Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Wie ein Anlagestratege die Dax-Aufstockung auf 40 Werte einordnet

Nach 33 Jahren revolutioniert sich der Deutsche Aktienindex (DAX). Am 1. Juli 1988 begann die Deutsche Börse den Leitindex zu berechnen und seit der ersten Glocke waren 30 Unternehmen gelistet. Nun wird der DAX im September 2021 auf 40 Mitglieder aufgestockt. Doch was soll man davon halten?

pospich_christoph_olb_klein_quer.jpg
Christoph Pospich, Anlagestratege der OLB
© OLB

„Das bedeutet die größte Veränderung in der Geschichte von Deutschlands wichtigstem Börsenindex“, sagt Christoph Pospich, Anlagestratege der OLB. Hintergrund der Erweiterung ist der Wunsch, sich an internationale Standards anzugleichen, wie etwa die Leitindizes in Frankreich und Italien, die ebenfalls je 40 Titel zählen. „Die Anpassung ist folgerichtig. Ein breiterer DAX bedeutet mehr Streuung in den gelisteten Werten – zumindest in der Theorie“, sagt Pospich. Ein Aktienindex soll in erster Linie der Information der Anleger dienen und über bestimmte Zeitspannen Aufschluss über die Entwicklung der versammelten Werte geben. Darüber hinaus ist der Sinn des DAX, den gesamten deutschen Aktienmarkt zu repräsentieren, um eine Messlatte für Anlagestrategien zu bieten. Allerdings: „Auch mit 40 Werten ist der Index nicht so groß, als dass er in einer strategischen Asset-Allokation alleine für ausreichend Diversifikation sorgen würde“, sagt der OLB-Anlagestratege.

Kein wirkliches Vorbild für repräsentative Marktabdeckung
Ein wirkliches Vorbild für einen solchen Zweck sieht er eher im S&P 500, der in den USA die Aktienwerte von 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen abbildet, „dieser ist kein reiner Bluechip-Index, sondern umfasst auch die kleinen und mittelgroßen börsennotierten
Champions“. 

Aufstockung bringt wohl keinen verbreiterten Branchenmix
Einer der kritischen Aspekte der DAX-Erweiterung ist vor allem die Frage nach den zehn Aufsteigern. Hierfür werden diverse Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Chemie oder Medizintechnik gehandelt. Deren Bewertungen und Perspektiven haben sich in den vergangenen Monaten keineswegs verschlechtert, doch sie könnten genau das unterbinden, was eine Aufstockung mit sich bringen sollte: einen breiteren Branchenmix im Leitindex. „Mit den gehandelten Aufsteigern würde sich das Gewicht der bereits stark vertretenen Sektoren im DAX sogar noch verstärken statt verringern. Damit erhöht sich der zyklische Charakter des ohnehin schon sehr am Konjunkturzyklus hängenden Indexes“, sagt Pospich.

MDax wird reduziert
Dass darüber hinaus die Erweiterung des DAX um zehn Werte zu einer Reduzierung des Nebenwerteindex MDax von 60 auf 50 Titel führt, bedauert der OLB-Experte. „Der MDax steht klassischerweise für den deutschen Mittelstand“, sagt er, „durch die Herabstufung verliert dieser Index allerdings tendenziell an Bedeutung.“

Biontech und andere Erfolgsfirmen suchen lieber Notiz an den US-Börsen
Zwar zeigt die breite Diskussion unter Fachleuten über den DAX-Umbau nebenbei ein grundsätzliches Problem: „Die Anzahl der börsennotierten Unternehmen in Deutschland ist zu gering, die Rahmenbedingungen sind in der Regel nicht attraktiv genug für international aufgestellte Firmen, um am Standort Deutschland an die Börse zu gehen“, sagt Pospich und verweist auf das Beispiel des Mainzer Unternehmens Biontech, das lieber in den USA an die Börse ging als auf dem heimischen Parkett.

Verschärfte Aufnahmebedingungen sind vorteilhaft
Trotzdem sieht der OLB-Anlagestratege auch große Vorteile in der Reform des deutschen Leitindex, allen voran die deutlich verschärften Aufnahmebedingungen. „Die gravierendste Änderung für die Auswahl betrifft die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien der zurückliegenden 20 Handelstage als entscheidendem Kriterium“, sagt Pospich. Nur wer unter den derzeit rund 230 per se infrage kommenden Unternehmen für die Aufnahme in den Auswahlindex die Plätze 1 bis 40 belegt, kommt in den DAX. Börsenumsätze spielen, solange ein Mindestumsatz erreicht ist, nur noch eine untergeordnete Rolle. Wer für die jeweils zwei zurückliegenden Jahre ein positives Betriebsergebnis vorweisen kann, ist berechtigt zur Aufnahme in die erste Börsenliga. Wer Quartalsabschlüsse und testierte Jahresabschlüsse nicht fristgerecht vorlegen kann, wird künftig aus dem DAX gestrichen, hat die Deutsche Börse angekündigt.

Pospichs Gesamtfazit
Dieses fällt daher positiv aus: „Die Aufstockung ist unter dem Strich der Weg in die richtige Richtung. Mehr Transparenz gepaart mit einer internationalen Angleichung an andere Indizes sollten den Finanzstandort Deutschland eher stärken als schwächen.“ (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren