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Wer bezahlt für den KI-Investitionsboom?

Die Investitionen in KI-Infrastruktur steigen rasant. Doch die Schweizer Privatbank Reichmuth warnt davor, technologischen Erfolg mit einem guten Investment gleichzusetzen. Entscheidend sei, ob künftige Erlöse die hohen Investitionen rechtfertigen – und wer das Risiko trägt, wenn sie es nicht tun.

Matthias Ramser, Reichmuth & Co: "Technologisch recht zu haben bleibt wichtig. Für Anleger entscheidend ist aber, in der richtigen Phase des Zyklus die richtigen Risiken einzugehen."
Matthias Ramser, Reichmuth & Co: "Technologisch recht zu haben bleibt wichtig. Für Anleger entscheidend ist aber, in der richtigen Phase des Zyklus die richtigen Risiken einzugehen."© Reichmuth & Co

Eckpunkte:

  • Enttäuschungen könnten Marktkorrektur auslösen
  • Versteckte Risiken im Private-Debt-Markt für KI-Infrastruktur
  • Reichmuth rät zu schrittweiser Verschiebung hin zu KI-Anwendern

Die Investitionspläne der Hyperscaler für KI-Infrastruktur steigen rasant: von 249 Milliarden US-Dollar 2024 über 426 Milliarden Dollar 2025 auf voraussichtlich 984 Milliarden Dollar 2027. Davon profitieren derzeit vor allem die "Schaufelhersteller" des KI-Booms – etwa Halbleiterhersteller sowie Unternehmen aus Stromerzeugung, Netzen und elektrischer Ausrüstung. Daraus folgt für Matthias Ramser, Chief Investment Officer von Reichmuth & Co, die entscheidende Frage, welche Erträge mit KI erwirtschaftet werden müssen, damit sich diese Investitionen für die Kapitalgeber rechnen.

Hohe Anforderungen an die Monetarisierung
Reichmuth verdeutlicht die Größenordnung mit einer Modellrechnung. Bei drei Milliarden aktiven KI-Nutzern im Jahr 2030 und einer Zahlungsquote von zehn Prozent müsste jeder zahlende Nutzer monatlich 112 Dollar ausgeben, damit die Investitionen eine marktübliche Verzinsung erwirtschaften. Bei 20 Prozent wären es noch 56 Dollar.

Die Erwartungen an die Monetarisierung nennt Ramser "ambitioniert, aber nicht unerreichbar". Bleiben die Erträge aber breit hinter den Zielen zurück, rechnet er mit einer "flächigen" Marktkorrektur. Besonders unter Druck könnten Unternehmen in der vorgelagerten KI-Wertschöpfungskette geraten, deren Bewertungen eine Fortsetzung des Investitionsbooms voraussetzten. Die Dotcom-Ära zeige, dass technologischer Erfolg nicht automatisch ein gutes Investment bedeute. "Die Technologie-Prognose war richtig, nur die Preisprognose war es nicht", schreibt Ramser.

Risiko könnte zu Private Debt wandern
Anders könnte die Entwicklung verlaufen, wenn die KI-Nachfrage insgesamt intakt bleibt, aber einzelne Modellanbieter enttäuschen. Cloud-Anbieter könnten ihre Kapazitäten dann auf erfolgreichere Modelle umlenken. Das Risiko könne sich dadurch von den Aktienmärkten zu den Finanzierern der Verlierer verlagern.

"Der Private-Debt-Markt für KI-Infrastruktur ist der Ort, an dem dieses Risiko heute versteckt liegt", warnt Ramser. Das gelte auch für innovative Verbriefungen, deren tatsächliche Verlustverteilung sich erst in einer Belastungsprobe zeigen werde.

Für Anleger spricht das laut Reichmuth für einen selektiven Ansatz: An Gewinnern der Infrastrukturphase festhalten, solange Investitionen und Nachfrage tragen, zugleich aber verstärkt Unternehmen berücksichtigen, die KI zur Steigerung von Umsätzen und Produktivität einsetzen. Als Beispiele nennt er Banken und Biotechnologieunternehmen, die profitieren könnten, ohne selbst die hohen Infrastrukturinvestitionen tragen zu müssen.

Mit steigenden Investitionen und Bewertungen wachse das Risiko, dass selbst technologisch erfolgreiche Unternehmen die eingepreisten Erwartungen nicht erfüllen. "Technologisch recht zu haben bleibt wichtig. Für Anleger entscheidend ist aber, in der richtigen Phase des Zyklus die richtigen Risiken einzugehen", schreibt Ramser. (dv)

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