Whitney: Im vierten Quartal wird abgerechnet
Meredith Whitney rechnet im vierten Quartal mit einer deutlichen Abkühlung der US-Wirtschaft. Whitney selbst ist eine der wenigen, die die Verwerfungen, die der GFC vorangingen richtig einordnete und 2007 mit ihrer bearishen Citigroup-Einschätzung für Furore sorgte.
ECKPUNKTE:
- Sonderimpulse durch Fußball-WM und Fiskalausgaben laufen im vierten Quartal aus
- Kreditkartenausgaben wachsen langsamer, höhere Benzinpreise belasten die Haushalte
- Langfristig hohe Renditen sind laut Whitney vor allem Folge der US-Schuldenpolitik
Der US-Wirtschaft steht nach Einschätzung von Meredith Whitney im vierten Quartal eine deutliche Abkühlung bevor. Dann dürften die Impulse durch die Fußball-WM und nachwirkende Staatsausgaben auslaufen, während höhere Benzinpreise die Haushalte belasten, sagte die Gründerin der Meredith Whitney Advisory Group gegenüber Bloomberg TV.
Bekannt wurde Whitney 2007 mit ihrer Prognose, wonach Citigroup zur Stärkung ihrer Kapitalbasis die Dividende kürzen oder Vermögenswerte verkaufen werden müsse – wenige Monate bevor die Finanzkrise die Wall Street erschütterte. Nicht alle ihre Vorhersagen waren jedoch treffsicher: 2011 erwartete sie Ausfälle bei US-Kommunalanleihen im Umfang von Hunderten Milliarden Dollar. Diese Prognose erwies sich als deutlich überzogen.
Whitney verweist nun auf die wöchentlichen Kreditkartensalden, deren Wachstum sich seit Mai abgeschwächt habe. Vor allem einkommensschwächere Haushalte schränkten ihre Ausgaben ein. Dagegen profitierten Halbleiterunternehmen und einkommensstarke Verbraucher weiterhin von der guten Konjunktur – für Whitney ein „Bild zweier Volkswirtschaften“.
Fed kann zuwarten
Diese Entwicklung verschafft der Fed nach Whitneys Einschätzung Spielraum, die Zinsen in nächster Zeit unverändert zu lassen. Auch die Forderung, Fed-Chef Kevin Warsh müsse seine Glaubwürdigkeit mit einer überraschenden Erhöhung stärken, überzeugt sie nicht. Warsh werde zwar eine restriktive Tonlage beibehalten, mit konkreten Schritten aber auf eindeutigere Daten warten.
Begrenzter Einfluss
Bei den langfristigen Renditen sieht Whitney die Grenzen der Geldpolitik erreicht. Das hohe Zinsniveau sei vor allem Folge der wachsenden Staatsverschuldung und dürfte daher unabhängig vom Kurs der Fed länger bestehen bleiben. Die Anleiheemissionen großer Technologiekonzerne seien im Vergleich zum Treasury-Markt hingegen unbedeutend.
Bei den US-Banken rechnet Whitney mit größeren Übernahmen. JPMorgan hält sie für den wahrscheinlichsten Kandidaten, den seit der Finanzkrise weitgehend zum Erliegen gekommenen Konsolidierungsprozess wieder anzustoßen. (bloomberg/hw)