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Wider die Crash-Propheten

Dr. Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital, setzt sich in der neuesten Ausgabe des Marktkommentars "StarInvest" mit den Argumenten der Crash-Propheten auseinander. Sein Fazit: Wir sollten uns die Weihnachtsstimmung durch sie nicht verderben lassen.

Manfred Schlumberger, Leiter des Starcapital-Portfoliomanagements
Dr. Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital
© Jose Poblete / stock.adobe.com

„Crash-Propheten“ haben grade wieder einmal Hochkonjunktur. Ihre Bücher werden zahlreich als Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen. Die populärsten Argumente verdienen laut Dr. Schlumberger eine kritische Betrachtung.

Schuldenberg und Zinsanstieg
Die aggregierten Schulden von Staaten, Unternehmen, Banken und privaten Haushalten stiegen in den letzten zehn Jahren um fast 40 Prozent auf über 250 Billionen US-Dollar. Dies entspricht 320 Prozent des globalen Bruttoinlandproduktes. Wenn nun Zinsen stiegen, drohe der Crash – so die gängige Argumentation. Allerdings sank die Verschuldung der privaten Haushalte in den wichtigsten Industrieländern, und in USA und Europa stieg sogar die Sparquote. Gleichzeitig führt die Demographie über ein nachlassendes Wirtschaftswachstum zu einem langfristigen Rückgang der privaten Investitionen und einem Anstieg der Ersparnisse auf Unternehmensebene. Schlumberg dazu: "Die große Lücke, die sich dadurch zwischen den gesamten Ersparnissen der Privathaushalte und Unternehmen einerseits und den privaten Investitionen andererseits auftut, können viele Staaten für die Finanzierung öffentlicher Investitionen nutzen, ohne einen Anstieg der Zinsen befürchten zu müssen. Monetär souveräne Staaten, die sich nur in ihrer eigenen Währung und am besten bei ihrer eigenen Bevölkerung verschulden sowie flexible Wechselkurse zulassen, können nicht Bankrott gehen. Dieser Umstand erklärt auch warum Japan völlig problemlos ein Staatsdefizit von über 240 Prozent des BIP stemmen kann und im Gegensatz zu Deutschland über eine exzellente Infrastruktur verfügt."

Hohe Aktienmarktbewertungen
Als Ursache für einen Markteinbruch wird auch gerne das Argument der hohen Bewertung herangezogen. "Der Vergleich der Schiller-KGVs (Kurs in Relation zum Durchschnittsertrag der letzten zehn Jahre) zeigt jedoch, dass das aktuelle Shiller-KGV in allen Regionen (außer USA 2007) niedriger ist als vor den letzten Crashs beziehungsweise Rezessionen der Jahre 2000 und 2007. Grundsätzlich löst allein eine hohe Bewertung ohne einen Katalysator wie etwa steigende Zinsen keine Korrektur aus", weiß Schlumberger.

Machtkampf USA und China
Der Handelskrieg mit China hat die Weltkonjunktur 2019 massiv geschwächt. "Wir gehen davon aus, dass es zu einem „Waffenstillstand“ bis zu den US-Präsidentschaftswahlen Ende nächsten Jahres kommen wird", so Schlumberg weiter. "Dennoch wird die Rivalität USA versus China in den nächsten Jahre viel Unsicherheit bringen. Aber erinnern wir uns: Deutschland stand noch bis vor 30 Jahren an der vordersten Front des Kalten Krieges zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion."

Kommt der Crash? Irgendwann ganz sicher!
Robert Shiller wird für seine Vorhersage des Börseneinbruchs von 2000 bis 2003 gefeiert. Seine Prognose stammte jedoch von 1996. Der Crash kam vier Jahre später – der US-Aktienmarkt stieg noch über 100 Prozent, gibt Schlumbger zu bedenken.

Seitenhieb auf die Weltuntergangspropheten
Zum Treiben der „Crash-Gurus“ fällt Manfred Schlumberger das Zitat des Philosophen Bertrand Russel ein: „Das Elend der Welt liegt hauptsächlich darin begründet, dass die Dummen so selbstsicher und die Klugen so voller Selbstzweifel sind!“ Wir sollten uns also Weihnachten nicht vermiesen lassen! (kb)

 

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