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Wer kauft hundert Jahre Österreich-Risiko?

Die österreichische Bundesanleihe mit einer Laufzeit bis 20.9.2117 und einem Kupon von 2,1 Prozent (ISIN AT0000A1XML2) steht bei Kursen über 155 Prozent und erfuhr kürzlich eine mehrfach überzeichnete Aufstockung um 1,25 Milliarden Euro mit einer Rendite von 1,171 Prozent.

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Hunderjährige Bonds finden ihre Käufer - quod erat demonstrandum.
© freshidea / Fotolia

"Nicht einmal 1,2 Prozent Rendite waren tief genug für Österreichs magischen hundertjährigen Bond", schreibt Marcus Ashworth in der Rubrik "Bloomberg Opinion. Tatsächlich konnte die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur dieses ultralange Papier zu den straffen Konditionen mit Liechtigkeit am Markt unterbringen, standen die Käufer doch Schlange und gaben Gebote für  insgesamt 5,3 Milliarden Euro und damit mehr als das Vierfache des intendierten Aufstockungsvolumens ab. In einem anderen Artikel bezeichnete Ashworth diese - damals erst geplante - Emission als lebendiges Beispiel der verzweifelten Jagd nach Rendite. 

Asymmetrisches Verhalten
Bereits dreimal hatte es im letzten Jahr Aufstockungen gegeben, allerdings zu Kursen zwischen 108 und 116 Prozent. Dieses Mal wurden 154,047 Prozent des Nominalwertes bezahlt. Die Attraktivität ultralanger Laufzeiten mit sehr niedrigen Kupons liegt dank der Konvexität darin, dass diese Anleihen bei fallenden Renditen stärker steigen als sie bei steigenden Renditen fallen. Die Anleihenkurse outperformen bei einem weiteren Renditerückgang - wie eben gerade jetzt - , was eine gute Nachricht für Investoren darstellt.

Regulierungsbedingte Käufe
Lebensversicherer und Einrichtungen der 2. Säule, die Solvency II unterliegen, leiben diese Papiere aus einem anderen Grund: Sie können mit deren Hilfe die Diskrepanz in der Duration von Aktiv- und Passiv-Seite verringern. Wenn klassische Anleiheportfolios auf der Aktivseite Duration von sechs bis sieben Jahren aufweisen, dann tut die Beimischung von Papieren mit einer Duration von 52 Jahren gut, wenn auf der Passivseite Verpflichtungen von 20 und mehr Jahren stehen. Renditeüberlegungen sind hier sekundär. Die Verzinsung liegt bei qualitativ hochstehenden Papieren unterhalb der Inflationsrate. Ob man damit langfristig der Altersversorgung und den Anwartschafts- und Leistungsberechtigten einen Gefallen tut, steht auf einem anderen Blatt. 

Österreich nicht alleine mit ultralangen Bonds
Frankreich und Belgien beispielsweise begaben vor einigen Jahren 50-jährige Staatsanleihen, Mexiko kam mit einer Hundertjährigen Emission, und auch Corporates wie die von Warren Buffett gekaufte Burlington Northern Santa Fe (BNSF; Eisenbahntransportgesellschaft) traten mit einer hundertjähigen Laufzeit an den Markt. Bei letzterer beträgt die Restlaufzeit übrigens "nur" mehr 80 Jahre... (kb)


 

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