markets weiter?

Emerging Markets haben in der ersten Jahreshälfte 2019 einen deutlichen Aufschwung erlebt. Was wird die zweite Jahreshälfte für Schwellenländer bereithalten?

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Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Investec Asset Management, meint, dass eine harte Landung aufgrund des unbefriedigenden Verlaufs der Handelsgespräche wahrscheinlicher geworden ist. Die EMD-Credit Spreads könnten dann kurzfristig steigen, was eine defensivere Positionierung rechtfertigt.
© Investec AM

Ein kurzer Überblick über die letzten sechs Monate zeigt die hohe Schlagzahl an Ereignissen im vergangenen Halbjahr. Eines der auffälligsten und bedeutsamsten Ereignisse: Die Verhandlungen zwischen den USA und China gerieten ins Stocken, so dass die USA schließlich Zölle auf Importe aus China verhängten. Auch Mexiko wurden zum Monatsende Zölle angedroht; die USA begründeten dies mit mangelnden Fortschritten beim Thema illegale Einwanderung.

USA und China sorgten aber für noch mehr Schlagzeilen
Das amerikanische Handelsministerium setzte den chinesischen Technologiekonzern Huawei auf seine schwarze Liste und verbot damit US-Unternehmen, ohne staatliche Genehmigung Technologie an Huawei zu verkaufen. Dies hat große Auswirkungen auf das Unternehmen und den Technologiesektor insgesamt.

Argentinien, Türkei und Mexiko im Fokus 
Die Investoren begrüßten die Nominierung eines neuen wirtschaftsfreundlichen Oppositionskandidaten für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Dies nützte argentinischen Staats- und Unternehmensanleihen gleichermaßen. Türkische Corporate Bonds litten hingegen unter der unruhigen politischen Lage im Land und Zweifeln an den Fremdwährungsreserven, obwohl die Fundamentaldaten türkischer Unternehmen recht stabil sind. In Mexiko wuchsen die Zweifel am staatlichen Versorger Pemex, da die Regierung Angebote privater Unternehmen für ein großes Ölraffinerieprojekt ablehnte und stattdessen Pemex den Zuschlag gab. Die Kurse der Pemex-Anleihen fielen daraufhin.

Was bedeutete das für Investoren?
Eeedmans führt aus: "Investmentgrade-Anleihen ließen High-Yield-Titel hinter sich, da die Investoren die Sicherheit von Qualitätstiteln suchten. Das aktuelle Risk-off-Sentiment führte dazu, dass diejenigen Märkte, in denen ein höherer Anteil an Investment-Grade-Emittenten vertreten ist, besser abschneiden, allen voran China, dass sich trotz der handelsbezogenen Rhetorik gut behauptete. Wir beobachten, dass die türkische Politik bei manchen Unternehmensanleihen für attraktive Bewertungen sorgt. Auch wenn viele Investoren im Mai in Mexiko Investmentgrade-Titel bevorzugten, hielt sich High Yield im Mai überraschend gut, insbesondere im Vergleich zu anderen risikobehafteten Assetklassen wie Aktien."

Schwellenländermärkte sollten im zweiten Halbjahr Industrieländermärkte schlagen
Investec AM rechnet damit, dass die Emerging Markets die Industrieländermärkte hinter sich lassen, sind uns aber auch der Tatsache bewusst, dass das Risiko einer weltweiten Rezession in den letzten Wochen gestiegen ist. "Wir glauben, dass die internationale Politik die Emerging Markets weiter maßgeblich bestimmen wird. Dies gilt für die Beziehungen zwischen den USA und China, aber auch für die Entwicklungen in Russland und der Türkei. Die weitere Lockerung der Geldpolitik und die konjunkturfreundlichen Maßnahmen in China haben das Wachstum hier stabilisiert. Für Gegenwind dürfte aber der unerfreuliche Verlauf der Handelsgespräche mit den USA sorgen", analysiert Eerdmans. Aufgrund der expansiveren Haltung der Notenbanken haben sich amerikanische Credits erholt. Im Falle eines Abschwungs bleibt aber die hohe Verschuldung der Industrieländerunternehmen ein Grund zur Sorge.

Welche Folgen ergeben sich für die einzelnen Märkte?
Brasiliens neue Regierung sehen Eerdmans und sein Team jetzt nicht mehr ganz so positiv, da es an Reformfortschritten mangelt. Dafür schätzen sie Mexiko wieder optimistischer ein und  erwarten auch, dass die bevorstehenden Wahlen in Argentinien hier zu einer höheren Volatilität führen. Weltweit und insbesondere in den Schwellenländern rechnet man bei Investec mit weiter niedrigen Ausfallquoten. Eerdmans: "Insgesamt glauben wir, dass die Emerging-Market-Renditen zurzeit etwa in der Mitte der Spanne liegen, die uns langfristig fair erscheint. Bei einer expansiven Geldpolitik und niedrigem Wirtschaftswachstum können sie daher weiter zurückgehen. Eine harte Landung ist aufgrund des unbefriedigenden Verlaufs der Handelsgespräche wahrscheinlicher geworden. Die Credit Spreads könnten dann kurzfristig steigen, was aus unserer Sicht eine defensivere Positionierung rechtfertigt." (kb)

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