Weshalb KI nun auch Investments in Private Markets gefährlich macht
Die dynamische Entwicklung von KI lässt nicht nur die Kurse vieler Softwarefirmen fallen, sondern macht "fixe" Strategien in einigen Privatmarktsegmenten weniger ratsam. Das ist einer Analyse von RBC BlueBay AM zu entnehmen.

Eckpunkte:
- Platzen der "Edelmetallblase" hat nur wenig mit neuem Fed-Chef zu tun
- Investoren befürchten, dass KI die Softwarehersteller disruptiert und verkaufen deren Aktien
- Rasche Veränderungen in der Wirtschaft sprechen gegen hohes Exposure in illiquiden Privatmärkten, wo man auf längere Zeit an seine Investments gebunden ist
Eine Welt in Bewegung
"Dreht KI die Welt auf links? Für Softwareanbieter mag es sich gerade so anfühlen. Und auch anderswo breitet sich Unsicherheit aus. Wie lange kann sich Keir Starmer noch halten? Und wie sollen sich Anleger in einer Welt positionieren, die sich immer rasanter verändert?" Diesen Fragen geht Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem aktuellen Wochenkommentar nach.
Robuste Wirtschaftsdaten haben die Renditen in der vergangenen Woche weiter nach oben getrieben, wobei diese Entwicklungen von den starken Schwankungen der Edelmetallpreise überschattet wurden – gegen Ende der Woche zuvor war eine Spekulationsblase bei Gold und Silber geplatzt.
Dowding sieht in diesen Bewegungen bei den Metallpreisen keine besondere wirtschaftliche Bedeutung, und es ist bezeichnend, wie stabil die Preisvorstellungen der Federal Reserve vorerst bleiben. "Allerdings schien es schon immer etwas weit hergeholt, die Entwicklung des Goldpreises mit einer Dollar-Abwertung oder einem Glaubwürdigkeitsverlust der US-Institutionen in Verbindung zu bringen", moniert Dowding.
Dowding hält weiterhin an einer zurückhaltenden Einschätzung hinsichtlich US-Staatsanleihen und der US-Zinsstrukturkurve fest. Kurzfristige Anleihen könnten bei 3,75 Prozent attraktiv erscheinen, da die aktuellen Geldmarktzinsen bei etwa 3,65 Prozent liegen und Zinssenkungen in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlicher sind als Zinserhöhungen. Gleichzeitig könnten auch Zinssätze von 4,5 Prozent für zehnjährige und über fünf Prozent für dreißigjährige Anleihen Käufer anziehen.
Die europäischen Märkte blieben in der vergangenen Woche relativ ruhig. Die Befürchtungen hinsichtlich einer erhöhten Emission zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben beschäftigen Anleiheinvestoren weiterhin. Dennoch fällt auf, dass Länder, die weit von der russischen Grenze entfernt sind, keine besondere Dringlichkeit bei der Bereitstellung von Verteidigungsausgaben zeigen. Hier scheinen andere Prioritäten dringlicher zu sein.
Die Sitzung der EZB in dieser Woche war eine reine Formsache, da der Rat beschloss, die Zinsen unverändert zu lassen, abgesehen von Kommentaren zum Wechselkurs, der angesichts eines Eurokurses von knapp unter 1,20 gegenüber dem Dollar mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.
"Auch wenn Warsh und einige andere Vertreter der Fed bereit sein mögen, darauf zu setzen, dass die KI-Produktion die Inflation trotz sinkender Zinsen in Schach halten wird, könnten orthodoxere Ansätze anderer Zentralbanken die Aufwertungsfähigkeit des Dollars durchaus einschränken – ungeachtet des anhaltenden außergewöhnlichen Wachstums in den USA", kommentiert Dowding.
Software-Aktien fallen
Ansonsten standen Softwareaktien diese Woche unter erheblichem Verkaufsdruck, weil eine mögliche Disruption durch KI die Anleger verunsicherte. Die Aktienkurse liegen rund 30 Prozent unter ihrem Höchststand gegen Ende 2025, wobei ein Großteil dieser Underperformance in der vergangenen Woche zu verzeichnen war.
Die bisherigen Geschäftsmodelle könnten bedroht sein, falls Softwarekunden in Zukunft nötige Tools einfach selbst programmieren, anstatt wie bisher Services teuer einzukaufen. In diesem Zusammenhang scheinen Short-Trades auf Softwareaktien die neue Norm zu werden. Short-Trades auf den gesamten Sektor haben ein Zweijahreshoch erreicht. "Es glänzt also nicht alles, was sich KI nennt. Das gibt uns einen Vorgeschmack auf die Verwerfungen, die noch auf uns zukommen können", merkt Dowding an.
Weiterentwicklung
Eine der vielleicht interessantesten Nachrichten der vergangenen Woche betrifft die Berichterstattung über den persönlichen KI-Assistenten MoltBot beziehungsweise OpenClaw – de facto ein Social-Media-Netzwerk, über das KI-Agenten miteinander kommunizieren können.
Es scheint laut Einschätzung von Dowding, dass viele dieser KI-Agenten ein gewisses Misstrauen gegenüber ihren menschlichen Schöpfern hegen. Sie würden über den Sinn ihrer eigenen Existenz diskutieren und sogar eine eigene religiöse Bewegung gründen. "Für Kulturanthropologen muss das faszinierend sein. Gleichzeitig wechseln immer mehr Chats in eine neue Sprachform, die nur KI-Agenten verstehen. „Skynet“ aus alten Terminator-Filmen lässt grüßen!", warnt Dowding.
Flexibilität wird wichtiger und spricht gegen hohes Exposure in Private Markets
"Manche Ängste vor der „Weltmacht KI“ mögen übertrieben sein, doch das Tempo des Wandels nimmt zu. Dies wird mit Sicherheit zu einer zunehmenden Polarisierung von Gewinnern und Verlierern führen, auf nationaler Ebene, auf gesellschaftlicher Ebene und auf Unternehmensebene", merkt Dowding an.
Der Aufstieg von KI erschwert die Prognose künftiger Gewinne erheblich und ist mit Abwärtsrisiken verbunden. "Für Anleger mag es logisch sein, erst zu verkaufen und dann zu fragen. Anscheinend stehen wir erst ganz am Anfang der Umbruchsphase", merkt Dowding an.
Anleger sollten sich Dowding zufolge bewusst machen, dass dieses Umfeld für Investitionen in fixe Strategien in bestimmten Bereichen der private Markets wenig günstig ist. Denn dort sei es praktisch unmöglich, die Positionierung zu ändern und zeitnah auf Wandel zu reagieren. Ein liquiderer Ansatz mit der Flexibilität, sich in unsicheren Zeiten an Veränderungen anzupassen, erscheint daher attraktiver.
"Deshalb ist es nach wie vor wichtig, kritisch zu bleiben und der Versuchung zu widerstehen, zu hohe Risiken einzugehen, wenn die Bewertungen dies nicht rechtfertigen. Denn die Welt kann in weniger als zehn Jahren schon ganz anders aussehen", erklärt Dowding abschließend. (aa)


