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Wie Asien zum Dreh- und Angelpunkt der Globalisierung wird

Besonders im Westen werden Stimmen laut, wonach die Globalisierung sterbe. In anderen Teilen der Welt herrscht das Gefühl vor, dass die Globalisierung nicht tot sei, sondern sich von der ursprünglichen Vision der Globalisierung entfernt habe, konstatiert Michael Power, Stratege bei Ninety One.

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Michael Power, Stratege bei Ninety One
© Ninety One

Diese sich entwickelnde Globalisierung wird wahrscheinlich ihre Form, ihre Funktion und vor allem ihren geografischen Schwerpunkt verändern. Michael Power, Stratege bei Ninety One glaubt, dass die Globalisierung einfach eine neue Form annimmt – und zwar mit Asien als Dreh- und Angelpunkt. Sie wird damit in ein aktualisiertes globales Handelsgefüge umgewandelt, in dem der Westen, und insbesondere die USA, nicht mehr am Steuer sitzt, sondern eben Asien.

Asien als Dreh- und Angelpunkt der künftigen Globalisierung in neuer Form
„Schaut man sich die bisherige Entwicklung der Globalisierung an, so fällt vor allem die dominante Rolle der USA auf. Schließlich hatten die Vereinigten Staaten die mit Abstand größte Volkswirtschaft. Ihre Kapitalmärkte waren die mit der größten Gewichtung, ihre Unternehmen waren die wertvollsten und der Welthandel wurde von der Dollarfakturierung dominiert. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries bestimmte die globalen Kosten für mobiles Kapital. Mit diesen Vorteilen war es nur natürlich, dass die US-Multis das Regelwerk definierten, das die Globalisierung im späten zwanzigsten und frühen einundzwanzigsten Jahrhundert bestimmen sollte", fasst Power zusammen. Aber jetzt, in den 2020er Jahren, komme ein Teil der Behauptung, dass die Globalisierung im Sterben liege, daher, dass ihr Weg in die Zukunft nicht mehr überwiegend durch amerikanische Präferenzen definiert werde. Die Globalisierung mit amerikanischer Prägung möge in der Tat im Sterben liegen, aber das bedeute nicht, dass nicht eine weniger auf die USA ausgerichtete Version der Globalisierung ihren Platz einnehmen werde, so Power weiter.

Geografisches Muster des Konsums verändert sich mit China als neuer Nummer eins
Im kommenden Jahrzehnt werden sich die geografischen Muster des Konsums - und vor allem dessen Wachstum - grundlegend ändern. Bis zum Jahr 2030 wird Chinas Wirtschaft wahrscheinlich die der USA an Größe überholt haben. Zudem wird der Anteil der größten Freihandelszone der Welt, der neu gegründeten RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), die sich auf die ostasiatische Zeitzone konzentriert, am globalen BIP gemessen von 30 Prozent im Jahr 2020 auf 50 Prozent im Jahr 2030 steigen. Laut der Forschungsgruppe Brookings werden in den 2020er Jahren 90 Prozent der Milliarde Menschen, die voraussichtlich zur Mittelschicht gehören werden, in Asien leben.

RCEP ist nicht zu unterschätzen
Unterm Strich wird das Gefüge der Handelsglobalisierung im Jahr 2030 ein ganz anderes sein als das, mit dem der Westen vertraut ist. Die globalen Warenlieferketten werden zunehmend nicht nur von Asien aus, sondern auch nach Asien führen, wie es bereits bei der Versorgung mit natürlichen Ressourcen der Fall ist.

Zwei große Fragen für Investoren
Erstens: Was wird die Weiterentwicklung der Globalisierung für das Muster der weltweiten Kapitalströme im kommenden Jahrzehnt bedeuten? Zweitens: Wird das Muster, das sich abzeichnet, die Amerikanisierung des globalen Kapitals, die die Welt seit 1945 kennt, untergraben oder neu gestalten? Die Globalisierung des Kapitals bis 2030 wird wahrscheinlich dazu führen, dass ein viel größerer Anteil des grenzüberschreitenden Kapitals nach Asien fließt, sei es in festverzinsliche Anlagen oder in Aktien. Und da die asiatische Mittelschicht immer mehr wächst, wird dieser Kapitalfluss von außerhalb Asiens wahrscheinlich um innerasiatische Kapitalflüsse ergänzt werden. Schließlich verfügt Asien sowohl über Investitionsmöglichkeiten als auch über eine an Ersparnissen reiche Bevölkerung. Schon jetzt übertreffen die Aktientransaktionen in Hongkong die in London im Verhältnis vier zu eins. Bis zum Jahr 2030 werden Chinas Kapitalmärkte eine bekannte Größe sein: transparenter, besser reguliert und weniger bürokratisch als im Jahr 2021. Das gelte ebenso für Indien. Auch der Renminbi und die Rupie werden bis dahin bekannte Größen sein, auch wenn sie die Vormachtstellung des US-Dollars in der Welt des Kapitals noch nicht ablösen konnten.

Zusammenfassung
Die Frage, ob die Globalisierung tot sei, lässt sich verneinen, so Power: "Ganz im Gegenteil: Jenseits des Westens glauben viele, dass sie sich einfach im Wandel befindet. Die Globalisierung, die von den USA beherrscht war, entwickelt sich zu einem neuen Handelsgefüge, in dessen Zentrum Asien steht. Globale Lieferketten werden zunehmend nicht mehr nur aus Asien heraus, sondern nach Asien hinein führen - und der Kontinent selbst wird sein größter Kunde sein. Da sich die Handelsströme wieder nach Osten verlagern, müssen Investoren die Auswirkungen auf die Kapitalströme sorgfältig abwägen." (kb)

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