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Finanzmarkt-Ausblick 2020

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Wie geht es 2020 weiter mit der Weltwirtschaft und was bedeutet der Führungswechsel an der EZB-Spitze für die europäische Geldpolitik? PIMCO-Chefökonom Joachim Fels erläutert im Video den Konjunkturausblick und die Schlussfolgerungen für die Asset-Allokation.

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Wer braucht noch eine EZB, wenn die Inflation fehlt?

In der neuesten Ausgabe des "Strategy Research" kommentiert Chefvolkswirt Uwe Burkert, der auch Leiter Research bei der LBBW ist, die Tatsache, dass Notenbanken ein Problem mit zu viel Preisstabilität haben.

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Uwe Burkert
© LBBW

Es war nur ein Randthema auf der Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi: Die Notenbank hat ihre Inflationsprojektionen für 2020 und 2021 leicht gesenkt. Mit 1,4 und 1,6 Prozent für 2020 bzw. 2021 sieht die Zielzone der EZB, eine Inflationsrate „unter, aber nahe zwei Prozent“ aus heutiger Sicht weit weg aus. 

Was tun, wenn zu viel Stabilität unbequem wird?
Rückblende in die Zeit vor der Währungsunion: In Deutschland wird eine Debatte geführt, ob der Euro eine Inflationsgemeinschaft wird. Um dies zu verhindern, wird der EZB das institutionelle Design der Bundesbank verpasst: Unabhängigkeit und Verpflichtung auf das vorrangige Ziel der Preisstabilität. Heute scheint es im Gegenteil, dass die EZB unter zu viel Preisstabilität leidet. Beim Versuch, Inflation (und Konjunktur) künstlich zu beatmen, sind die Notenbanken in die kalte Welt negativer Zinsen vorgedrungen. Deshalb sind führende Zentralbanken auf der Suche nach neuen geldpolitischen Strategien. In Chicago gab es einen Gedankenaustausch von Ökonomen und Zentralbankern zur Strategie der US-Notenbank. Kommende Woche findet die alljährliche EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra zum Thema „20 Jahre EWU statt“. Aber auch dort wird es mehr um die Zukunft gehen.

Geldpolitik auf der Suche nach neuen Wegen
Unter Fachleuten wird derzeit eine Abkehr von (impliziten oder expliziten) Inflationszielen diskutiert. Im Schwange sind Überlegungen, dass sich eine Notenbank am Preisindex orientieren sollte. Auf Phasen niedriger Inflation sollten ausgleichende Phasen hoher Inflation folgen, die Leitzinsen müssten zunächst nicht gesenkt, später nicht erhöht werden. Dies den Märkten glaubwürdig vermittelt, würden Inflationserwartungen und Marktrenditen nicht so stark fallen wie beobachtet. 

Da sich unter anderem Lohnabschlüsse an Inflationserwartungen der Tarifparteien orientieren und der Lohn den Preisdruck regelt, wären glaubwürdige Preisniveauziele der Notenbank ein
„Selbstläufer“. Für unerwartete Schwächephasen der Konjunktur durch exogene Schocks gewönnen die Notenbanken zudem Zinssenkungsspielraum, der im Notfall einzusetzen wäre.

Zu Ende gedacht, werden Zentralbanken überflüssig
Und wenn sich Inflation auch dann nicht einstellt? EZB & Co. ziehen ihre Existenzberechtigung aus der Notwendigkeit, in einem Kreditgeldsystem eine inflationäre Kreditgeldschöpfung
der Geschäftsbanken zu begrenzen. Heute zeigt sich: Selbst mit extremer Liquiditätsbereitstellung bleibt Inflation aus. Wer braucht in so einer Welt eigentlich noch eine Zentralbank? Ebenso gut könnte jede Geschäftsbank eigenes Geld anbieten, nicht zu reden von den Kryptowährungen wie Bitcoin. Zur Wahrung von Mindeststandards genügte eine Mischung aus TÜV und Verbraucherzentrale. Den Rest würde der Markt regeln – effizienter als die 19+1 Notenbanken des Eurosystems. Am Ende setzte sich das aus Kundensicht nützlichste Zahlungsmittel durch. Pech für den Staat, dem bislang der Gewinn aus der
Geldschöpfung, die „Seignorage“, zufließt, aber gut für die Unternehmen und Haushalte? Noch sei das nur ein Gedanke, sagt Burkert. "Aber in einer Welt, in der große Internetkonzerne eigene Zahlungsmittel vorbereiten, schon bald eine echte Option – vorausgesetzt, die Inflation kehrt nicht zurück." (kb)

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